© Oliver Jeske / ERF Medien

Religions- und Gewissensfreiheit ist bei uns ein hohes Gut.

Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille: Polizei steht vor Synagogen und jüdischen Schulen. Kippa tragende Personen werden auf offener Straße angegriffen von Menschen mit muslimischem oder rechtsnationalem Hintergrund. Es ist eine traurige Wahrheit: Antisemitismus in Deutschland hat in den letzten Jahren zugenommen. Oliver Jeske hat mit jüdischen Vertretern in Berlin gesprochen.

„Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus ist der Lackmustest für die deutsche Demokratie nach der Shoah.“ (Lala Süsskind – Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus)

 


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Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat bei einem Besuch auf Malta Vorwürfe zurückgewiesen, private Seenotretter spielten Schleppern in die Hände. "Diese Helferinnen und Helfer retten Menschenleben, die in Seenot sind", sagte Rekowski am Montag nach einem Treffen mit Crew-Mitgliedern des von Behörden festgesetzten Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" im Hafen von Valetta. "Der Vorwurf, sie arbeiteten den Schleppern in die Hände, kriminalisiert sie und ihren wertvollen Dienst."

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Mit dem Katholischen Medienpreis werden in diesem Jahr ein Dokumentarfilm über eine zivile Hilfstruppe in Aleppo und ein Zeitungsartikel über Kinder mit Behinderungen ausgezeichnet.
Wie die Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Bonn mitteilte, erhalten der syrische Regisseur Feras Fayyad und die Arte-Beauftragte Gudrun Hanke-El Ghomri den Preis für den Film "Die letzten Männer von Aleppo". Geehrt wird zudem der Journalist Johannes Böhme, der für die "Süddeutsche Zeitung" den Artikel "Sorgenkinder" schrieb. Die mit je 5.000 Euro dotierten Preise werden am 4.

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Papst Franziskus hat zur Überraschung der Hochzeitsgäste in einer frühchristlichen Kirche im Vatikan ein junges Paar getraut. Das Kirchenoberhaupt sei ohne Absprache mit dem vorgesehenen Priester an dessen Stelle getreten und habe die Ehe zwischen einem jungen Schweizergardisten und einer Brasilianerin, die in den Vatikanischen Museen arbeitet, geschlossen, berichtete der Nachrichtendienst Vaticannews am Montag. Einzig das Paar war demnach eingeweiht, bewahrte jedoch gegenüber dem Priester und den Gästen Stillschweigen.

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Führende Fleischhersteller in Deutschland arbeiten oft nach dem Reinheitsgebot des Islam. Das ergab eine Umfrage von idea. Die mit „halal“ ausgezeichneten Speisen sind somit für Muslime zum Verzehr geeignet.

„God is calling“, so lautete am Montag der Kommentar von Touristen auf das Handy-Geklingel aus dem Glockenturm einer Schweizer Kirche. Zwei Wochen lang sollen in der Peterskapelle in der Altstadt von Luzern Handy-Töne aus dem Glockenturm erschallen. Die Idee stammt von zwei Kunststudentinnen. Der Handyton werde täglich mindestens drei Mal, wohl aber öfter ertönen, sagte eine der Künstlerinnen der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-sda. Mit dem Projekt „Zeitzeichen“ wollten sie Passanten irritieren.

Bei der Glocke, die seit Monaten renoviert wird, befinden sich nun ein Lautsprecher und ein Mischpult, in dem das Klingelzeichen gespeichert ist. Die beiden Kunststudentinnen bestimmen selbst, wann und wie lange das Kirchturm-Handy klingelt. Sie lösen den Ton via Smartphone aus. Die Nachtruhe muss eingehalten werden. Die Katholische Kirche der Stadt Luzern hatte die Renovierung der Peterskapelle von Kunststudenten begleiten lassen.

Handy-Geklingel sei heute präsenter als Kirchengeläut, meinten die Studentinnen. Angesichts der zentralen Rolle des Smartphones im Leben sei zu fragen, ob das Handy zum modernen Gott geworden sei.

Von: dpa

Der Präsident des Software-Giganten Microsoft Brad Smith hat vor der Software der eigenen Firma gewarnt: Konkret geht es ihm um Technologien zur digitalen Gesichtserkennung. Die müsse stärker reguliert werden – auch wenn Microsoft sie selbst herstellt.

Gesichtserkennungssoftware wird bereits weitreichend eingesetzt, unter anderem vom sozialen Netzwerk Facebook, das erkennt, welche Nutzer auf einem Foto abgebildet sind und diese verlinkt. Aber auch Überwachungskameras an öffentlichen Orten können mit der Software etwa gezielt Personen aus der Menge filtern. Diese Technik steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. So endete etwa am Berliner Bahnhof Südkreuz vor Kurzem eine einjährige Probezeit, in der eine entsprechende Technik getestet wurde.

Auf dem firmeneigenen Blog hat Smith nun einen Eintrag veröffentlicht mit dem Titel „Facial Recognition Technology: The need for public regulation and corporate responsibility“, zu deutsch etwa: „Gesichtserkennungssoftware: Die Notwendigkeit von öffentlicher Regulierung und Unternehmensverantwortung“. Ein Softwarehersteller ruft hier also die Regierungen auf, seine eigenen Produkte zu kontrollieren – und sich selbst, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen.

Chancen und Gefahren der Identifikations-Software

Dass das ungewöhnlich ist, schreibt Smith selbst. Doch die Situation erfordere es. Die Software zur Gesichtserkennung habe sich in den letzten zehn Jahren rapide entwickelt – und werfe Fragen auf, die „bis ans Herz des Schutzes grundlegender Menschenrechte wie Privatsphäre und Redefreiheit gehen“.

„Alle Werkzeuge können zum Guten oder zum Schlechten eingesetzt werden“, meint Smith. So wie man einen Besen zum Kehren verwenden oder jemandem damit eins überziehen könne, so sei auch Gesichtserkennungssoftware zu beidem zu gebrauchen – etwa um Terroranschläge zu verhindern oder verlorengegangene Kinder zu finden, aber auch, um einen Menschen pausenlos zu überwachen oder einer Regierung zu erlauben, Buch darüber zu führen, wer bei den Kundgebungen ihres politischen Gegners war. So sei ein Szenario wie in „1984“ schnell im Bereich des Denkbaren.

Deshalb, meint Smith, brauche es vor allem zwei Dinge: Gesetzliche Regelungen für den Einsatz der Software und verantwortungsvoll handelnde Firmen.

Die Politik muss regulieren

Jede Gesellschaft müsse sich demnach fragen, welche Rolle die Software in ihr spielen solle – und entsprechende politische Regelungen umsetzen. Speziell den US-amerikanischen Kongress ruft Smith daher auf, eine parteiübergreifende Expertenkommission zu gründen, die über entsprechende Schritte beraten soll. Die Regelungen zur Gesichtserkennungssoftware könne den Regierungen niemand abnehmen – auch die Firmen selbst nicht.

So begrüße Microsoft es zwar, wenn man Firmen zu verantwortlichem Handeln aufrufe – doch das könne eine demokratische Entscheidung der Öffentlichkeit nicht ersetzen. Es sei sinnvoller, eine gewählte Regierung eine nicht gewählte Firma regulieren zu lassen als umgekehrt.

Für die Firmen selbst seien gesetzliche Vorgaben nicht unbedingt ein Nachteil. Smiths Beispiel ist die Autoindustrie. Auch die habe von vorgeschriebenen Sicherheitsgurten und Airbags profitiert.

Firmen sollen auf Menschenrechte achten

Doch auch die Firmen stünden in der Bringschuld, meint Smith. „Die Notwendigkeit staatlicher Leitung entbindet uns Tech-Konzerne nicht von unserer eigenen ethischen Verantwortung.“ Man müsse sicherstellen, dass die Technologie auf den Menschen ausgerichtet und mit gesellschaftlichen Werten vereinbar sei.

Das bedeute unter anderem, die Öffentlichkeit über den Stand der Software zu informieren und deren Entwicklung zu entschleunigen. „‚Move fast and break things‘ („Beweg’ dich schnell und mach’ Dinge kaputt“) ist in den letzten zehn Jahren eine Art Mantra im Silicon Valley geworden. Doch wenn wir uns zu schnell bewegen, könnten wir merken, dass grundlegende Menschenrechte kaputt gehen“, warnt Smith.

Um das zu verhindern, müssten den Programmen vor allem Vorurteile ausgetrieben werden, so Smith. Auch das sei die Verantwortung der Hersteller. So habe es die Software nach wie vor schwerer, einen Menschen zu erkennen, je dunkler dessen Hautfarbe ist. Auch werden Frauen schlechter erkannt als Männer. Solche Macken könnten schlimmstenfalls sogar dazu führen, dass beispielsweise die falsche Person verhaftet werde, warnt Smith.

Von: Martin Jockel

Am Samstag haben rund 50 ehrenamtliche Mitarbeiter und Synodale beim Forum Lebendige Gemeinde der württembergischen ChristusBewegung ihre Positionen für die 2019 anstehende Kirchenwahlen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg festgelegt. Eine wichtige Rolle soll dabei die Digitalisierung einnehmen. Dabei helfe der Blick über den Horizont der eigenen Ortsgemeinde hinaus enorm, für innovative Formen und neue Arbeitsfelder offen zu bleiben. Das hat das pietistisch geprägte Netzwerk innerhalb der Landeskirche in einer Pressemeldung am Montag mitgeteilt. Durch die Digitalisierung könnten Menschen auf ganz eigene Art angesprochen werden.

Auf Anfrage erklärte der Geschäftsführer der ChristusBewegung, Rainer Holweger: „Wir freuen uns, dass unsere Landeskirche hier Schwerpunkte setzt und sich viele aus dem Bereich des Pietismus in erster Reihe innovativ engagieren." Als Beispiele für neue Ansätze bei den Digitalisierungs-Bemühungen nannte Holweger die Video-Formate „Das Bibel-Projekt“, „Eckstein Elementar“ sowie „die Bibelchecker“.

Alle drei Formate erklären in kurzen Filmen die Bibel und christliche Themen. Das Bibel-Projekt wird von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg maßgeblich gefördert. Der Theologe Hans-Joachim Eckstein hat ebenfalls einen eigenen Video-Blog eröffnet, in dem er allgemeinverständlich biblische Themen erläutert.

Online gemeinsam Bibel lesen

Das jüngste Projekt stellen die „Bibelchecker“ dar. Tobias Schneider, der Leiter der Missionarischen Dienste in der württembergischen Landeskirche, und Diakon Johannes Kuhn, Referent für Medienarbeit im Evangelischen Gemeinschaftsverband Württemberg, Die Apis, erläutern gemeinsam die Inhalte biblischer Texte. Grundlage ist jeweils ein Video des „Bibel-Projekts“.

„Mit den Angebot soll das gemeinsame Bibellesen in dem Mittelpunkt gerückt werden", erklärte Kuhn auf Anfrage. „Wir glauben, dass die Texte bis heute elementar wichtig sind und etwas mit unserem Leben zu tun haben. Wir wünschen uns, dass die Menschen wieder neu von Texten fasziniert werden. Und sich den Fragen stellen, die die Texte aufwerfen.“ Nutzer können dazu ihre Gedanken, Fragen und Erlebnisse in Form von Kommentaren auf der Webseite bibelchecker.de, Postings auf einer Facebookseite oder einem zugehörigen YouTube-Kanal einbringen.

„Am Ende von zwei Wochen treffen sich die Teilnehmer sonntagsabends um 19 Uhr zu einem Livestream bei YouTube, wo Fragen und Gedanken noch einmal vertieft werden." Im Herbst wollen die Projektverantwortlichen nach der erfolgreichen Pilotphase gezielt Werbung machen. Holweger zufolge fördere die württembergische Landeskirche noch die Entwicklung eines innovativen Computer-Rollenspiel. Ebenso gebe es auf Antrag der Landessynode über das Evangelische Medienhaus in Stuttgart eine digitale Fassung des Kirchengesangbuches, das voraussichtlich ab 2019 zur Verfügung stehen soll.

Die ChristusBewegung Lebendige Gemeinde ist ein Netzwerk innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und verbindet eigenen Angaben zufolge Menschen aus Kirchengemeinden, Jugend- und Gemeinschaftsverbänden, Missionswerken und freien Initiativen. Die Wurzeln der ChristusBewegung liegen im Pietismus und der Erweckungsbewegung. Insgesamt organisieren 32 regionale Arbeitskreise Veranstaltungen in den Kirchenbezirken der württembergischen Landeskirche, darunter auch den traditionellen Christustag.

Von: Norbert Schäfer


© antriksh / pixabay.com

„Wir sind erschüttert, dass Tausende von Flüchtlingen auf der Flucht sterben und insbesondere im Mittelmeer, vor den Toren Europas, ertrinken.“ Das schreibt der Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, zu der sich auch ERF Medien zählt zur aktuellen Situation vieler Flüchtlinge. Der Allianzvorstand hat dies als offenen Brief veröffentlicht und hofft auf Resonanz bei den politisch Verantwortlichen.

Ohne Wenn und Aber

Gleichzeitig lädt die Allianz die Christen aber auch zum Gebet ein. „Angesichts der Komplexität und Größe der gegenwärtigen Herausforderung fordern wir die Christen auf, für die politisch verantwortlichen zu beten, dass gute, hilfreiche Lösungen gefunden werden. Ohne Wenn und Aber müssen Menschen vor dem Ertrinken bewahrt werden.“

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, erklärt im Interview mit Andreas Odrich, welche konkreten Schritte die Allianz von den politisch Verantwortlichen erhofft, und warum Beten hier hilft.


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Die Zerstörung der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) geht weiter. Das berichtete Pastor Alexander Gross gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

pro: Wo im Irak waren Sie in der vergangenen Woche unterwegs und warum?

Uwe Heimowski: Um mir ein Bild davon zu machen, wie es den Christen und Jesiden im Nordirak geht, bin ich gemeinsam mit dem Vertreter einer anderen Organisation, David Müller von der christlichen Ojcos-Stiftung in den Irak gereist. Wir haben uns in den Städten Erbil und Dohuk in Kurdistan und in der Ninive-Ebene aufgehalten. Nach Mossul sind wir nicht gefahren, da ist die Lage nach wie vor zu unsicher und gefährlich. Derzeit werden die Städte und Dörfer außerhalb Kurdistans jeweils von einer eigenen Miliz kontrolliert, die wiederum der Zentralregierung des Irak untersteht. Die Milizen können zum Beispiel christlich oder schiitisch sein. Sie beschützen dann die jeweilige Region. Das ist ein sehr fragiles Gebilde. In die Gegend um die christliche Stadt Kirkuk in der Ninive-Ebene kehren jetzt langsam die ersten Menschen zurück, Kirchen werden wieder genutzt und neue Häuser gebaut. Das christliche Leben beginnt dort nach dem Rückzug des Islamischen Staates (IS) von Neuem.

Haben Sie sich sicher gefühlt?

Wir haben uns immer dann besonders sicher gefühlt, wenn wir von offiziellen Würdenträgern der Kirche begleitet wurden. Sowohl die kurdische Regierung als auch die Milizen haben hohen Respekt vor ihnen. Auch, weil sie wissen, dass über die Kirchen viele Entwicklungsgelder ins Land kommen, die dazu beitragen, dass zum Beispiel zerstörte Häuser wieder aufgebaut werden. Am Wochenende gab es Aufstände und Unruhen im Südirak. Die Nationalregierung hat dann zunächst alle sozialen Netzwerke geblockt und schließlich das Internet als Ganzes abgeschaltet. Das zeigt: Die Gesamtlage im Irak ist sehr brüchig. Viele Menschen fürchten sich davor, dass sich einzelne Gruppen erneut radikalisieren. Auch deshalb legen sie Wert darauf, dass ihre Dörfer nicht religiös gemischt sind, sondern möglichst homogen. Letzten Endes fürchten sich auch viele davor, dass Schläfer des IS erneut Menschen anwerben könnten. Niemand weiß genau, wer und was da im Untergrund noch schlummert.

Wie sind die Menschen im Nordirak Ihnen begegnet?

Sehr positiv. Vor allem Christen, aber gerade auch die Kurden haben sich sehr dankbar dafür gezeigt, dass die deutsche Regierung 2014 entschieden hat, die Peschmerga, also die Streitkräfte Kurdistans, zur Selbstverteidigung zu bewaffnen. Das war eine umstrittene Entscheidung und es ist bis heute einmalig, dass Deutschland Waffen in ein Kriegsgebiet liefert. Viele Kurden und Jesiden, die ich getroffen habe, sagten mir, sie hätten sich ohne diese Lieferungen nicht gegen den IS verteidigen können.

Wie geht es den Christen im Nordirak heute?

Die Kirchen und Kirchenleiter sind sehr engagiert und versuchen so gut wie möglich, Anreize zu schaffen, damit die Menschen zurückkehren. Sie helfen bei Existenzgründungen und beim Wiederaufbau. Sie wollen ihre christliche Identität und das christliche Erbe im Nordirak erhalten und fördern. Wer aber mit den ganz normalen Menschen vor Ort spricht, spürt schnell, dass sie sich nicht sicher fühlen, dass sie eigentlich weg wollen. So gut wie jeder hat dort mittlerweile Verwandte oder Freunde, die ins Ausland gegangen sind. Die meisten wollen ihnen folgen. Sie haben Angst. Jeder, der eine Chance hat, zu gehen, geht.

Wovor fürchten sich die Christen im Nordirak, nun, da der IS vertrieben wurde?

Die Hauptgefahr liegt darin, dass die Menschen Zankapfel der Staaten sind, die sich in die Politik des Irak einmischen. Da gibt es Schiiten, die aus dem Iran unterstützt werden, die Türkei kämpft im Norden immer wieder gegen die Kurden, es gibt Sunniten, die Hilfe aus Saudi-Arabien bekommen. Die Iraker fürchten, dass ihr Land zunehmend ein Spielball der Mächte wird. Das würde für die Christen vor allem dann zum Problem, wenn irgendwann wieder eine radikalere muslimische Gruppe zum Kampf aufriefe. Dann ginge alles von vorne los. Gerade die Ninive-Ebene ist eine Art Puffer zwischen Kurdistan und dem muslimischen Rest des Irak. Käme es zu Auseinandersetzungen, wäre das verheerend für die Menschen dort. Deshalb wünschen sie sich NGOs und politische Vertreter, die gezielt dort aktiv werden und auch Repräsentanzen dort eröffnen, um die Region zu stärken und durch ihre Anwesenheit Angriffe weniger wahrscheinlich machen. Die Menschen dort sagen: Ohne ausländische Hilfe können wir hier nicht bestehen.

Was wünschen sich die Christen im Irak sonst noch konkret von Deutschland?

Politisch eine Unterstützung der Kurden, denn das bringt ihnen Sicherheit. Dann weitere institutionelle Hilfe vor Ort durch Gelder aus der Entwicklungshilfe und von NGOs. Eine Förderung der Ninive-Ebene, vielleicht sogar durch eine Art politische Selbstverwaltung. Viele haben uns auch gesagt, dass sie sich wünschten, innerhalb Deutschlands würde härter gegen radikale Muslime vorgegangen. Denn die Symbolwirkung dessen strahle bis in den Irak. Die Menschen sagten uns auch: Habt einen Blick nicht nur für die Konvertiten, die vom Islam übertreten, sondern auch für die Christen, die hier schon seit Jahrzehnten als Christen leben. Denn auch die sind in Gefahr. In Mosul etwa gibt es keine Christen mehr. Dabei ist hier eine der Wiegen des Christentums. Und immer wieder kommen diese beiden Bitten: „Vergesst uns nicht und betet für uns.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

Gott finden im Wald ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at July 16, 2018, 12:01 pm)


© Oliver Jeske / ERF Medien

Raus aus der Stadt – rein in die Natur: Wer schätzt das nicht?

Eine besondere Form der Begegnung mit Schöpfung bietet der Förster Michael Duhr zusammen mit Anke Schüler. Die Christen aus Berlin und dem Umland bieten ein „Work and Pray“ mitten im Wald an. Oliver Jeske hat die beiden besucht.


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Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann hat sich gegen eine Abschottung der EU und für eine christliche und solidarische Flüchtlingspolitik in Europa ausgesprochen. Die Fluchtursachen, nicht die Flüchtlinge müssten bekämpft werden, erklärte Junkermann am Sonntag in Erfurt. Dabei warb sie für eine Online-Petition, die sie selbst und bis Sonntagmittag mehr als 38.300 Menschen unterzeichnet haben.

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Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hat für Verständigung und Versöhnung über Grenzen hinweg geworben. "Versöhnung gelingt nur, wenn einer den ersten Schritt tut, wenn ich den ersten Schritt tue", sagte der evangelische Theologe am Sonntag in einem vom ZDF übertragenen Gottesdienst in Kehl. Es müssten Wege gefunden werden, die aus dem Teufelskreis "Wie du mir, so ich dir" herausführten, erklärte Cornelius-Bundschuh in dem deutsch-französischen Versöhnungs-Gottesdienst. Anlass war das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren.

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In Nicaragua sind bei Angriffen von Sicherheitskräften auf eine Kirche mindestens zwei Menschen getötet worden. In der Kirche Divina Misericordia in der Hauptstadt Managua hatten rund 150 Studenten zusammen mit Geistlichen und Journalisten Schutz vor der Gewalt gesucht, wie die Tageszeitung "La Prensa" am Samstagabend (Ortszeit) berichtete. Zwei Studenten seien durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet worden, erklärte die Erzdiözese von Managua. Zahlreiche weitere Studenten seien zum Teil schwer verletzt worden.

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In Nicaragua haben Regierungstruppen eine Kirche angegriffen und zwei Menschen getötet. Bei ihnen handele es sich um Studenten, die an Protesten gegen den sozialistischen Präsidenten Daniel Ortega teilgenommen hatten.
Die Debatte über die Flüchtlingspolitik hat das politische Klima in Deutschland vergiftet. Diese Ansicht vertritt der Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, Ulf Poschardt.

Sonntag, zwei Minuten vor zehn. Gedränge im Gemeindesaal. Jacken und Mützen türmen sich auf Stühlen, zwischen den Reihen flitzen Vierjährige hindurch, Einjährige erkunden die Krabbelecke mit Büchern und Bausteinen an der rechten Seite des Saals. Der Vikar – heute ohne Talar – lächelt, beugt sich nach unten und begrüßt die Kinder auf Augenhöhe. Familienkirche an diesem Sonntag – mit und von den Jungen und Mädchen des gemeindeeigenen Kindergartens. Sie singen die Lieder auswendig mit, rennen um den Altar zu ihren Eltern, um sich segnen zu lassen, und fassen sich beim Vaterunser an den Händen.

„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes“, sagt Jesus im Lukasevangelium, Kapitel 18 Vers 16. In Deutschland tun dies Angaben der Evangelischen Kirche zufolge mehr als eine halbe Million Kinder täglich: Sie besuchen einen christlichen Kindergarten und lernen hier nicht nur sauber mit Besteck zu essen, selbstständig auf die Toilette zu gehen oder sich in eine Gemeinschaft einzufügen, sie lernen auch Christus kennen. Sie erfahren Gott und spüren den Heiligen Geist durch die Gruppenräume wehen – bestenfalls.

Mission in der Kita

Was Babys und Kleinkinder in den ersten Jahren ihres Daseins lernen und erfahren, das prägt sie für den Rest ihres Lebens. Macht das christliche Kindergärten also zu den Orten von Mission schlechthin?

„Kindergärten sind Orte der Bildung“, stellt Matthias Hahn von der Evangelischen Hochschule in Berlin fest. Der Professor für Evangelische Religions- und Gemeindepädagogik erklärt, wie hoch die Bedeutung von Bildungsprozessen in diesem jungen Alter ist. Das lässt sich natürlich auf die Kindergärten und die religiöse Bildung beziehen. Kinder haben ein Recht auf Religion – auch und gerade wenn sie in konfessionslosen Elternhäusern aufwachsen. In den neuen Bundesländern ist das fast die Regel. Dennoch gibt es in jeder größeren Stadt christliche Kindergärten, und auch christliche Schulen erleben einen großen Zulauf. Viele konfessionslose Kinder besuchen die von Diakonie, Gemeinden, Vereinen oder Stiftungen getragenen Einrichtungen. „Diese Kinder haben noch nie in ihrem Leben etwas über Religion gehört. Aber sie haben das Recht darauf, dass ihnen dieser wichtige Teil des Lebens erschlossen wird“, sagt Professor Hahn.

Durch liebevolle und glaubwürdige Erwachsene, durch kindgerechte Erzählungen und Materialien, durch Feste und Rituale kann es gelingen, das Samenkorn des Glaubens in kleine Herzen zu pflanzen. Das dürfe aber nicht erzwungen und die Kinder nicht instrumentalisiert werden, betont Hahn. Und er dämpft Erwartungen: Dass das Samenkorn aufbricht, keimt und wächst, liegt weniger in menschlichen Händen. „Der Glaube kommt von Gott, und unsere Versuche, ihn den Kindern zu zeigen, sind deshalb begrenzt.“ Keineswegs sollten Erzieher, Pfarrer, Gemeindepädagogen denken, sie brächten Christus zu den Kindern. Vielmehr sollten sie mit wachen Augen schauen, wo er bereits ist und wirkt.

Was Kirche tun kann, um Erzieher religionspädagogisch zu qualifizieren, hat Pfarrerin Angela Kunze-Beiküfner in ihrer Doktorarbeit untersucht. Zudem hat die Pfarrerin die Angebote für Kita-Mitarbeiter am Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirchen Mitteldeutschlands und Anhalts (PTI) mitaufgebaut. „Im Religionsunterricht gibt es ein Überwältigungsverbot, das gilt de facto auch für Kindergärten“, sagt sie. Das bedeutet: Dem christlichen Menschenbild entsprechend wird in den Einrichtungen akzeptiert, dass Menschen unterschiedlich sind, verschiedene Zugänge zu Religion haben und dass dennoch in jedem Spiritualität steckt.

Wo die Wiege des Kindergartens steht

Erzieher und Kinder in kirchlichen Kindergärten zelebrieren Feste und Rituale, sie wünschen zum Geburtstag nicht nur Glück, sondern auch Segen, sie sprechen vor dem Essen ein Tischgebet, feiern mit dem Pfarrer eine Wochenandacht. „Religiöse Erziehung funktioniert über mehrere Wege. Aber es passiert auch ganz viel in der Beziehung zwischen Erziehern und Kindern, auch unter den Kindern selbst“, schildert Kerstin Enk, Leiterin des evangelischen Kindergartens im thüringischen Schleiz. Nicht weit entfernt von hier steht die Wiege des Kindergartens: In Bad Blankenburg setzte Friedrich Fröbel 1839 sein Programm zur frühkindlichen Bildung in die Tat um. Am 2. Dezember 1867 wurde in Schleiz die erste „Kleinkindbewahranstalt“ eröffnet. Die Einrichtung blieb über die Jahrzehnte und die politischen Systeme hinweg evangelisch, getragen von einem Verein, später der Kirchengemeinde und seit 2009 von der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein.

Kein Kind wird gezwungen zu beten

Zu DDR-Zeiten besuchten mehr Kinder aus christlichen Familien den Kindergarten, heute ist geschätzt die Hälfte der Eltern konfessionslos. „Immer mehr Menschen haben mit Glaube und Kirche nichts zu tun. Das nimmt leider zu. Aber wir spüren bei den konfessionslosen Eltern, die ihre Kinder hier anmelden, keine Befindlichkeiten. Nein, überhaupt nicht. Jeder, der sich für eine Aufnahme in unseren Kindergarten interessiert, wird im Vorfeld zu einem Gespräch eingeladen. Da nehme ich mir eine Stunde oder mehr Zeit und erkläre, wie wir hier arbeiten“, sagt Enk. Eines macht sie deutlich: „Hier wird niemand indoktriniert. Wir leben gemeinsam und gestalten den Alltag. Die Kinder werden miteinbezogen.“ Kein Kind wird gezwungen zu beten, aber alle sind eingeladen sich zu beteiligen, wenn in der Gruppe Tischgebete entwickelt werden oder der Ablauf von Andachten besprochen wird. Dass konfessionslose Eltern sich nach der Aufnahme ihrer Kinder taufen lassen, das komme vor, allerdings selten. Enk betont, seitens der Gemeinde gebe es keinen Druck, keine Vorgaben: „Im Gegenteil. Wir bereichern uns gegenseitig in wunderbarer konstruktiver und wertschätzender Zusammenarbeit.“

Auch Kunze-Beiküfner vom PTI warnt davor, die Beziehung zwischen Kindergarten und Gemeinde einseitig zu definieren. „Kindergärten sind nicht dafür da, um die Kinderkurse Gemeinde aufzufüllen“, sagt sie. Vielmehr sollte die Gemeinde das eigenständige geistliche Leben im Kindergarten anerkennen, all die Morgenkreise und Andachten, die bereits heute eine große Anzahl von Kindern aus konfessionslosen Elternhäusern erreichen. Und, so ergänzt die Pfarrerin, schließlich können auch Eltern von Kindern lernen.

Von: Katja Schmidtke

Der konvertierte Christ Ahrun (richtiger Name soll nicht genannt werden) wurde am 3. Juli nach Afghanistan abgeschoben. Zuvor lebte er acht Jahre lang im bayerischen Weiden und galt dort als gut integriert, hatte einen Job. Ahrun stand laut dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, in engem Kontakt mit einer Kirche in dem oberpfälzischen Ort. Für die Gemeinde dort sei er ein „Bruder in Christus", kein gefährlicher Migrant gewesen. In seinem Fall bescheinigte die evangelische Kirche vor Gericht, dass Ahruns Bekenntnis zum Christentum ernsthaft sei, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Samstag.

Justirisch sei der Fall noch nicht beendet, erklärt Ahruns Anwalt, Christopher Sprung in dem Beitrag. Sein Mandant sei asylrechtlich abgeleht worden, aber nicht ausländerrechtlich. Denn nach acht Jahren könnten Ausländer in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, so sie nachhaltig integriert seien. Ahrun hatte den Antrag dafür im Frühjahr gestellt, berichtet die SZ. Die Einladung zu einer Anhörung habe der Anwalt jedoch erst einen Tag vor der Abschiebung erhalten.

Scharfe Kritik an den Behörden

Ahrun war laut dem SZ-Beitrag Dekan Wenrich Slenczkas Schützling. Als die Medien dieser Tage über einen Selbstmord eines abgeschobenen Afghanen in Kabul berichten, bekommt der Geistliche es mit der Angst zu tun und versucht, mit Ahrun in Kontakt zu treten. „Ich schrieb einfach irgendwas, um ein Lebenszeichen zu bekommen“, sagt Slenczka laut Süddeutscher Zeitung. Der Afghane habe kurz geantwortet. Laut BR ist er mit dem 26-jährigen Afghanen per Mail und Whatsapp in Kontakt. Doch der Dekan sei weiter in Sorge um Ahrun.

Wegen Depressionen sei Ahrun schon länger in Behandlungen gewesen, habe auch mal Suizidgedanken gehabt, schildert Slenczka. Nach abgelehnten Asylanträgen sowie Folge- und Eilanträgen, einer Verletzung am Kopf, kam Ahrun in die Psychiatrie. Im Abschiebegefängnis hatte er versucht, sich etwas anzutun. Er hatte eine Verletzung am Kopf. Darüber sprach auch Bedford-Strom in einer Predigt am vergangenen Wochenende. Ihn bewegt das Schicksal des jungen Mannes, der in seinem Geburtsland aufgrund seines Glaubens um sein Leben fürchten muss.

Dekan Slenczka übt scharfe Kritik an den Behörden: „Jemanden aus der Psychiatrie abzuholen, der sich noch nie etwas zu schulden kommen lassen hat, eine Wohnung und eine Arbeit hat, seit acht Jahren hier lebt, ist überhaupt nicht nachvollziehbar", sagte er der SZ.

Auch in Kontakt mit dem Abgeschobenen ist dessen ehemaliger Chef, Mohamed Nakhostin. Er leitet ein Teppichgeschäft. Der Afghane meldete sich am 4. Juli via Whatsapp bei Nakhostin. Er sei am Kabuler Flughafen, sei gerade zu sich gekommen und wisse nicht, wie er dort gelandet sei. „Nicht einmal bei dem Tod seines eigenen Vaters habe er so geweint wie in dem Moment“, heißt es in dem SZ-Beitrag, in dem Nakhostin Ahruns Empfinden beschreibt. Er wolle Ahrun zum einen zurück haben, zum anderen ihm Geld schicken. Doch das sei kompliziert ohne ein Konto in Afghanistan. Ahrun kann ohne seine Papiere, an die er zu kommen versuche, keine Arbeit finden. Er lebe in einer kleinen Wohnung eines Studenten mit drei weiteren Bewohnern.

Von: Martina Blatt

Die Gemeindeversammlungen in den Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland sollten aufgewertet werden. Dadurch könnte das basisdemokratische Element gestärkt werden.
Bei der jüdischen Bevölkerung in Baden-Württemberg überwiegt die Sorge vor einem zunehmenden Antisemitismus. Diese Ansicht vertrat der Antisemitismus-Beauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume.

Zum ersten Todestag ist am Freitag mit einem Gedenkgottesdienst in der Berliner Gethsemanekirche an den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erinnert worden. Unter den rund 500 Teilnehmern waren unter anderem Altbundespräsident Joachim Gauck mit Lebensgefährtin Daniela Schadt und der Berliner Propst Christian Stäblein. Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller las aus Gedichten von Liu Xiaobos Witwe, Liu Xia, in deutscher Übersetzung.

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In Chile ist ein hochrangiger Priester wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger festgenommen worden. Bei den Opfern soll es sich um fünf minderjährige Familienmitglieder und einen Ministranten handeln, die er ab 2002 missbraucht haben soll, wie die Staatsanwaltschaft der Tageszeitung "La Tercera" zufolge am Freitag (Ortszeit) mitteilte.

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Senioren unterschätzen ihr Potenzial für die Mission. Davon ist der Direktor des Missions- und Hilfswerks DMG interpersonal, Pfarrer Günther Beck, überzeugt.
Der Filmproduzent und Mitbegründer des christlichen Streaming-Portals „Pure Flix Entertainment“, Michael Scott, plant einen Film über die Rettung der Jugend-Fußballmannschaft aus einer Höhle in Thailand.

In einem Beitrag im Deutschlandfunk hat der Philosoph und Buchautor Horst Herrmann die Nähe der Evangelischen Kirche zur Politik kritisiert. Bischöfe gingen im Kanzleramt ein und aus, sagte Herrmann im Gespräch mit Christiane Florin. Er wünsche sich eine Kirche, die sich politisch nicht einmischt. Wer so denkt, hat Kirche und Christentum nicht verstanden.

Zum einen zielen die biblischen Berichte neben einem geklärten Verhältnis zwischen Gott und seinen Geschöpfen immer auch auf das gute Zusammenleben der Menschen untereinander ab. Die biblischen Texte sind daher immer auch politisch zu sehen und zu verstehen. Dies gilt in besonderer Weise, wo die Bibel immer wieder zur Gerechtigkeit gegenüber allen Menschen ermahnt oder das Unrecht anprangert. Zum anderen spricht die Bibel nicht umsonst von der Gottesebendbildlichkeit des Menschen, somit von der Unantastbarkeit der menschlichen Würde. Die Menschenwürde, dieser universelle Wert, den alle Menschen haben, und der über allen anderen Werten steht, ist zutiefst verwurzelt im christlichen Menschenbild, das aus seinem Selbstverständnis heraus zur politischen Durchsetzung der Menschenrechte auffordert. Was könnte politischer sein?

Menschenwürde und Menschenrechte gelten übrigens auch für Fremde, nach christlichem Verständnis zudem für Angehörige anderer, oder keiner Weltanschauung. Für die Durchsetzung und Umsetzung dieser erstrebenswerten Ziele und Werte ist zunächst jeder Christ selbst verantwortlich. Politisches Engagement ist deshalb sowohl im privaten wie im öffentlichen Raum für Christen unabdingbar. Als Christ Verantwortung für die Gesellschaft durch Engagement in der Politik zu übernehmen ist weder anrüchig noch falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn also jeder Christ Verantwortung trägt für das gute und friedvolle Zusammenleben der Menschen untereinander, dann umso mehr die Kirchen, die als Institutionen - die zugegeben in sich heterogene Gesamtheit der Gläubigen einer Konfession - vertreten und ihnen Gehör und Einfluss verschaffen. Kirchen, die keinen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nehmen wollen, würden einen Gutteil ihrer Daseinsberechtigung und ihres Auftrages einbüßen.

Die Kirchen aus dem Politischen zu verbannen, wie es Herrmann wünscht und fordert, hätte fatale Folgen. Denn es sind vor allem noch die Kirchen, die - Gott sei Dank - dem moralischen Verfall wehren und nicht zuletzt durch gelebten Dienst am Menschen (Diakonie) zum Wohl unserer Gesellschaft maßgeblich beitragen. Warum soll Kirche dann nicht politisch sein? Jesus ist zu Lebzeiten immer auch politisch gewesen. Diejenigen, die seinem Willen gemäß leben wollen, sollten es zu Lebzeiten darum auch sein.

Von: Norbert Schäfer

Bei Flüchtlingen handelt es sich nicht um Sachen, die in kalten Statistiken versteckt werden können, sondern um verzweifelte Menschen, die Zuflucht suchen. Mit diesen deutlichen Worten hat der CDU-Politiker Norbert Blum in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung die aktuelle Debatte über die Flüchtlingspolitik kritisiert. Er prangert an, dass von „Asyltouristen“ gesprochen werde, wenn ertrunkene Kindern am Strand oder erstickte Flüchtlinge in Kühllastern gemeint seien.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sei auch keine Filiale der „Anti-Abschiebungsindustrie“, sondern „Lebensretter, die für das Versagen der Staaten einspringen“. Europa mit seinen 500 Millionen Einwohnern sei durchaus in der Lage, fünf Millionen oder mehr verzweifelte Flüchtlinge aufzunehmen. Wenn dies nicht gelinge, könne der Kontinent „moralische Insolvenz“ anmelden.

Abrechnung mit Europa

Europa habe sich in der Vergangenheit auf Kosten der Dritten Welt bereichert. Westliche Agrarkonzerne spekulierten mit den dortigen Ackerböden auf hohe Renditen. Westliche Firmen kauften einheimische Quellen auf, um dann mit der Wasserknappheit Profite zu erzielen: „Die Erste Welt zerstört die Dritte und wundert sich, dass die Zerstörten sich auf den Weg zu den Zerstörern machen.“ In die Verantwortung nimmt Blüm aber auch die Herrscher vor Ort, die in die eigene Tasche wirtschafteten und ein Jahreseinkommen besäßen, von dem ganze Dörfer Afrikas leben könnten.

„Wer sich nur einen Funken menschlichen Mitleids bewahrt hat, kann über die Flüchtlinge nicht so kaltherzig schwadronieren, wie es in der übergroßen Koalition zwischen altem Stammtisch und neuem rechten Establishment gang und gäbe ist“, schreibt Blüm. Bei den Flüchtlingen handele es sich keineswegs um „vergnügte Nassauer“, sondern um Menschen, die viel erlitten haben müssen, „um das Risiko einzugehen, im Mittelmeer zu ersaufen“.

Bayern war Vorreiter der Willkommenskultur

Blüm schlägt hier eine Brücke zu seiner eigenen Partei, der CDU. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Menschen auf der Suche nach Überlebensmitteln Fragen nach dem Sinn und Zweck des Lebens gestellt. Die Fragen - und auch die Gründung von CDU und CSU - seien aus „Heimweh nach christlichen Werten“ sowie Freiheit und Gerechtigkeit entstanden. Dieses C vermisst Blüm in der aktuellen Debatte, die von „kaltschnäuzigen Tönen“ beherrscht werde.

Bayern mit seinen zahlreichen Helfern in der Flüchtlingskrise sei für ihn der Vorreiter einer Wilkommenskultur und einer barmherzigen Gastfreundschaft gewesen. Das C im eigenen Parteinamen sei kein „Besitzanspruch an Wähler, sondern eine Selbstverpflichtung der Partei, ihre Politik an der Botschaft des Christentums zu messen“. Norbert Blüm gilt als engagierter Katholik. Der CDU-Politiker gehörte von 1972 bis 1981 sowie von 1983 bis 2002 dem Deutschen Bundestag an. Von 1982 bis 1998 war Blüm Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung unter Bundeskanzler Helmut Kohl.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Am 4. Juli erreichte der bisher größte Abschiebeflug aus Deutschland Afghanistan. 69 Asylbewerber befanden sich an Bord, einer von ihnen nahm sich kurze Zeit später in Kabul das Leben. Auch ein Christ aus Bayern soll laut Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) unter den Abgeschobenen gewesen sein.

In einer Predigt berichtete der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, von dem Mann: Er habe seit acht Jahren in Deutschland gelebt, bevor er Anfang Juli nach Afghanistan abgeschoben wurde. Noch in Deutschland habe er einen Suizidversuch unternommen. Der Mann habe keine Familie mehr in Afghanistan, alle Angehörigen seien bei Kämpfen umgekommen. Seine Heimatgemeinde im oberpfälzischen Weiden habe ihn nach intensiver Unterweisung getauft. Sie bete auch jetzt weiter für ihn. Bedford-Strohm zitierte in seiner Predigt auch den zuständigen Dekan mit den Worten: „Es wird einfach durchgehend unterstellt, dass sich Flüchtlinge nicht ernsthaft taufen lassen.“

Glaubenswechsel aus „asyltaktischen Gründen“?

Auf Anfrage von pro hat sich nun das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu dem Vorwurf geäußert und die derzeitige Praxis persönlicher Anhörungen verteidigt, die dazu dienen, die Wahrhaftigkeit des christlichen Bekenntnisses zu überprüfen. Dabei müsse der Antragsteller glaubhaft machen, „dass er seine Konversionsreligion bei Rückkehr in sein Heimatland ausüben wird und dass ihm deswegen dort eine asylrelevante Verfolgung droht“. Der jeweilige Entscheider beurteile, „ob der Glaubenswechsel des Antragstellers aus asyltaktischen Gründen oder aus echter Überzeugung erfolgt ist“. Dabei zweifle das BAMF die Taufbescheinigungen der Kirchen aber nicht an: „Es wird generell unterstellt, dass eine sorgfältige Taufbegleitung von Seiten der christlichen Gemeinden erfolgt ist.“

Die Taufbescheinigung bestätige, dass ein Glaubensübertritt stattgefunden habe, sie sage aber nichts darüber aus, wie der Antragsteller seinen neuen Glauben bei Rückkehr in sein Heimatland voraussichtlich leben werde und welche Gefahren sich daraus ergäben. Integrationsleistungen wie eine feste Arbeitsstelle oder Sprachkenntnisse spielten bei der Entscheidung keine Rolle. Lediglich die Ausländerbehörden der einzelnen Bundesländer könnten aufgrund solcher Leistungen Duldungen aussprechen. Diese sind es auch, die nach einer Entscheidung des BAMF für die Abschiebungen zuständig sind.

Kritik von Kirchen

Das BAMF äußerte sich weder dazu, ob es Afghanistan für ein sicheres Land für Konvertiten hält, noch dazu, ob sich die Vorgehensweise des Bundesamtes nach scharfer Kritik unter anderem aus den Kirchen geändert hat. Bereits seit Monaten mahnen christliche Vertreter an, dass das BAMF durch seine Anhörungen unrechtmäßig den Glauben von Konvertiten in Frage stelle. Wenn überhaupt seien es die Kirchen, die die Asylbewerber im Taufprozess begleiteten, die die Wahrhaftigkeit eines Bekenntnisses beurteilen könnten, so die Kritik.

Darüber hinaus sind Abschiebungen nach Afghanistan umstritten. Die Bundesregierung schätzt die Lage in Teilen des Landes als sicher ein. Experten widersprechen. Nach einem schweren Anschlag im vergangenen Jahr waren Abschiebungen zunächst ausgesetzt worden. In den vergangenen Monaten wurden nur Straftäter, Gefährder oder Personen, die ihre Identität verschleiert haben, ausgewiesen. Derzeit weisen die Bundesländer auch wieder Asylbewerber aus, die nicht in diese Kategorie fallen.

Von: Anna Lutz

Die Sendereihe „Tag für Tag" beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Moral und Glaube. Am Mittwoch hat die Journalisten Christiane Florin im Deutschlandfunk mit dem Philosophen und Buch-Autor Horst Herrmann über dessen neues Buch „Im Moralapostolat - Die Geburt der westlichen Moral aus dem Geist der Reformation" gesprochen.

In dem Gespräch geht es unter anderem um die politische Einmischung der Kirchen. Herrmann wirft den Kirchen vor, dass sie „die Nähe zur Macht" suchten und „beim Kanzleramt ein und aus gehen". Das bewertet er angesichts der Rolle der Evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialimus als problematisch. Als Grund nennt Herrmann die „Deutschen Christen". Diese Strömung innerhalb des deutschen Protestantismus hatte, im Gegensatz zur „Bekennenden Kirche", gegenüber der Ideologie des Nationalsozialismus kaum Einwände. Herrmann sieht die Nähe der Kirchen zur Politik als zu groß an, „weil man im Grunde das, was Frau Merkel plakatiert, eins zu eins nachbetet" und hält die „Einmischung" der Kirche für verfehlt.

Kirche nichts anderes als Amnesty International

Herrmann bezeichnet Angela Merkel in dem Gespräch als „eine Prophetin oder eine Art Notbischöfin", wenn die Kanzlerin „von der Alternativlosigkeit ihrer Politik" im Zusammenhang mit der Willkommenskultur spreche und dabei den Boden der Politik verlasse.

Florin verweist in dem Gespräch auf einen Handlungsauftrag der Bibel: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan. Nach Herrmanns Auffassung beschränke sich das Engagement der Kirche jedoch auf verbale Äußerungen. „Diese Bedford-Strohm-Agenda, die er verbreitet, es ist ja auch billig zu haben", erklärte Herrmann.

Die Evangelische Kirche mache sich in ihrer „öffentlichen Theologie" vor allem für Gerechtigkeit stark und konkurriere bei dem Thema unter anderem mit Amnesty International und sei dadurch verwechselbar mit anderen. Herrmanns Meinung nach müsse die Kirche „sogar froh sein bei diesem Agenda Setting, von diesen Akteuren nicht noch abgehängt und überholt zu werden."

Von: Norbert Schäfer

Die Kirche von England möchte in einem ambitionierten Plan 100 neue Gemeinden gründen. Obwohl die Kirchenbesucherzahlen zurückgehen, habe sich die Kirche entschlossen, 27 Millionen Pfund (rund 30 Millionen Euro) in den Ausbau der Gemeinden zu stecken. Vor allem in Küstenregionen, Marktstädte und in außerhalb von Städten liegende Wohngebiete soll das Geld fließen, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erhält zum vierten Mal das Zertifikat "audit berufundfamilie". Es wird an Unternehmen vergeben, die sich für eine besonders familienbewusste Personalpolitik einsetzen, wie die EKD am Donnerstag in Hannover mitteilte. 2007 hatte das EKD-Kirchenamt das Zertifikat zum ersten Mal erhalten.

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Zum Internationalen Gospelkirchentag kommen im September Tausende Sänger nach Karlsruhe. Bislang gebe es 4.600 Anmeldungen, erklärte der evangelische Dekan Thomas Schalla am Donnerstag. "Ich kann mir jetzt gut vorstellen, dass wir die 6.000-Marke erreichen." Gemeinsam mit dem Pfarrer der Karlsruher Gospelkirche, Joachim Oesterle, hisste Schalla nun die beiden Fahnen des Events.

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Die Kritik an der Äußerung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) über eine Sammelabschiebung nach Afghanistan reißt nicht ab. Am Donnerstag bezeichnete Diakonie-Präsident Ulrich Lilie die Aussage als "unsäglichen Tabubruch". "Diese Äußerung ist der Sprache eines deutschen Innenministers unwürdig", erklärte der Präsident des evangelischen Wohlfahrtverbandes in Berlin.

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Der Liedermacher Wolf Biermann und die Schriftstellerin Herta Müller werden am Freitag in der Berliner Gethsemanekirche zu einem Solidaritäts- und Gedenkgottesdienst für den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erwartet. Mit dem Gottesdienst soll an den im Juli 2017 gestorbenen Menschenrechtler erinnert werden.

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Angesichts der Flüchtlingskatastrophe auf dem Mittelmeer hat die Deutsche Evangelische Allianz einen Appell an die Europäische Union und die Regierungen der europäischen Länder gerichtet. Es müssten noch entschlossener gemeinsame Lösungen gesucht werden, die sich an der Not der Menschen und dem Rechtsstaatsgebot orientierten, erklärte die Evangelische Allianz am Donnerstag in Bad Blankenburg.

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Zehntausende Menschen unterstützen eine Internetpetition, die Politik und Kirchen zum Einsatz für eine humanere Flüchtlingspolitik auffordert. "Die Regierungen in Europa dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen, indem sie Grenzen schließen und Menschen in Not abwehren", heißt es in dem auf der Plattform "change.org" veröffentlichten Aufruf, den bis Donnerstagmittag mehr als 30.000 Menschen unterzeichnet haben. Es sei richtig, durch Grenzkontrollen festzustellen, wer nach Europa einreist. "Aber es ist völkerrechtswidrig, Menschen in Seenot nicht zu retten", heißt es darin.

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In der Debatte um eine umstrittene Aussage von Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich nun der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zu Wort gemeldet.

Die synthetische Biologie ist einer der kühnsten – und umstrittensten – Forschungsbereiche der gesamten Naturwissenschaft. Dabei geht es darum, biologische Systeme künstlich zu herzustellen, DNA-Stränge etwa, Moleküle oder ganze Zellen. Entsprechend kontrovers wird das Thema in den Medien behandelt. Dort fallen religiös konnotierte Wendungen wie „Gott spielen“ allerdings nicht so häufig, wie mancher wohl vermuten würde.

Zumindest waren der Theologe Peter Dabrock und sein Team über dieses Ergebnis ihrer Studie überrascht: Sie untersuchten, welche Wendungen und Sprachbilder die Medien verwenden, um den Bereich der synthetischen Biologie zu beschreiben, und welche Funktion sie haben. Die religiöse Sprache spiele dabei eine überraschend geringe Rolle, befinden sie.

Von Interesse ist für die Untersuchung weniger die Biologie an sich, sondern vor allem, inwiefern sie in der öffentlichen Wahrnehmung mit theologischen und weltanschaulichen Fragen verknüpft ist. Die Sprache forme die öffentliche Meinung und beeinflusse entscheidend, was die Gesellschaft über synthetische Biologie denke. Eine Metapher sei nicht allein ein Sprachbild, sondern ein „Sprechakt“, der neben dem offenkundigen Vergleich auch unterschwellig eine Bedeutung vermittle. Insofern sei die Studie auch für Biologen selbst und deren Arbeit relevant.

Religiöse Metaphern oft emotional aufgeladen

Dabrock lehrt systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik an der Universität Erlangen-Nürnberg und ist Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Ein besonderes Interesse hat er an der Bioethik. Er und sein Team untersuchten knapp 12.000 Artikel zum Thema aus verschiedenen deutsch- wie englischsprachigen Medien daraufhin wie viele und welche Metaphern sie enthalten. Die Texte stammen aus dem Zeitraum von 2004 bis 2015. Der Studie zufolge drehen sich die gefundenen Sprachbilder in erster Linie um die Neuheit der biologischen Innovationen und erst danach um deren Bedeutung für das eigene Weltbild, also etwa die Sorge, die Wissenschaft könne in die Schöpfung Gottes eingreifen.

Das zeige sich schon daran, dass am häufigsten neutrale Metaphern aus dem Bau- und Ingenieurswesen verwendet worden seien, wenn zum Beispiel vom „Gerüst“ der DNA oder von einer Zelle als „aus Bausteinen konstruiert“ gesprochen werde. Von „Leben erschaffen“ sei dagegen deutlich seltener die Rede. Wann immer solche religiösen Bilder vorkämen, deute dies möglicherweise darauf hin, dass Menschen durch die neuen Technologien in ihrem Weltbild erschüttert werden. Dabei brächen altbekannte Unterscheidungen, etwa zwischen „echt“ und „künstlich“ oder „lebendig“ und „synthetisch“, auf.

Entsprechend seien diese Bilder oft emotional aufgeladen und von Ängsten gekennzeichnet. Besonders gravierend sei dies im Fall der so genannten „Frankenstein-Szenarien“. Wann immer die Medien Biologen mit Frankenstein vergleichen, sei anzunehmen, dass die Angst davor besonders groß sei, die Forscher könnten gewisse natur- oder gottgegebene Grenzen übertreten. Frankenstein ist der namensgebende Protagonist eines Romans der Engländerin Mary Shelley von 1818, in dem der Wissenschaftler Leben erschaffen will und ein Monster kreiert.

Mehr religiöse Metaphern im Deutschen

Die religiösen Metaphern „Gott spielen“, „der Mensch als Schöpfer“ und vor allem „Leben schaffen“ oder „Leben kreieren“ kommen der Studie zufolge am häufigsten in der Berichterstattung über synthetische Biologie vor. Letztere sei in den deutschsprachigen Medien noch um einiges häufiger zu finden als in den englischen.

Diese Tendenz treffe auch insgesamt zu: Während rund 20 Prozent der deutschsprachigen Artikel zum Thema religiöse Sprachbilder verwenden, sind es unter den englischen lediglich etwa fünf Prozent. Das zeige, wie unterschiedlich die synthetische Biologie in den beiden Sprachräumen wahrgenommen werde. Demnach betone der deutschsprachige Raum stärker das Veränderungspotential, das die synthetische Biologie mit sich bringe – zum Positiven wie zum Negativen.

So steige die Verwendung religiöser Metaphern noch einmal deutlich an, wenn es in der Wissenschaft bahnbrechende Ereignisse gebe. Als es etwa im Jahr 2010 dem amerikanischen Biochemiker Craig Venter und seinem Team erstmals gelang, ein künstliches lebensfähiges Bakterium zu schaffen, verdreifachte sich das Aufkommen der Metaphern beinahe.

Metaphern relativieren und drücken Ängste aus

Religiöse Metaphern haben laut der Studie in diesem Zusammenhang drei Funktionen. Erstens dienten sie dazu, Ängste und Unbehagen angesichts des Fortschritts der synthetischen Biologie auszudrücken, wie etwa im „Frankenstein-Szenario“. Die Metaphern griffen dabei in religiöser Sprache potentielle Gefahren und ethische Bedenken auf. Allerdings stehe hinter der theologischen Sprache kein eigentlich theologischer Inhalt mehr. Spreche ein Text etwa von „Gott spielen“, stecke in den meisten Fällen kein schöpfungstheologischer Standpunkt des Autors dahinter, dem ein solches „Spielen“ entgegenstünde. Vielmehr seien solche Bilder schlicht Teil des kulturellen Wortschatzes, ein Bewusstsein über ihre Bedeutung jedoch nur teilweise vorhanden.

Zweitens würden die Metaphern verwendet, um die Erfolge der synthetischen Biologie zu relativieren und diese in kritischer Distanz zu betrachten. Dazu dienten vor allem Ausdrücke wie „Gott spielen“. In solchen Zusammenhängen werde auch oft von „Nachahmungen“ echten Lebens gesprochen.

Drittens sei die religiöse Sprache auch einfach gut geeignet, um Aufmerksamkeit zu erregen und den Leser in den Text zu ziehen. So titelte etwa die Financial Times Deutschland, als Craig Venter sein Bakterium erschuf: „Und Craig sah, dass es gut war“.

Von: Martin Jockel

Der Verkauf eines Briefes von Reformator Martin Luther bei einer Online-Versteigerung in den USA ist vorläufig nicht zustande gekommen. Das Höchstgebot lag bei 152.917 US-Dollar, wie das Auktionshaus RR Auction in Boston am Mittwochabend (Ortszeit) mitteilte. Man habe einen Verkaufspreis von 300.000 US-Dollar angestrebt. Das Auktionshaus will weiter mit dem anonymen Verkäufer und Interessenten arbeiten.

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Facebook muss den Eltern eines verstorbenen Mädchens Zugang zum Nutzerkonto ihrer Tochter gewähren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag in Karlsruhe in letzter Instanz festgestellt. In der Entscheidung hieß es: „Die Erben haben gegen die Beklagte einen Anspruch, ihnen den Zugang zum Benutzerkonto der Erblasserin und den darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalten zu gewähren.“ Damit werden den Eltern die Inhalte des mehr als fünfeinhalb Jahre gesperrten Kontos zugänglich gemacht. Dieser Vorstoß des Gerichts gilt als Grundsatzurteil.

Die BGH-Entscheidung ergebe sich aus dem Nutzungsvertrag von Facebook. Der gehe nach Ansicht des Gerichts auf die Erben über. Dass ein Benutzerkonto damit vererbt werden könne, sei nicht ausgeschlossen. „Die Nutzungsbedingungen enthalten hierzu keine Regelung“, heißt es.

Hoffnung auf Hinweise zum Tod der Tochter auf Facebook

Mit 14 Jahren hatte sich das Mädchen mit dem Einverständnis seiner Eltern bei Facebook angemeldet, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Ein Jahr später, 2012, war die Jugendliche vor eine U-Bahn gestürzt. Seitdem leben die Eltern in der Ungewissheit, ob es ein Suizid war oder ein Unglück. Hinweise dazu erhoffen sie sich aus dem Facebook-Konto ihrer Tochter.

Laut eigenen Aussagen haben sie zwar das Passwort. Jedoch könnten sie sich aber nicht anmelden, weil Facebook die Seite in den sogenannten Gedenkzustand eingefroren habe. Das Konto ist zwar noch für alle Kontakte zu sehen, aber einloggen oder etwas verändern kann keiner mehr.

Zuletzt hatte den Eltern das Berliner Kammergericht unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis den Zugang verwehrt. Dieses stehe aber dem Anspruch der Eltern nicht entgegen. Der Anwalt der Eltern, Peter Rädler, hatte Ende Juni schon der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen Inhalten auf Papier und solchen im Netz gebe: „Rechte an Daten vererben sich wie Rechte an Sachen.“

Von: Martina Blatt