Der aus Brasilien stammende Physiker Marcelo Gleiser ist Professor für Naturphilosophie sowie für Physik und Astronomie am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire. Er ist Autor zahlreicher Bücher, Essays und tritt in Fernsehdokumentationen auf. Er erhält den Templeton Prize nach Aussage der Jury dafür, dass er öffentlich dafür eintritt, Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität könnten gemeinsame Ausdrucksformen des menschlichen Wunsches sein, das Ungeklärte aufzudecken.

Der 60-jährige Gleiser präsentiere Wissenschaft „als spirituelles Unterfangen, um den Ursprung des Universums und des Lebens auf der Erde zu verstehen“, teilte das Komitee mit. Seit 35 Jahren forscht Gleiser auf unterschiedlichen Gebieten, wie etwa Quantenfeldern, Elementarteilchen, die Entstehung des Universums, Astrobiologie und Informationswissenschaft. In seinem Heimatland sind viele seiner Bücher Bestseller und seine Fernsehsendungen sehr populär. Gleiser ist der erste Lateinamerikaner, der mit dem Templeton Prize ausgezeichnet wird.

Der Templeton Prize ist dotiert mit umgerechnet 1,2 Millionen Euro. Die Jury ehrt damit Menschen, die einen außerordentlichen Beitrag zur Erforschung der spirituellen Dimension des Lebens geleistet haben. Sei es durch besondere Erkenntnisse, Forschungsarbeit oder praktische Arbeiten. Bisherige Preisträger waren der Dalai Lama, Desmond Tutu und Mutter Teresa. Im vergangenen Jahr erhielt den Preis König Abdullah II. von Jordanien für sein Bemühen, einen friedlichen Austausch zwischen dem Islam und anderen Religionen zu fördern.

Die John Templeton Foundation hat ihren Sitz in West Conshohocken, Pennsylvania. Sie wurde 1972 vom Investor und Philantropen Sir John Templeton gegründet. Die Stiftung fördert nach eigener Aussage Menschen, die auf Gebieten wie Komplexität, Evolution, Vergebung und freier Wille forschen.

„Atheismus ist wissenschaftlich nicht konsistent“

In seiner Begründung für die Wahl von Gleiser erklärte Evan Thompson, Professor für Philosophie an der Universität von British Columbia, der Forscher habe ein Bild von der Menschheit, das niemanden ausschließe. Er bringe Menschen aus verschiedenen Kulturen und religiösen Hintergründen zusammen zu einem „globalen Austausch darüber, wie wichtig es ist, alte Stereotypen zu verlassen“.

Marcelo Gleiser wurde in Rio de Janeiro geboren und wuchs in einer jüdischen Gemeinschaft auf. Er studierte bis 1981 Physik an der katholischen Universität von Rio de Janeiro. Danach studierte er am King’s College in London. Im Alter von 32 wurde er Assistenzprofessor für Physik und Astronomie am Dartmouth College und im Alter von 39 ordentlicher Professor. Er selbst beschreibt sich als Agnostiker, aber auch als „Nicht-Atheisten“.

In seiner auf Video aufgezeichneten Dankesrede sagte Gleiser: „Beim wissenschaftlichen Verstehen und der wissenschaftlichen Erklärung geht es nicht nur um den materiellen Aspekt der Welt. Ich sehe meine Aufgabe darin, der Wissenschaft und den Menschen, die sich dafür interessieren, den geheimnisvollen Aspekt wieder zurückzubringen, damit die Menschen versehen, dass Wissenschaft nur ein Weg ist, das Geheimnis zu lösen, wer wir sind.“

Gleiser sagte vor einem Jahr in einem Interview des Magazins Scientific American: „Für mich ist Atheismus inkonsequent, was die wissenschaftliche Methode angeht, denn er ist sozusagen der Glaube an das Nichtglauben. Vielleicht glaubt jemand nicht an Gott, aber die Nichtexistenz Gottes mit Sicherheit zu behaupten, ist nicht wissenschaftlich konsistent.“ In einem Interview der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte Gleiser: „Ich bewahre mir einen offenen Geist, denn ich weiß, dass der menschliche Geist beschränkt ist.“ Wenn es um die Entstehung des Universums geht, gerate man irgendwann an einen Punkt, an dem man in der Kausalkette nicht weiterkomme.

Angesprochen auf die Schöpfungsgeschichte der Bibel, nach der Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, sagt Gleiser: „Manche erklären die Wissenschaft zu ihrem Feind (...), weil sie sehr antiquiert über Wissenschaft und Religion denken. Sie vermuten, die Wissenschaftler wollen alle Gott töten.“ Gleiser kritisiert die so genannten „neuen Atheisten“ wie den Buchautor Richard Dawkins oder den verstorbenen Journalisten Christopher Hitchens, die so täten, als sei die Wissenschaft der Feind der Religion. Gleiser erklärte: „Wenn Sie etwas hören wie: Die Kosmologie hat den Ursprung des Universums erforscht, und wir bräuchten Gott nicht mehr, ist das kompletter Unsinn.“

Der Templeton Prize wird bei einer Zeremonie im Metropolitan Museum of Art in New York City am 29. Mai überreicht.

Von: Jörn Schumacher

Die formelle Anerkennung der Golanhöhen als israelisch durch US-Präsident Donald Trump ist von führenden US-Evangelikalen begrüßt worden. Trump hatte am 25. März ein entsprechendes Dekret unterzeichnet.
Der Berliner Dom bröckelt! ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at March 26, 2019, 4:01 pm)


© Scholty1970 / pixabay.com

Wenn Sie einmal in Deutschlands Hauptstadt reisen, dann sollten Sie eine Attraktion unbedingt einplanen: Der Berliner Dom gehört zu den wohl imposantesten protestantischen Bauwerken. Doch die Hauptstädter machen sich sorgen um das über 100 Jahre alte Gebäude aus der Kaiserzeit. Denn die Fassade beginnt zu bröckeln.

Warum der Dom auch sonst sehr wichtig ist. Und was gegen seinen Verfall getan werden soll: Oliver Jeske berichtet.


Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Mehr als 50 Unternehmen in Deutschland haben ein gemeinsames Gütesiegel für Künstliche Intelligenz (KI) eingeführt. Das Gütezeichen des Bundesverbandes KI basiert auf der Einhaltung von ethischen Grundwerten sowie dem sicheren und datenschutzkonformen Umgang verwendeter Daten.

Der Verein „KI Bundesverband“ mit Sitz in Berlin hat das KI-Gütesiegel am 22. März vorgestellt. „Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) prägt den technologischen Fortschritt wesentlich und wird dafür sorgen, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen grundlegend verändert werden“, heißt es in der Mitteilung des Vereins. „Viele Dimensionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind vom Einsatz Künstlicher Intelligenz betroffen, was gleichsam zu ethischen als auch zu ökonomischen sowie sicherheitsrelevanten Fragestellungen führt.“ Mit dem KI-Gütesiegel bekämen Unternehmen die Möglichkeit, sich auf die Einhaltung grundlegender Qualitätsparameter berufen zu können.

Das Gütesiegel soll nach Aussage der Experten „einen menschen-zentrierten und menschen-dienlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz sichern“. Ein Unternehmen kann sich beim Verband um die Vergabe des Gütesiegels bewerben und es in seiner Kommunikation nach außen, also etwa auf der Webseite, nutzen. Jörg Bienert vom Vorstand des Bundesverbands KI erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), für das Gütezeichen hätten sich KI-Experten aus praktischer Sicht mit den Themen Datenethik und Datenschutz auseinandergesetzt. „Das Ergebnis ist, dass die innovativen KI-Unternehmen in Deutschland diese Prinzipien als Stärke des Standorts Deutschland sehen und nicht als Nachteil.“

KI soll Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz bringen

Dem Siegel liege ein „übergeordnetes Werte-und Prozessverständnis“ zugrunde, teilte der Verein mit. „Im Zentrum stehen die Gütekriterien Ethik, Unvoreingenommenheit, Transparenz sowie Sicherheit und Datenschutz.“ Zu jedem Gütekriterium seien notwendige Maßnahmen festgehalten. Mit dem Gütesiegel sei eine Selbstverpflichtungserklärung verknüpft.

Zu den „europäischen Grundwerten“, auf die sich die IT-Experten berufen, gehörten „Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit“. Die Werte zeichneten sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität sowie der Gleichheit der Geschlechter“ aus, so der Verein. So müsse etwa bei der Mensch-Maschine-Interaktionen der Mensch immer die Möglichkeit haben, einzugreifen oder das System anzuhalten.

Die Autoren der weisen zudem auf das mögliche Problem der Diskriminierung bei den Daten für KI-Systeme hin und erklären deshalb: „Künstliche Intelligenz soll zu mehr Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz und Pluralismus führen und es ist sicher zu stellen, dass sie nicht zur Diskriminierung oder gegen Demokratie oder Menschenrechte genutzt wird.“

Bereits bei der Auswahl der Daten, mit denen KI-Systeme gefüttert werden, könne grundlegend ins System eingegriffen werden: „Wird diese falsch getroffen, werden alte Stereotypen und Vorurteile, die bereits in den Daten vorhanden sind, durch das KI System gelernt und dabei verstärkt.“ Daher müsse eine „verzerrte Wahrnehmung“ (englisch „Bias“) etwa aufgrund eigener Vorurteile eliminiert werden. „Diese Verzerrung der eigenen Wahrnehmung kann sich in technischen Systemen widerspiegeln“, so die Experten, daher spiele dieser Punkt bei der Vergabe des Gütesiegels eine Rolle.

Im März 2016 hatte etwa der Softwarehersteller Microsoft ein Experiment mit einem „Tay“ getauften Chatbot nach weniger als 24 Stunden abgebrochen, weil dieser sich – wohl aufgrund gezielter Angriffe einzelner Twitter-Nutzer – zu einem rassistischen Verschwörungstheoretiker gewandelt hatte. Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Cardiff legt nahe, dass überall dort, wo Maschinen von Menschen programmiert oder mit Daten gefüttert werden, menschliche Vorurteile in die maschinelle Intelligenz einfließen können. Selbst reine Maschinen-Gesellschaften wären nicht völlig vorurteilsfrei, schlussfolgerten die Wissenschaftler in ihrer Studie aus dem Jahre 2018.

Achtung von Sicherheit und Datenschutz

Schon die Datenvorverarbeitung müsse bei jedem Schritt transparent sein, fordern die Experten außerdem. Die Verfahren, die für die Entwicklung der KI angewendet werden, müssen „von bekannten und geeigneten Analyseverfahren begleitet werden“, damit Dritte sie nachvollziehen können. „Das Ziel ist, sogenannte Black-Box-Systemarchitekturen in vor allem sicherheitsrelevanten Anwendungen zu vermeiden.“ Konkret bedeutet das, dass das Sammeln und Verarbeiten der Daten sicher und datenschutzkonform vor sich gehe. Die Daten müssten vor Manipulationen geschützt werden.

Zum Verein „KI Bundesverband“ mit Sitz in Berlin gehören mehr als 160 kleine und mittelständische Unternehmen und Experten, die Technologien auf Basis von KI entwickeln und anwenden. Er wurde im März 2018 gegründet. Sein Ziel ist es nach eigener Aussage, die Öffentlichkeit über KI zu informieren, speziell über deren konkreten Nutzen für den öffentlichen Sektor, und „die öffentliche Debatte hierzu fördern“. Außerdem will der Verein „Handlungsempfehlungen für Politik und Gesetzgebung“ anbieten.

Von: Jörn Schumacher

Fast 59.000 Bürger haben bislang die am 6. März gestartete Petition „Schluss mit dem Gender-Unfug“ des „Vereins Deutsche Sprache“ unterschrieben. Sollte sich die Kirche der Petition anschließen?

Die Bibel ist das am häufigsten gedruckte und übersetzte Buch. Jens Stangenberg findet es wichtig, sich genauer mit ihr zu befassen. Er hat einen Podcast entworfen, damit das Wissen zum Buch der Bücher nicht noch mehr schwindet. Der soll notwendiges Basiswissen liefern, aber auch das christliche Profil im Dialog der Religionen schärfen. Im Gespräch mit pro legt er seine Beweggründe dar.

Frage

Antwort

pro: Was war Ihre Motivation, den Podcast zu initiieren?

Stangenberg: Umfragen belegen, dass immer mehr Christinnen und Christen immer weniger in der Bibel lesen. Das ist schade und langfristig verhängnisvoll für einen stabilen Glauben. Es ist wichtig, die Urdokumente zu kennen, um als Christ mündig in der Gesellschaft wirken zu können.

Haben Sie die Inhalte alle selbst erarbeitet und produziert?

Ja. Als Ausgangspunkt verwende ich verschiedene Bibelkunde-Materialien und komprimiere sie zu einzelnen Hörfolgen. Die Literaturliste habe ich auf der Seite unserer Gemeinde zusammengetragen.

Welches Ziel und welche Zielgruppe hat der Podcast?

Ich möchte einfache Zugänge zu den biblischen Urschriften eröffnen. Nicht jeder Nutzer hat Zeit, Theologie zu studieren oder komplizierte Fachliteratur zu lesen. Mein Angebot verstehe ich als Übersetzungsarbeit für interessierte „Laien“, die sich nicht mit allzu simplen Antworten abspeisen lassen wollen.

Können Sie schon sagen, wie viele Folgen geplant sind?

Der Podcast „Bibelkunde NT“ ist auf ein Jahr hin angelegt. Einleitende Informationen zu den biblischen Büchern und vertiefende Themen werden sich abwechseln. Vermutlich läuft es auf circa 50 Folgen hinaus.

Kann so ein Podcast auch ein Format für andere Gemeinden sein?

Ja, unbedingt. Ich empfehle jeder Gemeinde, eigene Podcasts zu christlichen Themen zu produzieren. Auf diese Weise können über den Gottesdienst hinaus sowohl die eigenen Gemeindemitglieder als auch alle anderen mithören und lernen.

Vielen Dank für das Gespräch

Antwort

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

Ganze 90 Prozent der in Deutschland tätigen muslimischen Imame kommt aus der Türkei, Nordafrika, Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien, Ägypten oder dem Iran. Das berichtet die Rheinische Post am Dienstag mit Bezug zu einer ihr exklusiv vorliegenden Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Demnach stellt die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) fast die Hälfte der etwa 2.500 Imame in Deutschland und betreibt rund 1.000 Moscheen. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Islamische Gemeinschaft Milli Görüs unterhält 323 Moscheen und der Verband Islamischer Kulturzentren etwa 300. Die Prediger reisen offenbar häufig mit einem Touristenvisum für einen begrenzten Zeitraum nach Deutschland ein ohne Kenntnisse über Land und Kultur zu besitzen.

Offenbar geht die Bundesregierung davon aus, dass die hier tätigen ausländischen Prediger ohne Bezug zu Deutschland eine abgrenzende Wirkung auf Muslime in der Bundesrepublik haben. Wie Anfang März bekannt wurde, plant das Innenministerium eine Deutschpflicht für ausländische Geistliche, die in Deutschland arbeiten wollen. Die Einreisevoraussetzungen sollen Medienberichten zufolge entsprechend geändert werden. Grund dafür ist die gestiegene Zahl von Zuwanderern in den letzten Jahren und der damit auch gewachsene Bedarf an religiösen Einrichtungen. Die Bundesregierung will mit der Neuerung die Integration ausländischer Gläubiger fördern.

Noch weiter führen die Bestrebungen des CDU-Vorstandsmitglieds Carsten Linnemann. In seinem heiß diskutierten Buch „Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“ fordert er „Individuelle Integrationsvereinbarungen“ für Muslime in Deutschland. Sie sollen festhalten, dass Zugewanderte etwa Werte und Rechtsordnung Deutschlands anerkennen. Darüber hinaus müssten Ziele definiert werden, die jeder zu erfüllen habe, wie den Erwerb der deutschen Sprache. Linemann fordert auch ein Sanktionssystem für den Fall, dass die Ziele nicht erreicht werden. Für ausländische Prediger, die in Deutschland tätig sind, fordert er ein Visum, das an Deutschkenntnisse gekoppelt ist und zusätzlich eine umfassende Sicherheitsüberprüfung sowie deren schriftliches Bekenntnis zur Rechtstreue. „Es kann nicht sein, dass wir 2.000 Imame in Deutschland haben, die kein oder kaum Deutsch können“, sagte er bereits Mitte Februar dem Spiegel.

Von: Anna Lutz

Der Zyklon Idai hat an der südostafrikanischen Küste eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, die von Mosambik bis Malawi und Nord-Simbabwe reicht. Eine der am schwersten betroffenen Regionen ist die Stadt Beira in Mosambik. In der mehr als 500.000 Einwohner zählenden Küstenstadt haben hundertausende Menschen alles verloren. Was der Sturm nicht weggerissen hat, haben die Wassermassen vernichtet. Etwa 90 Prozent der Häuser sind durch Sturm und Hochwasser zerstört.

Die deutsche Missionarin Claudia Middendorf hat 23 Personen aus der unmittelbaren Nachbarschaft und dem Bekanntenkreis in ihrer Wohnung aufgenommen, darunter ein Mädchen mit Tuberkulose. „Die meisten Häuser haben kein Dach mehr", sagte Middendorf in einem Telefonat mit pro am Montag. Anders als bei vielen der Opfer ist das Haus, in dem die Missionarin lebt, aus Stein gebaut, zudem hat das Dach dem Zyklon standgehalten. Die Mitarbeiterin des Missions- und Hilfswerkes DMG betreut in der Stadt die Ausbildung von Kirchenmitarbeitern.

Als nachts Sturm und Wasser kamen, ging der Strom aus

Als der tropische Wirbelsturm am 15. März gegen Mitternacht die Küste überquerte, lag die andauernde Windgeschwindigkeit bei 165 km/h. Zu diesem Zeitpunkt war in der Stadt die Stomversorgung bereits zusammengebrochen. „Der Strom war so gegen 22 Uhr weg", überschlägt Middendorf rückblickend. Die Menschen hätten dann die ganze Nacht und bei völliger Dunkelheit gegen die Wassermassen angekämpft.

Bereits am Tag nach dem Sturm habe die Bevölkerung mit dem Aufräumen angefangen und versucht, notdürftig die Schäden zu beseitigen. „Wir müssen damit leben, dass jetzt viele Menschen kein Dach über dem Kopf haben", sagt Middendorf. Von der Katastrophe sind nach ihrer Einschätzung alle der rund 3.000 Mitglieder in den 16 Muttergemeinden und 50 Außengemeinden betroffen, die sie betreut. „Wie schwer einzelne Gemeinden betroffen sind, ist noch nicht klar." Sie rechnet damit, dass viele der Gemeindehäuser dem Sturm nicht standhalten konnten.

Lage stabilisiert sich, aber Seuchen drohen

An Hilfsmaßnahmen tut sich ihre Einschätzung nach sehr viel in der Stadt. „Am Flughafen sind eine Vielzahl von Hilfsorganisationen aktiv. Die Hilfe wird auch gut koordiniert", sagt Middendorf. Die Regierung habe die Einfuhr- und Zollbestimmungen umgehend geändert, sodass Hilfe aus dem Ausland ohne bürokratischen Aufwand in das Land gelagen könne. „In der Innenstadt ist die Stomversorgung mittelerweile wieder hergestellt", sagt Middendorf. In den Außenbezirken sei das allerdings schwieriger, weil die Masten umgekippt oder abgeknickt seien und die Leitungen zudem im Wasser lägen. „Wir haben inzwischen auch wieder fließendes Wasser", sagt sie. Allerdings werde davon abgeraten, das Wasser zu trinken, weil durch die Überschwemmungen verunreinigtes Oberflächenwasser in die Trinkwasserleitungen gelangt sei.

Die Zahl der Opfer ist eine Woche nach der Naturkatastrophe wegen der anhaltenden miserablen Bedingungen noch unklar. Mehrere Hundert Menschen haben bislang ihr Leben verloren, zudem sind die Menschen wegen der Trinkwasserverunreinigung nun von Seuchen und Krankheiten bedroht. Diese „water-born diseases“ sind Krankheiten wie beispielsweise Cholera, Typhus oder Durchfälle, die durch den Konsum von bakteriell verseuchtem Trinkwasser hervorgerufen werden. Die Krankheiten treten besonders nach Naturkatastrophen auf, weil sich aufgrund von Überschwemmungen Abwasser mit Trinkwasser vermischt.

Von: Norbert Schäfer


© Markus Spiske / unsplash.com

Dieses Wort ist zu einer schlagkräftigen Beleidigung geworden, das kleine Adjektiv: „rechts“. Wenn Ihnen jemand eine „rechte Gesinnung“ attestiert, stehen Sie im Abseits. Mit dem Thema „rechte Christen“ hat sich Liane Bednarz beschäftigt. Sie ist überzeugt: rechte Christen unterwandern Kirche und Gesellschaft. In der vergangenen Woche war die Publizistin zu Gast in der evangelischen Kirchgemeinde Gera. Wo beginnt ihrer Meinung nach rechtes Gedankengut und wer sind die Protagonisten? Regina König hat den Vortrag mitgeschnitten.


Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Gegen eine Erhöhung der Rüstungsausgaben in Deutschland hat sich der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, ausgesprochen. Er äußerte sich in seinem Bischofsbericht vor der bayerischen Landessynode.

Das Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch und die internationale öffentliche Anteilnahme löste bei manchen die Frage aus, ob die westliche Welt ausreichend über ermordete Muslime trauert. Oder ob sie womöglich zu viel trauert, mehr als über ermordete Christen. Ob etwa Angriffe auf Moscheen wie der in Neuseeland von den Medien mehr beachtet werden als die weltweite Christenverfolgung. Anlass für diese letzte Überlegung war eine Nachricht der Online-Zeitung Christian Post vom 15. März, dass seit Februar bei mehreren Angriffen insgesamt 120 Christen in Nigeria von militanten Fulani-Nomaden getötet worden seien.

Diese Nachricht griff das Portal kath.net drei Tage später mit der Überschrift auf „120 Christen in Nigeria ermordet – Medien schweigen". Das Resümee des Artikels: Deutschsprachige Medien würden so gut wie nicht über die Übergriffe militanter Muslime in Nigeria berichten, sich stattdessen aber dieser Tage ausführlich mit dem Anschlag auf die Moscheen in Christchurch befassen. So ähnlich tauchte die Meldung unter anderem auch auf einzelnen Blogs auf.

Der Faktor Religion

Der „Faktenfinder“ von tagesschau.de wiederum ging diesen Vorwürfen nach und kommt zu der Einschätzung: Die Angriffe auf Christen in Nigeria seien Teil eines Dauerkonfliktes, der aber keine – zumindest keine ausschließlich – religiöse Ursache habe. Der Konflikt zwischen mulimischen Fulani-Hirten und christlichen Bauern in Teilen Nigerias drehe sich vor allem um politische Vorherrschaft in der Region, um Weideland und Wasser. „Experten betonen, es gebe verschiedene Ursachen für den Konflikt, die Religion sei eine von vielen Komponenten.“

Das christliche Hilfswerk „Open Doors“ kritisierte nun seinerseits in einem Gastkommentar auf idea.de, dass tagesschau.de einseitig über Christenverfolgung berichte. Der „Faktenfinder“-Beitrag vereinfache den Konflikt in Nigeria, indem er Berichte darüber „rechten Blogs“ zuordne und ihnen somit die Glaubwürdigkeit nehme. Außerdem blende der Beitrag die Bedeutung der Religion aus. „Die blutige Gewalt in Zentral- und Nordnigeria hat ohne Frage eine Vielzahl von Ursachen. Dabei spielen begrenzte Ressourcen, der Kampf um Weideland und jahrhundertealte Stammesrivalitäten ebenso eine Rolle wie kriminelle Motive, etwa beim Thema Viehdiebstahl. Wer allerdings die religiöse Komponente in diesem Zusammenhang ausblendet, verkennt die enge Verknüpfung von Ethnie und Religion in Nigeria und vielen anderen Ländern“, schreibt „Open Doors“ und ist damit gar nicht so weit entfernt von der ARD, wie es die Argumentation erscheinen lässt.

Zwar gewichtet der „Faktenfinder“ den Faktor Religion geringer, als das christliche Hilfswerk es tut. Aber er benennt sie durchaus – wie oben zitiert – als einen Aspekt von mehreren Ursachen des Konflikts in Nigeria. Und dass ein Hilfswerk, das sich für verfolgte Christen einsetzt, dieses Thema stärker in den Medien betont wüsste, ist, ungeachtet dessen Wichtig- und Richtigkeit, keine Überraschung.

Nigeria und Neuseeland nicht vergleichbar

Ob Christenverfolgung grundsätzlich und systematisch tatsächlich seltener in den Medien vorkommt oder weniger Raum erhält als Vorfälle, bei denen Muslime ermordet werden? Um das beantworten zu können, bräuchte es eine umfassendere Analyse als diesen Vergleich zwischen den Ereignissen in Nigeria und Neusseland. Zweifel daran dürften angebracht sein. Denn immer spielen verschiedene Kriterien in die Auswahl von Themen für die Berichterstattung hinein, vom Ereignis und seinen Zusammenhängen selbst bis hin zur restlichen Themenlage auf dem Planeten. Die entscheidende Frage ist eine andere: Wie sinnvoll ist es, verschiedene Fälle von Übergriffen, Anschlägen, Konflikten miteinander zu vergleichen? In diesem konkreten Fall ist es völlig unpassend, die Ereignisse in Nigeria und Neuseeland, das Maß der Trauer und der Berichterstattung gegeneinander abzuwägen. Zum einen ist es immer furchtbar, wenn Menschen andere Menschen töten – egal welcher Religion sie sind. Zum anderen sind die Ereignisse in den beiden Ländern ganz unterschiedlich gelagert:

Neuseeland ist ein westlich geprägtes, demokratisches Land ohne gewaltsame innere Konflikte. Die neuseeländische Gesellschaftsform ist uns in Deutschland viel näher als etwa diejenige Nigerias. Ihr liegen im Wesentlichen dieselben Werte und Ideale zugrunde. Wenn nun in so einem Land ein Attentäter vor laufender Kamera 50 Menschen erschießt, weil sie einer bestimmten Religion angehören, erschüttert das die tiefsten Grundüberzeugungen liberaler Gesellschaften von Toleranz, Respekt und Freiheit. Es erschüttert die eigene Überzeugung davon, wie man miteinander und mit dem Fremden umgeht. Es ist daher keineswegs verwunderlich oder überraschend, dass Medien hierzulande ausführlich darüber berichten, sich Solidarität und Betroffenheit breit macht. Wäre dies in der Schweiz oder in Kanada geschehen oder hätte der Anschlag Christen während ihres Gottesdienstes gegolten, die Reaktionen wären sicherlich ähnlich gewesen.

In Nigeria ist die Sicherheitslage seit Jahrzehnten desolat. Die Angriffe auf Christen vor allem im Norden des Landes, die konflikthaften Spannungen zwischen den Religions- und Bevölkerungsgruppen dauern an. Immer wieder kommt es zu Angriffen und Anschlägen. Ab und zu berichten deutsche Medien darüber, aber nicht über jeden Fall. Das gesellschaftliche Selbstverständnis der westlichen Welt wird davon kaum berührt. Das ist keine Besonderheit des Blickes auf das westafrikanische Land. Es gibt zahlreiche Konflikte auf der Erde, über die Medien nur punktuell berichten, etwa dann, wenn es neue Entwicklungen gibt oder wenn sie besonders folgenreich eskalieren. Tausende Menschen kommen gewaltsam zu Tode, ohne dass die deutsche Öffentlichkeit etwas davon erfährt – Christen und Muslime gleichermaßen. So zynisch es klingt: Auf Dauer sind die immer selben Konflikte für die Medien nicht interessant. Und Konflikte, die weiter weg sind von unserer Gesellschaft, umso weniger.

Nähe macht betroffen

Das darf man beklagen und kritisieren. Es hört sich unfair an. Doch das entspricht üblichen journalistischen Kriterien – Nähe, Betroffenheit, Neuigkeitswert, Reichweite eines Ereignisses. Und letztlich tickt das Publikum ähnlich. Dazu muss sich jeder nur einmal selbst hinterfragen: Wer von einem Thema betroffen ist, interessiert sich mehr dafür und vermisst es auch eher in den Medien als jemand, der dazu keinen Bezug hat. Wer einem Menschen näher steht und sich ihm verbunden fühlt, wird mehr um ihn trauern als um einen ferner Stehenden. Dieses Prinzip wird sich auch in den Aktivitäten in den Sozialen Medien niederschlagen.

Eine böse Absicht zu unterstellen, wenn Medien verschiedene Ereignisse unterschiedlich gewichten, ist unangebracht. Die Gewichtung selbst kann und muss natürlich diskutiert werden. Aber verschiedene Gruppen von Opfern gegeneinander aufzuwiegen, gleichsam in einem Wettbewerb um die öffentliche Trauer, das wird keinem der Ereignisse, ihrer Hintergründe, Folgen und den Betroffenen gerecht.

Der 11. Kongress Christlicher Führungskräfte vom 28. Februar bis 2. März in Karlsruhe hat so gute Bewertungen wie kein KCF zuvor erhalten. Die Teilnehmer gaben ihm die Note 1,51.
Hoffnung für Menschen in Homs ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at March 25, 2019, 12:01 pm)


© World Relief Deutschland

Der Krieg in Syrien hat großes Leid über das Land gebracht. Allein 13 Millionen Menschen sind nach UN-Schätzungen von humanitärer Hilfe abhängig. Viele sind obdachlos oder leben in Trümmern. Das christliche Hilfswerk „World Relief“ hat angefangen, Syrern in der ehemaligen Rebellen-Hochburg Homs wieder ein Obdach zu geben. Mit dem Projekt-Koordinator für Syrien, Myron Jespersen, hat Oliver Jeske gesprochen .


Weitere Beiträge zum Thema

 

 

 

 


Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Mit dem Aufruf, den eigenen Glauben leidenschaftlich zu leben und Verantwortung in der Gemeinschaftsbewegung zu übernehmen, ist am 24. März der Zukunftskongress „Upgrade 2019 – weiter.echter.tiefer“ zu Ende gegangen.
Der christliche Büchermarkt braucht wieder mehr Literatur, die zum Gebet anleitet und ermutigt. Davon ist der Geschäftsführer des Katholischen Bibelwerkes, Winfried Kuhn, überzeugt.
Die Kirche ist zu stark mit sich selbst beschäftigt. Davon ist der Leiter des Amtes für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Christoph Nötzel, überzeugt.

Christsein heiße nicht, Stellvertreter für den abwesenden Christus zu sein. „Christsein heißt, Jesus Christus durch mich leben zu lassen“, sagte der Theologe Hans-Joachim Eckstein beim Abschlussgottesdienst des 2. Gnadauer Zukunftskongresses „Upgrade“. Im Zentrum seiner Predigt stand die Begegnung von Jesus mit den Jüngern am See Genezareth aus Johannes 21. Das Kapitel erzählt die Geschichte von Petrus und den anderen Jüngern, die aus eigener Kraft die ganze Nacht lang keine Fische fingen. Erst nachdem sie sich Jesus ganz anvertraut hatten, waren die Netze gefüllt.

Eckstein übertrug die Geschichte auf die Anwesenden beim Kongress: „Du wirst keinen einzigen Menschen von dir aus in den Himmel bringen.“ Das sei nur zusammen mit Gott möglich. „Meine Schwachheit steht Gott nicht im Weg. Meine vermeintliche Stärke tut es viel mehr.“ Der Theologe ermutigte deshalb, sich ganz auf die Liebe von Jesus Christus einzulassen. „Gott will nicht zuerst deine Zeit und dein Geld. Er will deine Liebe und eine Beziehung mit dir.“ Eckstein ergänzte: „Schöpft aus Gottes Gnade und Liebe und fragt nicht: ‚Was kann ich ohne Gott tun?‘“ Christliche Leiterschaft bedeute nicht, den Hirten zu imitieren. Sondern zu erkennen, dass man immer „Schaf bleiben“ werde. „Lasst euch von Gott lieben, damit ihr seine Liebe reflektiert“, forderte Eckstein auf.

Gemeinsam Neues entstehen lassen

Der Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbundes, Michael Diener, sagte zum Abschluss des Kongresses: „Habt Mut, Verantwortung im Namen Jesu zu übernehmen. Glaubt daran, dass wir in der Vielfalt der Gemeinden und Kirchen in diesem Land einen eigenen Platz haben, den wir ausfüllen müssen.“ Diener ermutigte dazu, mit „großer Freude und Zuversicht davon auszugehen, dass unser Herr uns gebrauchen will.“

Gleichzeitig müsse man aber auch „sterben lassen“, damit Neues wachsen könne. „Es wird auch Gemeinschaften geben, deren Zeit vorüber ist“, sagte Diener. Deshalb sei es wichtig, sich als Teil einer Bewegung zu sehen, aus der gemeinsam Neues entstehen könne. Insbesondere forderte Diener die junge Generation dazu auf, sich einzubringen: „Wir wissen, dass wir unsere Strukturen verändern müssen, wenn wir euch gewinnen wollen. Bleibt bei uns und bringt euch ein.“

Am wichtigsten sei es jedoch, sich bewusst zu sein, Mission Jesu zu sein. „Christus muss durch seinen Geist in uns leben.“ Er habe eine Mission, er liebe die Menschen. „Wir können die Mission. Gottes nicht sein, ohne dass wir Liebe sind“, sagte Diener. Dazu gehöre auch, Pluralität auszuhalten und sich in der Vielfalt der Meinungen und Ansichten zu ergänzen. Diese Vielfalt sei nicht grenzenlos, aber oft weiter gefasst als der eigene Horizont.

Mehr als 3.000 Teilnehmer – Delegierte aus den jeweiligen Ortsverbänden – nahmen am 2. Gnadauer Zukunftskongress „Upgrade“ teil, der die Gnadauer Gemeinschaftsbewegung neu beleben wollte. Thematisch ging es bei dem Kongress um die Themenfelder „leidenschaftlich glauben“, „engagiert leben“ und „innovativ gestalten“. Ein spezieller Fokus lag auf der jungen Generation. In Young-Leaders-Foren sollten junge Menschen aus der Gnadauer Bewegung geschult werden, um die Gemeindebewegung der Zukunft mitzugestalten.

Von: Swanhild Zacharias

Auf die Frage, was ihn stark mache, antwortet der 22-jährige Thilo Kehrer gegenüber der Zeitung: „Es gibt einige Punkte. Zum einen ist es mein Glaube, der mich stark macht. Dann ist da eine Motivation, die ich verspüre, die kommt von innen heraus. Und dann ist da noch meine Liebe zum Fußball.“ Der Glaube spiele in seinem Leben eine große Rolle, er gebe ihm „Kraft, Sicherheit und Ruhe“. Kehrer weiter: „Ich bin christlich-katholisch aufgewachsen. Als ich jünger war, war ich mit meiner Familie jeden Sonntag in der Kirche. Jetzt schaffe ich es nicht mehr regelmäßig. Doch ich bete täglich.“

Thilo Kehrer, ist deutscher Nationalspieler und gehört dem Starensemble von Paris Saint-Germain an. Im vergangenen Sommer wechselte er für rund 37 Millionen Euro von Schalke 04 zum Klub der Superstars Neymar und Kylian Mbappé. Damals habe er über den Schritt viel nachgedacht. „Ich habe auch mit Gott gesprochen und habe schließlich gefühlt, dass ich diesen großen Schritt wagen möchte“, so Kehrer.

Seit März 2018 ist Kehrer Schirmherr der Hilfsorganisation „Anstoß zur Hoffnung e. V.“, die sich für den Friedensprozess und den Kampf gegen Armut in Burundi, dem Heimatland seiner Mutter, einsetzt. Ihm sei bewusst, dass im Leben an bestimmten Stellen auch Glück erforderlich sei, „aber viele Menschen haben Talent und sind in einer Sache ganz stark, doch sie erhalten nicht die Möglichkeit, das zu zeigen oder sich weiterzuentwickeln.“ Er selbst fühle sich „gesegnet“ und sei dankbar, daher wolle er etwas zurückgeben.

Von: Jörn Schumacher

Er ist einer der Großen der Filmbranche. Regisseur Wim Wenders wird am heutigen Sonntag mit dem Ehrenpreis des Kirchlichen Filmfestivals für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Veranstalter sind stolz, dass er den Preis annimmt und dafür nach Recklinghausen kommt.

In Recklinghausen findet seit zehn Jahren Deutschlands einziges ökumenisches Filmfest statt. Veranstalter ist der Arbeitskreis Kirche & Kino des evangelischen Kirchenkreises und das katholische Kreisdekanat Recklinghausen. Die Filme beschäftigen sich unter anderem mit den Themen Flüchtlinge, Missbrauch in der Kirche und religiöser Fanatismus.

„Keine leichte Kost“

Die Schirmherrschaft haben die westfälische Präses Annette Kurschus und Münsters Bischof Felix Genn übernommen. Das Festival biete „keine leichte Kost“ und traue seinen Gästen auch „unbequeme Filme“ zu. Gezeigt würden Filme, die klar machen, dass es Solidarität, Gerechtigkeit und Humanität brauche für ein gerechtes Leben.

Seit Mittwoch gab es bei dem Filmfestival 16 Filme zu sehen. In dem Dokumentarfilm „#Female Pleasure“ etwa kämpfen fünf junge Frauen aus unterschiedlichen Kulturen gegen leib- und frauenfeindliche Traditionen ihrer jeweiligen Religion. Von einem jungen Mädchen, das Muslima werden will, handelt die Komödie „Womit haben wir das verdient?“

Gezeigt wurde auch das französische Drama „Gelobt sei Gott“, das die Geschichte von drei Missbrauchsopfern eines katholischen Priesters in Lyon erzählt. Der für den Oscar nominierte Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons“ erzählt, wie sich der Filmemacher Talal Derki als Journalist mit Sympathie für die Salafisten ausgibt und zwei Jahre hautnah eine syrische Familie, deren Oberhaupt seine Söhne zu Kalifatskämpfern heranzieht, begleitet.

Wie domradio.de meldet, will Wim Wenders anlässlich seiner Ehrung auch zwei seiner Filme mitbringen. „Der Himmel über Berlin“ aus dem Jahr 1986 erzählt die Geschichte eines Engels mit dem Verlangen, die Welt als Mensch zu erfahren. In dem Dokumentarfilm „Papst Franziskus“ hat Wenders das Oberhaupt der Katholischen Kirche begleitet.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Insgesamt 1.063 „antichristliche Attacken“ wurden vergangenes Jahr in Frankreich registriert, berichtet die Welt am Sonntag. „Die Zahl ist im Vergleich zu 2017 gestiegen, da waren es 878 Angriffe. Im Vergleich dazu wurden rund hundert Synagogen und Moscheen geschändet.“ Oft handele es sich um Jugendliche, die sich in Kirchen verhielten wie auf einem Spielplatz, berichten Priester.

Am 5. März war es die katholische Kirche in Reichstett, am 7. März wurde die Orgel in der Kathedrale von Saint-Denis bei Paris beschädigt, in der Frankreichs Könige beerdigt sind. Die Zeitung listet weiter auf: „11. März: Vandalismus in Saint-Louis, Straßburg. 17. März: Ausbruch eines Feuers in Saint-Sulpice, Paris. Im Februar waren Kirchen in Lavaur, Dijon und Nîmes die Zielscheiben.“ In der Église Notre-Dame-des-Enfants in Nîmes wurde der Tabernakel aufgebrochen, Hostien in ein Kreuz gedrückt, das aus Kot an die Wand gemalt.

Vor drei Wochen wurde die Kirche in Reichstett geschändet: Satanssymbole an der Außenwand, ein altes Kirchenfenster eingeschlagen. „Rein materiell hält sich der Schaden in Grenzen“, sagt Père Gabriel Tchonang, aber es gebe einen Schmerz, den nicht nur die gläubigen Katholiken in Frankreich spürten. Der Priester Tchonang sagt, der Vandalismus häufe sich, aber man spreche kaum darüber. Man lebe inzwischen „in einer Welt, die das Christentum abgeschafft hat, welches das Abendland über Jahrhunderte geprägt hat.“

Der Sprecher der französischen Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas, schrieb auf Twitter mit: „Wir werden uns nie daran gewöhnen, dass diese Orte des Friedens Ziel solcher Gewalt werden.“ Didier Muntzinger, Bischofsvikar von Straßburg und Stellvertreter des Bischofs, sagt gegenüber der WamS: „Wir spüren im Elsass eine starke Welle von Antisemitismus, Rassismus und Christianophobie.“ Nur noch zwei Prozent der getauften Katholiken gingen regelmäßig in die Kirche, sagt Muntzinger. Praktizierende Katholiken seien eine gesellschaftliche Splittergruppe geworden. Manche Theologen interpretierten die Zerstörungswut auch so, dass die Täter das Christentum für die jahrhundertelange Deutungshoheit bezahlen lassen wollten.

Von: Jörn Schumacher

„Wir leben in einer Epoche, in der vieles unscharf, unklar und verworren ist“, sagte Thorsten Dietz, Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor. In einem Vortrag zum Thema „Identitätsfragen heute“ beim Gnadauer Zukunftskongress „Upgrade“ verwendete er als Bild für die heutige Zeit das eines Flussdeltas. „Im Delta sind die Dinge anders als vorher: Die Dinge sind unscharf, die Richtung und die Beziehungen zueinander sind unklar“, sagte er. In der heutigen Zeit, täten die Menschen sich schwer zu sagen, wohin es gehe und woher man komme.

Dietz beschrieb zum einen eine globale Verunsicherung. „Die ursprüngliche Ahnung, der Westen rettet die ganze Welt, erweist sich nicht unbedingt als wahr.“ Von Asien aus betrachtet, gewinne man zum Beispiel einen ganz anderen Blick auf die weltweite Lage. Und die politischen Entwicklungen zeigten: „Demokratien sind offensichtlich alles andere als unumkehrbar.“

Verunsicherungen wecken Urinstinkte

Im christlich-religiösen Bereich machten sich viele Sorgen darüber, dass die Christenheit immer „neuzeitlicher, liberaler und moderner“ werde. Um 1900 seien die meisten Menschen davon ausgegangen, der Islam sei am Ende. Auch um 1950 „hätte niemand darauf gewettet“, dass der Islam sich so entwickele wie heute.

Dietz fasste zusammen: „Man kommt gut mit dem Leben zurecht, wenn man einigermaßen weiß, wohin man möchte.“ Menschen seien extrem belastungsfähig, wenn sie das Wohin kennen würden. Doch wer verunsichert sei, falle in Urinstinkte zurück: „Zurückschlagen oder wegrennen.“

Das habe zur Folge, dass sich Feindbilder entwickelten. „Man versucht, den Feind zu identifizieren.“ Dagegen zu sein, scheine zunächst einmal die einfachste Lösung zu sein. Auf globaler Ebene seien Feindbilder der Globalismus, die „multikulturellen Eliten“, die Nationalisten oder die „fundamentalistischen Vereinfacher“. In der religiösen Welt hielten viele die Fundamentalisten für das Problem. Andere wiederum identifizierten den Liberalismus als Feindbild. „Als Christen fragen wir uns: Was ist unsere Geschichte? Können wir unsere eigene Identität noch gemeinsam formulieren?“, sagte Dietz. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich ein „Individualisierungsdruck“ entwickelt, der dazu geführt habe, dass sich einzelne Gruppen wieder abspalteten auf der Suche nach der Identität. „Denn wenn man Gesellschaften so gestalten möchte, dass sie viel Freiraum bieten, geben sie wenig Geborgenheit.“

Christliche Identität braucht keine Feindbilder

Um als Christen mit der „Gemengelage“ der Identitätsfragen umzugehen, empfahl Dietz die Orientierung an Jesus Christus und „seine Spur“ aufzunehmen. „Die Geschichten und Handlungen Jesu sind Seelsorge an verunsicherter Identität“, sagte er. In den biblischen Geschichten „arbeitet sich Jesus an den Feindbildern ab“ und nehme ihnen so das Bedrohliche. Samariter seien zum Beispiel damals nicht für ihre Barmherzigkeit bekannt gewesen, wie es in der Geschichte des barmherzigen Samariters aber zu lesen ist. „Zöllner waren Verräter oder Kollaborateure.“ Und doch habe der Zöllner Zachhäus sich als Wiedergutmacher erwiesen. „Jesus entwindet den Menschen die Feindbilder. Denn sie sind nicht die Lösung.“

Die christliche Identität habe es nicht nötig, starre Feindbilder zu entwickeln. Die christliche Identität sei „immer dafür offen, was Gott aus uns machen kann“. Sie sei in Christus begründet. Unterschiede seien zwar nicht weg, sie würden durch die Identität in Christus aber relativiert. Christliche Identität lebe zudem von Gemeinschaft und Beziehungen. „Paulus bezeichnet uns als Leib Christi: Eins in der Vielfalt.“ Und letztlich sei die christliche Identität ein Prozess, „ein Wachsen hin zu Christus“, das nie abschlossen sei.

Diese Gedanken könnten „ein Kompass sein, der auch im Delta nichts von seiner Kraft verliert“, sagte Dietz. „Auch wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht: Wir leben auf ein Ziel hin.“ In diesem Zuge sprach er auch das Thema Genderdebatte an. Sie dürfe nicht in einen Kulturkampf ausarten. Auch hier sollte man sich zunächst seiner Identität in Christus bewusst sein, um nicht ideologisch zu werden. Das gelte für beide Seiten. Und für das Thema Ökumene heiße das, „akzeptieren, dass auch andere berechtigte Perspektiven haben“. Dietz ergänzte: „Anders als gemeinsam werden wir das Christentum gegen die Wand fahren.“

Von: Swanhild Zacharias

Gleichgeschlechtliche Partner können nach der Eheschließung künftig auch in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet werden.

Der aus Brasilien stammende Physiker Marcelo Gleiser ist Professor für Naturphilosophie sowie für Physik und Astronomie am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire. Er ist Autor zahlreicher Bücher, Essays und tritt in Fernsehdokumentationen auf. Er erhält den Templeton Prize nach Aussage der Jury dafür, dass er öffentlich dafür eintritt, Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität könnten gemeinsame Ausdrucksformen des menschlichen Wunsches sein, das Ungeklärte aufzudecken.

Der 60-jährige Gleiser präsentiere Wissenschaft „als spirituelles Unterfangen, um den Ursprung des Universums und des Lebens auf der Erde zu verstehen“, teilte das Komitee mit. Seit 35 Jahren forscht Gleiser auf unterschiedlichen Gebieten, wie etwa Quantenfeldern, Elementarteilchen, die Entstehung des Universums, Astrobiologie und Informationswissenschaft. In seinem Heimatland sind viele seiner Bücher Bestseller und seine Fernsehsendungen sehr populär. Gleiser ist der erste Lateinamerikaner, der mit dem Templeton Prize ausgezeichnet wird.

Der Templeton Prize ist dotiert mit umgerechnet 1,2 Millionen Euro. Die Jury ehrt damit Menschen, die einen außerordentlichen Beitrag zur Erforschung der spirituellen Dimension des Lebens geleistet haben. Sei es durch besondere Erkenntnisse, Forschungsarbeit oder praktische Arbeiten. Bisherige Preisträger waren der Dalai Lama, Desmond Tutu und Mutter Teresa. Im vergangenen Jahr erhielt den Prei König Abdullah II. von Jordanien für sein Bemühen, für einen friedlichen Austausch zwischen dem Islam und anderen Religionen zu fördern.

Die John Templeton Foundation hat ihren Sitz in West Conshohocken, Pennsylvania. Sie wurde 1972 vom Investor und Philantropen Sir John Templeton gegründet. Die Stiftung fördert nach eigener Aussage Menschen, die auf Gebieten wie Komplexität, Evolution, Vergebung und dem freien Willen forschen. Diese Werte verkörpere Gleiser, sagte die Enkelin des Stifters, Heather Templeton Dill, die zugleich Präsidentin der Stiftung ist.

„Atheismus ist wissenschaftlich nicht konsistent“

In seiner Begründung für die Wahl von Gleiser erklärte Evan Thompson, Professor für Philosophie an der Universität von British Columbia, der Forscher habe ein Bild von der Menschheit, das niemanden ausschließe. Er bringe Menschen aus verschiedenen Kulturen und religiösen Hintergründen zusammen zu einem „globalen Austausch darüber, wie wichtig es ist, alte Stereotypen zu verlassen“.

Marcelo Gleiser wurde in Rio de Janeiro geboren und wuchs in einer jüdischen Gemeinschaft auf. Er studierte bis 1981 Physik an der katholischen Universität von Rio de Janeiro. Danach studierte er am King’s College in London. Im Alter von 32 wurde er Assistenzprofessor für Physik und Astronomie am Dartmouth College und im Alter von 39 ordentlicher Professor. Er selbst beschreibt sich als Agnostiker, aber auch als „Nicht-Atheisten“.

In seiner auf Video aufgezeichneten Dankesrede sagte Gleiser: „Beim wissenschaftlichen Verstehen und der wissenschaftlichen Erklärung geht es nicht nur um den materiellen Aspekt der Welt. Ich sehe meine Aufgabe darin, der Wissenschaft und den Menschen, die sich dafür interessieren, den geheimnisvollen Aspekt wieder zurückzubringen, damit die Menschen versehen, dass Wissenschaft nur ein Weg ist, das Geheimnis zu lösen, wer wir sind.“

Gleiser sagte vor einem Jahr in einem Interview des Magazins Scientific American: „Für mich ist Atheismus inkonsequent, was die wissenschaftliche Methode angeht, denn er ist sozusagen der Glaube an das Nichtglauben. Vielleicht glaubt jemand nicht an Gott, aber die Nichtexistenz Gottes mit Sicherheit zu behaupten, ist nicht wissenschaftlich konsistent.“ In einem Interview der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte Gleiser: „Ich bewahre mir einen offenen Geist, denn ich weiß, dass der menschliche Geist beschränkt ist.“ Wenn es um die Entstehung des Universums geht, gerate man irgendwann an einen Punkt, an dem man in der Kausalkette nicht weiterkomme.

Angesprochen auf die Schöpfungsgeschichte der Bibel, nach der Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat, sagt Gleiser: „Manche erklären die Wissenschaft zu ihrem Feind (...), weil sie sehr antiquiert über Wissenschaft und Religion denken. Sie vermuten, die Wissenschaftler wollen alle Gott töten.“ Gleiser kritisiert die so genannten „neuen Atheisten“ wie den Buchautor Richard Dawkins oder den verstorbenen Journalisten Christopher Hitchens, die so täten, als sei die Wissenschaft der Feind der Religion. Gleiser erklärte: „Wenn Sie etwas hören wie: Die Kosmologie hat den Ursprung des Universums erforscht, und wir bräuchten Gott nicht mehr, ist das kompletter Unsinn.“

Der Templeton Prize wird bei einer Zeremonie im Metropolitan Museum of Art in New York City am 29. Mai überreicht.

Von: Jörn Schumacher

Wohnungen werden smart, Bankgeschäfte online erledigt, Beziehungen im Netz gepflegt – Digitalisierung sei aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, sagte Norbert Steup, Manager bei Global Data Networks. An Gemeinden scheine das jedoch etwas vorbeizulaufen. „Können wir es uns leisten, den digitalen Wandel auszuschließen?“, fragte Steup.

Bei der Veranstaltung „Digitale Möglichkeiten entdecken“ beim Gnadauer Zukunftskongress „Upgrade“ waren sich die Experten auf der Bühne einig, dass Digitalisierung die Gemeindearbeit auf vielfältige Weise bereichern sollte. Steup sagte: „Mission könnte digital in Gebiete kommen, in die Missionare nicht einreisen dürfen. Der Gottesdienst könnte zu mir kommen, wenn ich nicht dabei sein kann.“

Digitale Möglichkeiten richtig einsetzen

Kirchenrat Tobias Schneider aus der Württembergischen Landeskirche sagte, Digitalisierung biete „handfeste Chancen, Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen“. Scheider ist selbst aktiv dabei, neue digitale Möglichkeiten in der Gemeindearbeit auszuprobieren. Er führte zum Beispiel Konfirmandenunterricht online durch, entwickelte ein Online-Spiel zu Martin Luther oder einen virtuellen Adventskalender, bei dem die Nutzer geistliche Erfahrungen machen konnten. „Man kann Menschen erreichen, die man sonst nicht erreicht.“ Digitalisierung dürfe aber nicht nur als Mittel zum Zweck gesehen werden. Es komme auch darauf an, authentisch vom Glauben zu sprechen und Beziehungen aufzubauen.

Schneider gab einige Tipps, wie Gemeinden digital aktiver werden können. Man müsse die Möglichkeit zur Interaktivität und Mitgestaltung nutzen, dürfe aber auch nicht zu schnell zu viel erwarten. „Die Nutzung von neuen Medien bedeutet nicht automatisch Erfolg.“ Man dürfe zum Beispiel nicht erwarten, dass sofort mehr Menschen den Gottesdienst besuchen. Schneider empfahl, „fehlertolerant“ zu sein und sich auszuprobieren. Außerdem solle man sich bewusst sein, dass man es zum Beispiel bei Facebook mit einem Unternehmen zu tun habe. Deshalb solle man auch Geld für Werbeausgaben einkalkulieren. Das Wichtigste sei jedoch, „koopieren statt kopieren“. Gemeinden sollten sich vernetzen und „gemeinsam weiter denken und zeigen, dass wir ein Leib mit vielen unterschiedlichen Gliedern sind“.

Von Zuhause aus am Gottesdienst teilnehmen

Software-Entwickler Matthias Hewelt stellte verschiedene Projekte vor, wie zum Beispiel „The Bible Project“, das kurze und hochwertig produzierte Clips zu biblischen Büchern anbietet. Das könne zum Beispiel die Jugendarbeit bereichern, sagte Hewelt. Der Bibellesebund habe die App „b next“ entwickelt, die es ermögliche, eigene Inhalte für Gruppen bereit zu stellen und zu vertiefen, zum Beispiel biblisches Arbeitsmaterial für Veranstaltungen. Zusätzlich könnten sich die Teilnehmer per Chat austauschen.

Steup schloss die Veranstaltung mit der Vorstellung eines Geräts, mit dem Menschen auch von Zuhause aus am Gottesdienst in der Gemeinde teilnehmen können. Er habe es beispielhaft für den Kongress entwickelt, es könne von IT-Experten in der Gemeinde aber leicht nachgebaut werden. Die Herausforderung bei der Entwicklung sei es gewesen, dass das Gerät auch Menschen bedienen können, die noch nie zuvor mit einem Computer zu tun gehabt hätten. Es habe deshalb nur einen Knopf und verbinde sich damit automatisch mit einer Live-Übertragung des Gottesdienstes auf YouTube. „So könnte die Zukunft aussehen und wir wollen noch viel mehr“, sagte Steup.

Von: Swanhild Zacharias

Christen können nicht darauf verzichten, von Sünde zu reden. Diese Ansicht vertrat der Theologieprofessor Thorsten Dietz in einem Vortrag auf dem Kongress „Upgrade 2019 – weiter.echter.tiefer“ im nordhessischen Willingen.

pro: Worum geht es bei den Spannungen nach der Generalversammlung am 26. Februar in St. Louis in der methodistischen Kirche?

Klaus Ulrich Ruof: In St. Louis war die Generalkonferenz unserer Kirche, das ist das oberste kirchenleitende und im Blick auf die Kirchenordnungsfragen entscheidende Gremium. Das Gremium tagte in einer außerordentlichen Sitzung, also zwischen dem üblichen Vierjahreszyklus. Es ging ausschließlich um die Kirchenordnungsfragen zur Homosexualität. Es lagen unterschiedliche Lösungsvorschläge vor, um aus dieser spannungsgeladenen Patt-Situation der letzten Generalkonferenzen herauszukommen. Die Entscheidung fiel entgegen des Vorschlags einer Kommission und auch entgegen einer deutlich mehrheitlichen Entscheidung der Bischöfe des Bischofsrates unserer Kirche aus mit einer knappen Mehrheit für den so genannten „Traditional Plan“, womit die konservative Sicht erneut betont wurde. Darüber hinaus wurden noch verschärfende Maßnahmen mit beschlossen.

pro: Worum handelte es sich da?

Dabei geht es um Straf- und Nachforschungsmaßnahmen, dass etwa die Bischöfe und Superintendenten in den Ordinationsausschüssen sich mit einer Unterschrift verpflichten sollten, ob etwa Predigtamtskandidaten nachweisen sollten und wo nachgeforscht werden muss, ob sie nicht in irgendeiner Weise homosexuell tätig sind. Da liegt Etliches noch beim Rechtshof, um zu klären, ob das überhaupt mit der Verfassung kompatibel ist.

pro: Wie bindend ist die Abstimmung in St. Louis für die Kirche nun?

Das ist noch nicht ganz klar. Erstens weil beim Rechtshof noch Dinge zur Prüfung sind. Zweitens: Die Beschlussfassung von dieser außerordentlichen Generalkonferenz sah ausdrücklich vor, dass weltweit alle jährlichen Konferenzen und die jährlichen Konferenzen sich zu dieser Beschlussfassung äußern müssen. Normalerweise ist es so, dass wenn die Generalkonferenz Beschlüsse fasst, wenn sie die Verfassung betreffen, muss mindestens eine Zweidrittelmehrheit weltweit aller Konferenzmitglieder dem zustimmen.

pro: Der Beschluss von St. Louis könnte also noch gekippt werden?

Die Nachrichten aus allen Regionen unserer Kirche weltweit zeigen, dass diese Beschlussfassung und was aus ihr folgt extreme Unsicherheit auf allen Ebenen ausgelöst hat. Mit der Verschärfung sind viele inhaltliche Fragen aufgekommen, aber auch formale Fragen. Konkret für Deutschland hat der Kirchenvortand nach der Generalkonferenz in St. Louis Anfang März getagt und eine erste Meinungsäußerung kundgetan, wo es heißt, dass die Beschlussfassung in dieser Form inakzeptabel ist. Das ist allerdings kein Beschluss mit formal-juristischer Gültigkeit, sondern eine Stellungnahme, die deutlich macht, dass diese Inhalte dieser Generalkonferenz so nicht akzeptabel sind und ein Weg mit „Runden Tischen“ vorgeschlagen wird, um sich damit auseinanderzusetzen.

pro: Was befürchten Sie ansonsten?

Wenn die Beschlussfassung in ihrer radikalen Konsequenz beachtet werden würde, führte dies zu einer Spaltung weltweit. Deswegen ist jetzt die Frage, wie da möglicherweise noch gegengesteuert werden kann.

pro: Welche Lösungen könnte es Ihrer Meinung nach geben?

Das ist momentan absolut schwer zu sagen. Im Prinzip ist jede Generalkonferenz autark in ihren Entscheidungen, so dass rein theoretisch die ordentlich tagende Generalkonferenz 2020 sich noch einmal mit der Beschlussfassung beschäftigt und zu einem anderen Ergebnis kommt. Aber das ist nur Theorie.

pro: Wie steht die EmK in Deutschland zur Frage einer möglichen Spaltung?

Unser Kirchenvorstand hat gesagt: Wenn dieser Beschluss nach derzeitigem Stand in Deutschland in die Öffentlichkeit getragen wird, dann würde es wohl auch bei uns in Deutschland zu einer Spaltung kommen. Der Kirchenvorstand hat betont: Wir wollen jetzt mit allen, auch mit jenen mit sehr unterschiedlichen Meinungen, an einen Tisch einen Weg zu suchen, den wir als gangbar erachten. Eindeutig hat der Vorstand aber erklärt, dass Deutschland vom methodistischen Erbe her ganz klar als eine übernationale Kirche sehen. Eine eigene methodistische Kirche in Deutschland streben wir nicht an.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jörn Schumacher.

Von: Jörn Schumacher

Evangelisation muss sich auf die Ansprüche der Menschen in der heutigen Gesellschaft einstellen. Diese Ansicht vertrat der stellvertretende Direktor und Dozent an der Evangelistenschule Johanneum, Klaus Göttler.
Evangelisation muss sich auf die Ansprüche der Menschen in der heutigen Gesellschaft einstellen. Diese Ansicht vertrat der stellvertretende Direktor und Dozent an der Evangelistenschule Johanneum, Klaus Göttler.

Jair Bolsonaro ist seit Januar Brasiliens Staatspräsident. Er spricht vielen Evangelikalen aus der Seele, wenn er Korruption in dem Land anprangert und unterbinden will und sich für die Ehe ausschließlich von Mann und Frau ausspricht. Dass viele Evangelikale Hoffungen mit Bolsonaro verbinden, hat der Präsident in einem Interview selbst zu erkennen gegeben. In den Medien - vor allem den westlichen - gilt der Politiker als rechtspopulistisch, gar als rechtsextrem. Das sollte auch Christen - bei aller Freude über das klare Bekenntnis des Präsidenten zum christlichen Glauben - aufhorchen lassen.

In einem Interview mit dem christlichen US-amerikanischen Nachrichtensender CBN News hat sich Bolsonaro jüngst zu seinem christlichen Glauben bekannt. „Ich glaube an das Wort Gottes“, erklärte er in dem Interview des Senders am Dienstag. Menschen hätten unterschiedliche Gründe, nicht an das Wort Gottes zu glauben, „aber christliche Werte helfen uns, die Gesellschaft auf einen Weg hin zum Guten zu führen". In dem Interview erklärte Bolsonaro, dass er in der brasilianischen Gesellschaft einen „Durst nach Wahrheit" festgestellt habe und er von evangelikal gesinnten Christen in seinem Land „massive Unterstützung" erhalten habe. „Die Evangelikalen in Brasilien machen ein Drittel der Bevölkerung aus und wachsen", sagte der Präsident. Er sei „als Katholik, vor allem aber Christ" der „natürliche Kandidat" für evangelikale Leiter gewesen, die sich in dem Land die Veränderung wünschten und keine linke Regierung akzeptierten.

„Gender“ trifft den Nerv von Christen

Seine Themen treffen in der Tat den Nerv vieler Christen. Etwa wenn er sagt, dass die USA und Brasilien „Seite an Seite stehen“, wenn es darum geht, die „Freiheiten und den Respekt vor traditionellen familiären Lebensstilen“ zu wahren. Oder wenn er sich für Respekt vor „Gott, unseren Schöpfer" und gegen „die Gender-Ideologie oder politisch korrekte Einstellungen und gegen Fake News" ausspricht. Das Bekenntnis zur traditionellen Ehe ist neben der Forderung, Abtreibung zu verbieten, vor allem ein zentraler Grundwert vieler evangelikal gesinnter Christen. In den USA sind ebenfalls diese Themen ein Grund dafür, warum viele viele Wertkonservative - mit anderen Worten Evangelikale - offen Sympathie für Donald Trump bekunden und einen nicht zu leugnenden Einfluss auf die Politik ausüben. Die kritische Haltung US-Evangelikaler zur Abtreibung, der Ehe für Homosexuelle, die Unterstützung Israels und restriktive Positionen in ethischen Fragen findet bei Donald Trump Gehör. Er weiß, wie er sich die Unterstützung der Evangelikalen sichert. Insofern haben Trump und Bolsonaro einiges gemeinsam. Inwiefern sich ihre politische Agenda tatsächlich aus christlichen Überzeugungen speist, ist schwerlich zu beurteilen. Ein so ausdrückliches Glaubensbekenntnis wie von Bolsonaro hat man von Trump aber noch nicht gehört.

Bolsonaro vertritt offenbar aber auch Positionen, die mit dem Wort Gottes nur schwer in Einklang zu bringen sind. Die Zeit etwa erkennt in dem „rechten Präsidenten" einen „Fan der mörderischen Militärdiktatur Brasiliens". Während der Zeit von 1964 bis 1985 waren Menschenrechtsgruppen zufolge staatlicher Mord, staatliche Todesschwadronen, Folter und das Verschwindenlassen von Oppositionellen die Normalität. Ein staatlicher Bericht aus dem Jahr 2014 belegt schwere Menschenrechtsverletzungen. Die Zeitung führt auch „sprachliche Ausfälle gegen Feministen, Homosexuelle, Linke aller Art und die Angehörigen benachteiligter Minderheiten" an. Nach Evangelium in Reinstform klingt das nicht. Ebenso könnten sich Christen daran stören, dass Bolsonaro eine Abneigung gegen das Pariser Klimaschutzabkommen hat. Die Bewahrung der Schöpfung - etwa in der Form des brasilianischen Regenwaldes, der eine unwiederbringliche Artenvielfalt beheimatet - ist jedenfalls kein erklärtes Ziel des Präsidenten.

Der Politiker war vor seiner Wahl nicht nur wegen zweifelhafter Äußerungen ins Visier geraten, wohl auch wegen seiner Nähe zu den „erzkonservativen Freikirchen". Allein darin sehen einige Medienvertreter eine Kampfansage an die Gesellschaft. Die Wahl Bolsonaros war deshalb hierzulande meist kritisch bewertet worden. Die ständigen Berufung des Politikers auf Gott stört viele und gilt als ein Zugeständnis an die evangelikalen Pfingstkirchen des Landes.

Deutschland brauche neue Gemeinden, um die Menschen zu erreichen, die sich bisher in keiner der klassischen Gemeindeformen beheimatet fühlten. Das betonte Stephen Beck, Dozent für Praktische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen (FTH) auf dem Kongress „Upgrade“ des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Beck liegen besonders die evangelikalen Gemeinden am Herzen. Er berichtete von der internationalen Gemeindegründungsbewegung NC2P (National Church Planting Process), bei der mittlerweile auch in Deutschland viele Gemeinden aus verschiedenen Denominationen zusammenarbeiteten. Ziel sei es, in den kommenden fünf Jahren 15.000 neue Gemeindegründer für die Bewegung zu gewinnen und in den kommenden sechs Jahren viele neue Gemeinden in Deutschland entstehen zu lassen.

Dabei gehe es darum, den Blick nach außen zu richten auf die Menschen, die erreicht werden sollten. „Wie werden wir unseren Gottesdienst gestalten, damit der Nichtchrist keinen Kulturschock erlebt, sondern sich angesprochen fühlen kann?“ Beck legte einen besonderen Fokus darauf, Menschen aus anderen Kulturkreisen zu erreichen. „Seit der Flüchtlingswelle haben wir gemerkt, dass Gottes Auftrag an uns ist: Der einheimische Christ hat die Verantwortung, sein Herz und seine Gemeinden den Migranten zu öffnen“, sagte Beck. „Wie werden wir in dem Fall unseren Nächsten lieben und ihm dienen, damit er auch ohne Deutschkenntnisse das Evangelium hören kann?“

Café-Churches in England

Beck betonte: „Es sind nicht wir, die Mission machen. Mission ist nicht unsere Agenda, es ist Gottes Agenda.“ Er sei es, der Menschen aus allen Kulturkreisen mit dem Evangelium erreichen wolle. „Und dazu will er uns und unsere Gemeinden gebrauchen.“

Katharina Haubold, Projektreferentin für Fresh X an der CVJM Hochschule, berichtete von neuen Formen des Gottesdienstes und neuen Wegen, Menschen mit dem Wort Gottes zu erreichen. Der klassische Gottesdienst sei für viele ein „Kulturschock“. Es lohne sich deshalb zum Beispiel, Gottesdienste an anderen Orten durchzuführen wie Kneipen oder Cafés. In England seien so die Café-Churches entstanden, denn die Leute gingen sonntags lieber in ein Café anstatt in eine Kirche. „Die EFG Bremen bietet den Gottesdienst jeden Sonntag irgendwo anders an, meistens in einem Tangostudio“, sagte Haubold. Es sei viel leichter, sich auf Gäste einzulassen, wenn man selbst Gast sei.

Oliver Ahlfeld, Referent des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes für Neubelebung und Neugründung von Gemeinden in Deutschland, sagte, den Missionsbefehl von Jesus Christus ernstzunehmen, bedeute, dass der Auftrag „mein ganzes Leben durchdringt“. Das heiße, die Menschen, die man für die Gemeinde und den Glauben gewinnen wolle, wirklich kennenzulernen und Beziehungen zu ihnen zu pflegen. „Unsere missionarischen Extra-Veranstaltungen sind oft richtig gut. Aber wie viele Menschen, die kommen, kennt man wirklich?“, fragte Ahlfeld. Oft hinderten „Christenklüngel und Bequemlichkeit“ daran, „echte Beziehungen zu echten Menschen“ aufzubauen. „Beziehung ist Zuhören, mitlachen und mitweinen.“ Diese Beziehung mit Nichtchristen sei Mission, wenn der Missionsauftrag das eigene Leben voll und ganz durchdringe.

Von: Swanhild Zacharias

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Ekkehart Vetter, hat die wöchentliche Generalaudienz des Papstes Franziskus am 20. März in Rom genutzt, um ihm einen Brief der Deutschen Evangelischen Allianz zu überreichen.

Was der Regisseur Talal Derki während seiner zweijährigen Zeit bei der Familie des Syrers Abu Osama auf Film gebannt hat, lässt dem Zuschauer streckenweise den Atem stocken. In seinem Film „Of Fathers and Sons – die Kinder des Kalifats“ reiht der syrischstämmige Berliner Einblicke aneinander, die er so gut wie unkommentiert lässt, und die doch Bände sprechen.

Acht Kinder hat Abu Osama, der zur dschihadistischen Al-Nusra-Front gehört, einer Abspaltung von Al-Qaida, und für ihn könnten es noch viel mehr sein, denn der Krieg für Allah braucht Nachschub. Stolz zählt er die Namen seiner noch kleinen Jungen auf, und quasi alle tragen den Namen irgendeines Märtyrers. Die Attentäter vom 11. September 2001, nach denen er seine Söhne benannt hat, liebt Abu Osama. Er verehrt sie, und wenn er von ihnen spricht, bekommt er leuchtende Augen. „Ich liebe diese Menschen so sehr“, sagt Osama über Osama bin Laden, Mohammed Atta und die anderen Terroristen, „wenn ich diese Liebe über den Planeten verbreiten könnte, würde er zum Planeten der Liebe“.

Es ist diese Widersprüchlichkeit, diese Verknüpfung von Liebe und Hass, die im Alltag von Abu Osama beispielhaft für viele Anhänger der islamistischen Terrorgruppen wie Al-Qaida das Leben bestimmt, die den Film „Of Fathers and Sons“ so wertvoll macht. Denn für einen islamistischen Terroristen schließen sich die Liebe zu Allah, zu den eigenen Kindern und zum eigenen Land und der Hass auf die Ungläubigen nicht aus. Im Gegenteil: Je mehr Abu Osama Allah liebt, umso mehr hasst er Israel, Amerika und die „Ungläubigen“.

Zwei Jahre lebte der Regisseur Talal Derki undercover bei der Al-Qaida-Familie im Norden Syriens. Abu Osama, dem Familienvater, erzählte er, er sei begeistert von Al-Qaida und wolle einen Film über einen glühenden Anhänger drehen. Nur ein Kameramann begleitete Derki, und selbst der wusste nichts von dessen wahrer Intention. Derkis Einblick in das Leben einer Terror-Familie ist für die westliche Welt Gold wert und gewann über ein Dutzend Filmpreise, darunter beim Sundance Film Festival oder beim SWR Doku Festival. Zudem war er für den Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert, konnte den Preis jedoch am Ende nicht ergattern.

Von klein auf nur Terror, Hass und Krieg

In dem Film, der den Alltag der Familie begleitet, stehen vor allem die Kinder im Mittelpunkt. Frauen oder Mädchen allerdings kommen im Film so gut wie nicht vor, allenfalls als Opfer von Angriffen der Jungs, die Steine auf sie werfen und sich dann darüber lustig machen, wenn sie sich darüber beschweren. Der Umgang schon bei den Kleinsten in der Familie ist rau. Kein Wunder, sie lernen von klein auf, dass im Leben eigentlich nur eines wichtig ist: der Krieg.

Manche Szenen sind so intensiv in ihrer Brutalität und Authentizität, dass der Zuschauer für einen Moment erstarrt. Etwa wenn einerseits das zärtliche Schmusen des Familienoberhauptes Abu Osama gezeigt wird, andererseits den Kindern wie selbstverständlich im selben Augenblick gesagt wird, man könne sie ja eigentlich auch mit dem Elektrokabel auspeitschen oder ihnen die Haut abziehen, wenn man wollte. Es scheint, als dürfe selbst die väterliche Liebe nur sofort im Zusammenhang mit Brutalität und Kampf vermittelt werden. Ein kleiner Vogel, mit dem ein Junge spielt, ist – es war zu erwarten – schon nach kurzer Zeit tot. Mit einem Messer aus Spaß geköpft. „So wie du es mit dem Mann neulich gemacht hast!“, ruft der kleine Junge glücklich.

Sehr bald kommen die Jungs in eine Kaderschule von Al-Nusra, wo sie lernen, mit Waffen umzugehen, Wände hochzuklettern und vor allem Allah zu preisen. Mit Gewehren schießen die Ausbilder unmittelbar vor ihre Füße, und sollten sie getroffen werden, sei das nun einmal Allahs Wille, geben sie zu verstehen. Die Kinder hassen es, aber es bleibt ihnen nichts anderes übrig als mitzumachen. Einmal kommt den Jungs abends beim Einschlafen die Idee, einfach abzuhauen, aber ihnen ist, ebenso wie dem Zuschauer, sofort klar, dass dieses Unterfangen vollkommen utopisch ist.

Es ist diese Hoffnungslosigkeit angesichts der großen heranwachsenden Generation, die herangezüchtet und unwiederbringlich einer Gehirnwäsche unterzogen wird, um als Kanonenfutter für den Dschihad zu dienen, die „Of Fathers and Sons“ zu einem erschütternden, intensiven, aber zugleich irrsinnig wichtigen Film macht. Dankbar kann man dem Filmemacher Talal Derki vor allem deswegen sein angesichts der Gefahr, der er während des Drehs ausgesetzt war und jetzt noch immer ist.

Der Filmemacher hält sich mit eigenen Kommentaren zurück. Nur am Schluss, wenn er endlich wieder nach Hause fliegen will, spricht er im Off von der Erleichterung, diesen „Albtraum“ zu verlassen. Dabei war dieses Land einmal seine Heimat, sagt er, von der er allerdings nichts mehr wiedererkennen kann.

„Of Fathers and Sons – die Kinder des Kalifats“, Regie: Talal Derki, 99 Minuten, Filmstart: 21. März 2019


© Annie Spratt / unsplash.com

„Upgrade – weiter, echter, tiefer“. Unter diesem Motto tagt vom 21. bis 24.03.2019 der Zukunftskongress des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes im hessischen Willingen. Über 3120 Delegierte aus Gemeinden und angeschlossenen Werken besuchen rund 160 Seminare, Foren und Diskussionsrunden unter den Schwerpunktthemen „leidenschaftlich glauben“, „engagiert leben“ und „innovativ gestalten“, um ihre Gemeinden fit für die Zukunft zu machen. Eine besondere Bedeutung haben dabei 800 junge Teilnehmer, die Young Leaders, die für ihre Generation Verantwortung in den Gemeinden tragen.

Erste Ergebnisse

Die Veranstaltung schließt an einen Impulskongress des Verbandes im Jahr 2013 in Erfurt an. In Folge des Kongresses hatte der Verband eine Reformstelle eingerichtet, die acht Perspektivgruppen begleitete. So ist unter anderem aus einer überalterten Gemeinde in einer Universitätsstadt ein neues Angebot für Studenten und jetzt auch junge Familien gewachsen, wie der Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, im Interview mit Andreas Odrich berichtet.


Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Was der Regisseur Talal Derki während seiner zweijährigen Zeit bei der Familie des Syrers Abu Osama auf Film gebannt hat, lässt dem Zuschauer streckenweise den Atem stocken. In seinem Film „Of Fathers and Sons – die Kinder des Kalifats“ reiht der syrischstämmige Berliner Einblicke aneinander, die er so gut wie unkommentiert lässt, und die doch Bände sprechen.

Acht Kinder hat Abu Osama, der zur dschihadistischen al-Nusra-Front gehört, einer Abspaltung von Al-Qaida, und für ihn könnten es noch viel mehr sein, denn der Krieg für Allah braucht Nachschub. Stolz zählt er die Namen seiner noch kleinen Jungen auf, und quasi alle tragen den Namen irgendeines Märtyrers. Die Attentäter vom 11. September 2001, nach denen er seine Söhne benannt hat, liebt Abu Osama. Er verehrt sie, und wenn er von ihnen spricht, bekommt er leuchtende Augen. „Ich liebe diese Menschen so sehr“, sagt Osama über Osama bin Laden, Mohammed Atta und die anderen Terroristen, „wenn ich diese Liebe über den Planeten verbreiten könnte, würde er zum Planeten der Liebe“.

Es ist diese Widersprüchlichkeit, diese Verknüpfung von Liebe und Hass, die im Alltag von Abu Osama beispielhaft für viele Anhänger der islamistischen Terrorgruppen wie Al-Qaida das Leben bestimmt, die den Film „Of Fathers and Sons“ so wertvoll macht. Denn für einen islamistischen Terroristen schließen sich die Liebe zu Allah, zu den eigenen Kindern und zum eigenen Land und der Hass auf die Ungläubigen nicht aus. Im Gegenteil: Je mehr Abu Osama Allah liebt, umso mehr hasst er Israel, Amerika und die „Ungläubigen“.

Zwei Jahre lebte der Regisseur Talal Derki undercover bei der Al-Qaida-Familie im Norden Syriens. Abu Osama, dem Familienvater, erzählte er, er sei begeistert von Al-Qaida und wolle einen Film über einen glühenden Anhänger drehen. Nur ein Kameramann begleitete Derki, und selbst der wusste nichts von dessen wahrer Intention. Derkis Einblick in das Leben einer Terror-Familie ist für die westliche Welt Gold wert und gewann über ein Dutzend Filmpreise, darunter beim Sundance Film Festival oder beim SWR Doku Festival. Zudem war er für den Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert, konnte den Preis jedoch am Ende nicht ergattern.

Von kleinauf nur Terror, Hass und Krieg

In dem Film, der den Alltag der Familie begleitet, stehen vor allem die Kinder im Mittelpunkt. Frauen oder Mädchen allerdings kommen im Film so gut wie nicht vor, allenfalls als Opfer von Angriffen der Jungs, die Steine auf sie werfen und sich dann darüber lustig machen, wenn sie sich darüber beschweren. Der Umgang schon bei den Kleinsten in der Familie ist rau. Kein Wunder, sie lernen von kleinauf, dass im Leben eigentlich nur eines wichtig ist: der Krieg.

Manche Szenen sind so intensiv in ihrer Brutalität und Authentizität, dass der Zuschauer für einen Moment erstarrt. Etwa wenn einerseits das zärtliche Schmusen des Familienoberhauptes Abu Osama gezeigt wird, andererseits den Kindern wie selbstverständlich im selben Augenblick gesagt wird, man könne sie ja eigentlich auch mit dem Elektrokabel auspeitschen oder ihnen die Haut abziehen, wenn man wollte. Es scheint, als dürfe selbst die väterliche Liebe nur sofort im Zusammenhang mit Brutalität und Kampf vermittelt werden. Ein kleiner Vogel, mit dem ein Junge spielt, ist – es war zu erwarten – schon nach kurzer Zeit tot. Mit einem Messer aus Spaß geköpft. „So wie du es mit dem Mann neulich gemacht hast!“, ruft der kleine Junge glücklich.

Sehr bald kommen die Jungs in eine Kaderschule von Al-Nusra, wo sie lernen, mit Waffen umzugehen, Wände hochzuklettern und vor allem Allah zu preisen. Mit Gewehren schießen die Ausbilder unmittelbar vor ihre Füße, und sollten sie getroffen werden, sei das nun einmal Allahs Wille, geben sie zu verstehen. Die Kinder hassen es, aber es bleibt ihnen nichts anderes übrig als mitzumachen. Einmal kommt den Jungs abends beim Einschlafen die Idee, einfach abzuhauen, aber ihnen ist, ebenso wie dem Zuschauer, sofort klar, dass dieses Unterfangen vollkommen utopisch ist.

Es ist diese Hoffnungslosigkeit angesichts der großen heranwachsenden Generation, die herangezüchtet und unwiederbringlich einer Gehirnwäsche unterzogen wird, um als Kanonenfutter für den Dschihad zu dienen, die „Of Fathers and Sons“ zu einem erschütternden, intensiven, aber zugleich irrsinnig wichtigen Film macht. Dankbar kann man dem Filmemacher Talal Derki vor allem deswegen sein angesichts der Gefahr, der er während des Drehs ausgesetzt war und jetzt noch immer ist.

Der Filmemacher hält sich mit eigenen Kommentaren zurück. Nur am Schluss, wenn er endlich wieder nach Hause fliegen will, spricht er im Off von der Erleichterung, diesen „Albtraum“ zu verlassen. Dabei war dieses Land einmal seine Heimat, sagt er, von der er allerdings nichts mehr wiedererkennen kann.

„Of Fathers and Sons – die Kinder des Kalifats“, Regie: Talal Derki, 99 Minuten, Filmstart: 21. März 2019

Von: Jörn Schumacher

Die Teilnehmer der Generalversammlung der Vereinigten Methodistenkirche votierten mehrheitlich für den sogenannten „Traditionellen Plan“. Dieser sieht vor, dass die protestantische Kirche an ihren derzeit geltenden Vorschriften gegen die gleichgeschlechtliche Ehe festhält. Dies berichtete der Evangelische Pressedienst (epd). Nach Angaben des Informationsdienstes „Religion News Service“ kamen 58 Prozent der Delegierten in St. Louis aus den USA.

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist die mitgliederstärkste der methodistisch geprägten Kirchen. Am stärksten vertreten ist sie in den Vereinigten Staaten. Weltweit hat sie rund 12,6 Millionen Mitglieder. In den USA ist die Methodistenkirche nach dem südlichen Baptistenverband die zweitgrößte protestantische Kirche. In den USA verliert die Kirche seit Jahren Mitglieder, wie aus Kirchenstatistiken hervorgeht. In afrikanischen Ländern dagegen gewinnt sie stark dazu. In Deutschland gibt es laut Kirchenangaben rund 30.000 Methodisten.

Wie der epd berichtet, gibt es nach der Abstimmung weiter Uneinigkeit bei dem Thema unter den Methodisten. Manche sprechen demnach sogar von der Gefahr der Spaltung. Bei der Wahl im Februar soll es eventuell irreguläre Stimmabgaben gegeben haben, weswegen ein Untersuchungskommission eingerichtet worden sei, teilte der Informationsdienst der Kirche gegenüber der New York Times mit. Die Delegierten stimmten mit 438 zu 384 Stimmen dafür, dass die Kirche an ihren Vorschriften gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen in Partnerschaft lebende schwule und lesbische Pastoren festhält.

Allerdings sollen laut einem Bericht der Zeitung „wenigstens vier Stimmzettel“ von nicht autorisierten Personen abgegeben worden sein. Sie sollen aus afrikanischen Kirchendelegationen stammen, heißt es in dem Bericht. Laut dem Sekretär der Generalversammlung, Gary Graves, ist die Zahl nicht hoch genug, um das Resultat der Abstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu verändern. Dennoch solle das Ergebnis auf Unregelmäßigkeiten geprüft werden, erklärte Graves. Der Rechtshof der Evangelisch-methodistischen Kirche, deren oberstes rechtliche Gremium, soll bei seiner Sitzung vom 23. bis 26. April die Durchführung der Abstimmung prüfen.

Reaktionen des deutschen Kirchenvorstandes der Evangelisch-methodistischen Kirche

Bischof Thomas J. Bickerton, der in der Kommission zur Durchführung des Kongresses tätig war, sagte gegenüber der New York Times: „Die Entdeckungen, die wir gemacht haben, haben einen ernsten Einfluss auf das Vertrauen und die Integrität des gesamten Prozesses.“ Die Zeitung berichtete, eigener Recherche zufolge hätten zwei Delegierte aus der Demokratischen Republik Kongo auf der Wahlliste gestanden, doch sie seien wegen Problemen mit ihren Visa nicht in St. Louis erschienen. Außerdem sei der offizielle Übersetzer der Konferenz, Pastor Kalaba Chali der Abstimmung offenbar bewusst ferngeblieben, weil er einem weiterem Ausschluss von homosexuellen Kirchenfunktionären nicht mitgehen wollte. Des weiteren sollen drei Personen als Delegierte aus der Republik Kongo abgestimmt haben, doch ihre Namen standen gar nicht auf der Teilnehmerliste der Versammlung.

Der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland hat auf seiner Frühjahrssitzung am 8. und 9. März 2019 in Fulda eine Botschaft formuliert. Der Vorstand besteht aus den für die neun Distrikte der EmK in Deutschland zuständigen Superintendenten (eine Frau und acht Männer) sowie weiteren 21 stimmberechtigten und beratenden Mitglieder des Kirchenvorstands. Harald Rückert, der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof, sagte auf der Tagung, der Beschluss des „Traditional Plan“ habe „Scherben, Zerbruch und tiefe Gräben“ ausgelöst.

Die Mitglieder der EmK zeigten „tiefe Betroffenheit und große Sorge um die Einheit der EmK“, hieß es in der Mitteilung, und weiter. „Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des "Traditional Plans" für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.“ Deshalb gehe die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland „den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit“. Außerdem rief der Kirchenvorstands zur Bewahrung der Einheit der Methodistischen Kirche auf. Man wolle „eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können“.

Die pro-Redaktion hat zum Thema auch Pastor Klaus Ulrich Ruof vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland (EmK) angefragt. Das Intervierview mit ihm veröffentlichen wir an dieser Stelle in Kürze.

Von: Jörn Schumacher

Dankbarkeit macht hilfsbereit! ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at March 22, 2019, 10:01 am)


© Jacek Dylag / unsplash.com

Bestimmt haben Sie sich heute Morgen gewaschen oder geduscht. Sie haben sich einen Tee oder Kaffee gekocht. Und natürlich haben Sie für all das Wasser gebraucht. Frisches sauberes Wasser: Das ist in unseren Breiten etwas ganz Selbstverständliches. Doch leider gilt das nicht auf der ganzen Welt.

Darum haben die Vereinten Nationen den 22. März als Weltwassertag ausgerufen. In diesem Jahr lautet das Motto  „Leaving no one behind – water and sanitation for all" – übersetzt: „Niemand zurücklassen - Wasser und Sanitärversorgung für alle".

Das christliche Hilfswerk Samaritan‘s Purse ist mit einem besonderen Wasser-Hilfsprojekt in Afrika und Asien unterwegs. Oliver Jeske hat mit der deutschen Leiterin, Sylke Busenbender, gesprochen.


Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Der Weltwassertag am 22. März rückt die Wasser- und Sanitärversorgung für alle Menschen in den Mittelpunkt. „Sicheres Wasser und sichere sanitäre Einrichtungen sind Menschenrechte", erklärt Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Für mehr als eine Milliarde Menschen sei dieses Recht nicht verwirklicht. Mehr als zwei Milliarden Menschen leben dem „Weltwasserbericht 2019“ zufolge ohne sicheres Trinkwasser, 844 Millionen müssen mindestens eine halbe Stunde täglich für die Wasserbeschaffung aufwenden oder sie haben gar keinen Zugang dazu. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat hochgerechnet, dass bis zum Jahr 2030 rund 700 Millionen Menschen ihre Heimat wegen Wasserknappheit verlassen müssen. In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „Niemanden zurücklassen“.

Humanitäre Hilfsorganisationen fordern den ungehinderten Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen. „Dieses zutiefst christliche Anliegen, sich um die Geringsten zu kümmern, ist auch insgesamt bei den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ein Grundanliegen“, erklärt Stephan Krämer, Vorstand der humanitären Hilfsorganisation „World Relief Deutschland“ (WR), auf Anfrage von pro. Die derzeitige Situation stehe „in krassem Gegensatz“ zu der Tatsache, dass die Vereinten Nationen bereits 2010 das Menschenrecht auf sicheres und sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung anerkannt habe. Durchschnittlich verbrauche ein Deutscher täglich 123 Liter Trinkwasser, sagt Krämer. Im Jemen beispielsweise stünden erwachsenen Binnenvertriebenen pro Tag jedoch nur etwa neun bis 15 Liter zur Verfügung. Das sei laut WHO „das absolute Minimum zum Überleben“.

Die Not mit der Notdurft

Doch nicht nur den Zugang zum Trinkwasser, sondern auch die Beseitigung der Fäkalien seien ein Problem und Gesundheitsrisiko. Nach Angaben der UNESCO können rund 4,3 Milliarden Menschen keine sicheren Sanitäranlagen nutzen. „Dieser Zustand ist unannehmbar“, erklärt Krämer, der sich als Wasserbauingenieur im deutschen WASH-Netzwerk engagiert, bei dem es um den Dreiklang Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene geht. Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat am Vortag des Weltwassertages zu einem Wasserforum geladen, um mit Hilfsorganisationen, Politikern und Wirtschaftsvertretern Lösungsansätze zu diskutieren.

„Für Christen hat Wasser eine große Bedeutung. Daher ist es wünschenswert, dass gerade wir uns in diesem Bereich engagieren", sagt Krämer. Sylke Busenbender vom Vorstand der christlichen Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“ formuliert es so: „Christen haben noch mehr zu bieten als sauberes Wasser – wir haben das ,lebendige Wasser‘, Jesus Christus.“

Vor allem in afrikanischen Ländern ist nach Auskunft von „World Vision“ die Versorgung mit Trinkwasser schlecht. Die christliche Hilfsorganisation rechnet damit, dass mehr als 600 Millionen Menschen kein Wasser zur Verfügung steht, das sie bedenkenlos trinken können. Durchschnittlich sechs Kilometer müssten afrikanische Frauen und Kinder laufen, um an Trinkwasser zu gelangen. Das Wasser sei oft verschmutzt oder mit Keimen verseucht. Nach WHO-Angaben sterben täglich mehr als 700 Kinder weltweit an den Folgen von verunreinigtem Wasser.

Wasser, das krank macht

Auch die Ärzteteams der christlichen humanitären Hilfsorganisation „humedica“ sind immer wieder mit sogenannten „water-born diseases“ konfrontiert. Das sind Krankheiten wie beispielsweise Cholera, Typhus oder Durchfälle, die durch den Konsum von bakteriell verseuchtem Trinkwasser hervorgerufen werden. Diese müssten regelmäßig von den ärztlichen Mitarbeitern behandelt werden. „Insbesondere nach Naturkatastrophen, wie derzeit in Malawi und Mosambik, wo sich aufgrund von Überschwemmungen Abwässer mit Trinkwasser vermischen, treten die genannten Erkrankungen verstärkt auf", erklärt Geschäftsführer Wolfgang Groß auf Anfrage von pro.

Obwohl sich humedica auf medizinische Hilfe konzentriert, führe die Hilfsorganisation auch Projekte zur Trinkwassergewinnung und Wasseraufbereitung durch. Dazu gehörten der Bau von Brunnen, Waschplätzen und Latrinen sowie die Ausgabe von Wasserfiltern. Denn Krankheiten und verschmutztes Wasser hingen oft miteinander zusammen.

Luxusproblem Wasser

Unter dem Titel „Auf der Insel wird das Wasser knapp" berichtete die Tageszeitung Die Welt am Mittwoch, dass in Großbritannien einem Wasserversorgungsunternehmen täglich drei Milliarden Liter Wasser durch kaputte Rohre verlorengehen. Wegen der Verluste gerate der Börsenwert des Unternehmens unter Druck. „Der Bedarf von 20 Millionen Briten könnte mit dem Wasser gedeckt werden, das ungenutzt versickert", heißt es in dem Artikel. In zwei Jahrzehnten könnte Wasser auf der Insel dauerhaft knapp werden, rechnet James Bevan hoch, der Chef der britischen Umweltbehörde. Dem Bericht zufolge verbraucht ein Engländer am Tag rund 140 Liter Wasser. In Deutschland liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch bei rund 123 Liter am Tag. Der Löwenanteil entfällt auf Körperpflege und Toilettenspülung.

Von: Norbert Schäfer

„Das wichtigste für diese Tage ist, dass wir weitergehen“, sagte Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes bei der Eröffnung vom Kongress „Upgrade“. So wie Mose in der biblischen Geschichte des brennenden Dornbusches solle es in den kommenden vier Tagen darum gehen, aus der Komfortzone herauszukommen und „aufzubrechen in neues und unbekanntes Land“. Er wünsche den Teilnehmern, dass sie in den kommenden vier Tagen von Gott neu begeistert würden und entdecken könnten, was es bedeute, Teil seiner Geschichte mit den Menschen zu sein.

Oliver Ahlfeld, Referent des Gnadauer Verbandes für Neubelebung und Neugründung von Gemeinden in Deutschland, präsentierte die Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedern der Gnadauer Bewegung. Diese habe gezeigt, dass fehlende Leidenschaft und Bequemlichkeit, Überlastung und ungeklärte Konflikte und Streit die Hauptgründe seien, die eine Neubelebung behinderten. Risikobereitschaft und missionarischer Mut hingegen seien förderlich. Neubelebung sei außerdem ein dauerhafter, schwieriger und kreativer Prozess, bei dem es zuerst darum gehe, auf Gottes Wort zu hören. Denn die wichtigste Frage sei: „Wo will Gott mit uns hin?“ Ohne klare Ziele verliere man schnell die Leidenschaft.

„Wir sind gesegnet, um ein Segen zu sein“

David Togni, Autor und Gründer des Modelabels „Love Your Neighbour“ machte Mut, die Beziehung zu Gott zu intensivieren. „Mein Herz brennt für eine Kultur der Nächstenliebe“, sagte Togni. Er erzählte die Geschichte, wie er mit einem Obdachlosen einkaufen ging, der eigentlich nur nach einem Euro gefragt habe. Der Mann habe es nicht glauben können, als Togni zu ihm sagte: „Nimm alles, was du willst, ich bezahle.“ Er könne so etwas tun, weil sein Vater im Himmel ihn reich beschenke.

„Wir sind gesegnet, um ein Segen zu sein“, sagte Togni. „Wenn man eine Zitrone zerdrückt, kommt Zitronensaft raus. Was kommt raus, wenn wir unter Druck sind? Kommt dann die Liebe vom Vater raus?“, fragte Togni. Um Gottes Liebe weiterzugeben, „müssen wir unseren Vater im Himmel kennen lernen“. Daraus wachse die eigene Identität. „Unser Umfeld muss merken, dass wir anders leben.“ Seine Familie habe an Weihnachten immer Kekse für Obdachlose verteilt, erzählte Togni. Seine Mutter habe ihm gesagt: „David, du hast zwei Hände: Eine für dich und eine, um anderen zu helfen.“

Menschen kehren sich vom Glauben ab

Zum 2. Gnadauer Zukunftskongress „Upgrade“ erwarten die Veranstalter mehr als 3.000 Teilnehmer. Diener sagte in einer Pressekonferenz, der Kongress wolle vor allem die Menschen erreichen, die in den Gemeinden vor Ort in der Verantwortung ständen. Alle Teilnehmer seien deshalb Delegierte aus den jeweiligen Ortsverbänden.

Immer mehr Menschen kehrten sich vom Glauben ab, die Gesellschaft werde säkularer, sagte Diener. Auch die Gnadauer Bewegung habe immer wieder mit Auf‘s und Ab‘s zu kämpfen. Der Dachverband wolle mit dem Kongress deshalb einen Neuaufbruch starten. Der Startschuss dazu sei der Kongress „Neues wagen“ im Jahr 2013 in Erfurt gewesen. Nun wolle man die Erkenntnisse, die man in den vergangenen Jahren aus den Bemühungen zur Neubelebung gewonnen habe, weitergeben. „Upgrade bietet Inhalte, die vorher in dieser Form nicht da waren“, sagte Diener.

Thematisch geht es bei „Upgrade“ um die Themenfelder „leidenschaftlich glauben“, „engagiert leben“ und „innovativ gestalten“. Dabei habe besonders das Thema des leidenschaftlichen Glaubens Konjunktur, sagte Diener. „Glaube muss eine positive, menschenverändernde Lebenskraft sein. Wie kann mich ein leidenschaftlicher Glaube heute im Alltag tragen?“ In Seminaren, Workshops, Foren und in Vorträgen sollen die drei Hauptthemen behandelt werden. Ein besonderer Fokus liege auf der jungen Generation, sagte der Generalsekretär des Gnadauer Gemeinschaftsverbundes, Franz Spatz. Der Kongress bietet deshalb spezielle Young-Leaders-Foren an, in denen junge Menschen innerhalb der Gnadauer Bewegung geschult werden sollen. „Der Kongress soll etwas dazu beitragen, dass die junge Generation die Zukunft der Gemeindebewegung gestalten kann“, sagte Spatz.

Von: Swanhild Zacharias

Krankenkassen sollen nicht die Kosten von Bluttests für Schwangere auf mögliche Behinderungen des Kindes übernehmen. Das fordert der ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, anlässlich des Welt-Downsyndrom-Tages.

Der Theologe Hanna Josua stammt ursprünglich aus dem Libanon. In dem Land spielen sowohl Christentum als auch Islam eine wichtige Rolle. Dadurch kennt sich der Autor mit dem Zusammenleben der beiden Religionen aus. In seinem neuen Buch „Die Muslime und der Islam“ fragt er, inwiefern der Islam zu Deutschland gehört - und was das für das gesellschaftliche Miteinander bedeutet. Dabei spielt sich der Autor nicht als Besserwisser auf. Es ist ihm ein Anliegen, dass das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen gelingen kann.

Josua benennt die Problemfelder, zu denen sich islamische Verbände positionieren und um Lösungen ringen müssten. Dazu gehört es für ihn unter anderem, wenn Muslime Andersgläubige bedrängen, sie Kreuze bei der Nutzung kirchlicher Räume abhängen oder sie christlich geprägte Traditionen, etwa im Kindergarten, ablehnen. Josua schürt keine Angst vor Muslimen. Er warnt aber davor, dass die Religion durch den politischen Islam instrumentalisiert wird. Dies sei nicht dienlich, um ein gegenseitiges Vertrauen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen aufzubauen.

Vertrauen gewinnen und sich selbst hinterfragen

Josua sieht einen deutlichen Unterschied zwischen Christentum und Islam. Christen haben zwar einen Missionsauftrag, aber nicht das Ziel, „die Weltherrschaft anzustreben“. Im Islam sei dagegen historisch gewachsen, dass die Feinde derjenigen, die den Koran besitzen, schnell als Feinde der Religion gälten. Mohammed habe, in den heutigen Kategorien gesprochen, die Innen-, die Außen-, die Verteidigungs- und die Religionspolitik bestimmt.

Als sachliche Grundlage liefert Josua zunächst aktuelle Zahlen zum Islam in Deutschland. Diese verdeutlichen, dass er sehr heterogen organisiert ist und es nicht „den einheitlichen Islam“ und „die Muslime“ gibt. Deshalb könne die Religion leicht für verschiedene Zwecke instrumentalisiert werden. Manche Deutsche hätten sogar Angst vor einer Islamisierung des Landes. Der stetige Wandel der Gesellschaft verunsichere viele.

Zudem geht der Autor auf den politischen Diskurs ein, den der frühere Bundespräsident Christian Wulff mit seinem Satz ausgelöst hat, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Josua beobachtet, dass die Parteien am rechten Rand sich ablehnend und diffamierend über die Muslime äußerten. Die Parteien des linken Spektrums fielen aus seiner Sicht auf der anderen Seite vom Pferd. Diese betrachteten nicht nur die Muslime, sondern auch den Islam als zu Deutschland gehörend.

Auch für den religiösen Diskurs macht Josua eine Bestandsaufnahme. Viele Deutsche wünschten sich von den Kirchen hier klarere Positionen. Unter anderem machten sich Islambeauftragte der Kirchen bei kritischen Fragen rar und seien sehr schweigsam. Von den Muslimen wünscht sich Josua, dass sie die genannten Kritikpunkte reflektieren und plausible Antworten darauf geben. Der Autor zitiert auch den Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi. Dieser hält eine Reform des Islam für dringend notwendig, mit einer „ehrlichen Debatte über aus dem Koran begründete Gewalt“.

Keine populistischen Vereinfachungen und islamfeindlichen Positionen

Eine wichtige Rolle für Muslime spiele oft die Rückbindung in ihr Herkunftsland. Viele schauten „immer noch auf den Islam in den Ländern, aus denen sie vor 40 bis 50 Jahren kamen“. Josua verweist auf die Position des Islamkritikers Hamed Abdel-Samad. Dieser sehe nicht den fehlenden Arbeitsplatz oder die fehlende Staatsbürgerschaft als Hindernis für Integration, sondern das fehlende „Ja zu unserer Gesellschaft mit ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.

Josua findet es „erfrischend“ und „wohltuend“, wenn sich neben den immer über den Status quo „nörgelnden und fordernden Islamverbänden“ auch die sonst schweigende Mehrheit der Muslime zu Wort meldet. Viele von ihnen sähen sich in erster Linie als deutsche Staatsbürger und erst danach als Muslime. Hier sei politisches und religiöses Vertrauen ein Gebot der Stunde, um das Miteinander zu verbessern. Josua sieht aber auch ermutigende Entwicklungen „innerhalb der islamischen Community", in der ein innerislamischer Diskurs gelinge. Als Beispiele nennt er die Zentren für Islamische Theologie sowie als Einzelinitiative das Muslimische Forum Deutschland, das hoffnungsvolle Wege gehe in Richtung eines Islams, der mit westlichen Werten zusammenpasst.

Für Josua gibt es nicht eine Antwort auf seine Ausgangsbehauptung, wer oder was zu Deutshland gehört. Einerseits gehöre der Islam mittlerweile zu Deutschland, „mit all seinen positiven und negativen Seiten“, weil Muslime in Deutschland leben. Andererseits habe der Islam historisch nur indirekt zur europäischen Kultur beigetragen „und zur europäischen Aufklärung und Identität so gut wie nichts". Was für Josua gar nicht geht sind populistische Vereinfachungen und platte islamfeindliche Positionen, die in einer mündigen Gesellschaft nichts zu suchen hätten.

Sehr detailliert setzt sich der Theologe Hanna Josua mit der Frage auseinander, wer und was zu Deutschland gehört - und was nicht.

Wer problematische Tendenzen anspreche, dem dürfe keiner vorwerfen, dass er den Islam „bekämpfe“. Eine Gesellschaft überlebe nur, wenn alle Bürger einen Konsens über die Geltung und die Konsequenzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in ihrer Offenheit für Religionsausübung finde. Ale Beteiligten müssten gemeinsam entscheiden, welcher Islam in Deutschland eine Zukunft haben kann. Dazu müssten Grenzen der Toleranz benannt und Gemeinsamkeiten benutzt werden, damit ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Wenn dies gelinge, sei die Gesellschaft für die Zukunft gerüstet.

Christen hätten die Verpflichtung, jeden anderen Mitmenschen als Ebenbild Gottes zu sehen. Die logische Konsequenz davon sei, das friedliche Zusammenleben aktiv zu gestalten. Von daher bietet Josua noch einmal einen anderen Blickwinkel, der sonst in der Debatte um Wulffs Satz kaum genannt wurde. Die Lektüre seines Buchs lohnt sich, auch wenn 15 Euro für ein so dünnes Werk ganz schön happig sind.

Hanna Josua: „Die Muslime und der Islam. Wer oder was gehört zu Deutschland?“ Evangelische Verlagsanstalt, 160 Seiten, 15 Euro, ISBN 9783374058716