Erstmals tritt eine amtierende Pfarrerin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zur römisch-katholischen Kirche über. Es handelt sich um die im Vogelsberg tätige Pfarrerin Gabriele Göbel.
Die Evangelisch-reformierte Kirche unterstützt als erste der 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) deren Initiative, ein neues Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken.

Um schlauer zu werden, muss man anscheinend nur im Gespräch mit Gott bleiben: Eine Studie der Universität von Michigan hat herausgefunden, dass Menschen über 50 Jahre, die an einem Gottesdienst teilnehmen und beten, eine Verbesserung ihrer Gedächtnisleistung bemerken können.

Bereits frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass religiöse Einbindung und religiöses Engagement die körperliche und geistige Gesundheit älterer Personen fördern. Studienleiterin Zarina Kraal und ihre Kollegen gingen der Frage nach, ob dies auch auf die kognitive Gesundheit zutrifft. Laut der neuen Ergebnisse sind ein häufiger Gottesdienstbesuch und privates Gebet mit einer stärkeren kognitiven Gesundheit bei den Studienteilnehmer verbunden.

Für die Untersuchungen wurden Daten aus sechs Jahren Forschung zu Rate gezogen, die die Antworten von mehr als 16.000 Menschen über 50 Jahre beinhalteten. Die Studienteilnehmer gaben ihre ethnische Zugehörigkeit an, Informationen zur Gesundheit und mögliche depressive Symptome. Beim Test der Gedächtnisleitung wurden ihnen zehn Wörter genannt. Diese mussten sie sofort und fünf Minuten später erneut wiederholen.

Gebetsanliegen merken trainiert das Gehirn

Laut der Studie berichteten hispanische und schwarze Teilnehmer häufiger über ihr religiöses Eingebunden-Sein als die weißen Befragten. Die Auswirkung von Gebet und dem Gottesdienstbesuch seien bei allen Teilnehmern gleichwertig zu verzeichnen, sagte Kraal.

Die sozialen Aspekte des Gottesdienstes haben laut der Studienleiterin möglicherweise positive Auswirkungen: „Der Besuch religiöser Gottesdienste kann soziale Kontakte fördern, und diese sind positiv für die kognitive Gesundheit.“

Darüber hinaus können die potentiellen kognitiven Anforderungen des Gebets positiv für das Erinnerungsvermögen sein, folgerte Kraal. Das Gedächtnis wird bemüht, um sich zu erinnern, für wen und wofür zu beten ist. Das Gebet könne aufgrund seiner entspannenden und stressreduzierenden Wirkung positive Auswirkungen auf das Gedächtnis haben.

Von: Martina Blatt

Auf Kritik von Lebensrechtlern ist ein Erlass des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) gestoßen, der es Kommunen ermöglichen soll, Abtreibungsgegner von Arztpraxen und Beratungsstellen fernzuhalten.
Die Deutschen haben bei vielen den Ruf, ein Volk der Nörgler und Jammerer zu sein. Jetzt hat eine internationale Studie etwas anderes ergeben: Demnach bezeichnen sich mehr als drei Viertel als sehr oder ziemlich glücklich.

„Eine Religion, die sich nicht um die Umwelt schert, hat diesen Namen nicht verdient.“ Das betonte Rabbi David Rosen bei der Weltkonferenz der multireligiösen Organisation „Religions for Peace“ in Lindau. Die Verantwortung für die Umwelt sei unmittelbar verbunden mit religiösen Pflichten, sagte er und nannte als Beispiel dafür einen Text aus der Torah: Dort verheißt Gott seinem Volk Regen und gute Ernte, wenn es sich an seine Gebote halte. Andernfalls würde Gott „den Himmel verschließen“, sodass es nicht genug Regen gebe und die Erde keine Früchte mehr hervorbringe (5. Mose 11). Diese Worte seien nicht nur metaphorisch zu verstehen, sondern könnten ganz wörtlich genommen werden, erklärte Rosen mit Blick auf den Klimawandel, die Zerstörung des Regenwaldes und die Ausbeutung von Rohstoffen.

Es gebe viele Probleme auf der Welt, um die sich religiöse Leiter kümmern sollten. Jedoch sei die Grundlage von allem, dass alle Menschen auf einem Planeten lebten, sagte der Internationale Direktor für Interreligiöse Angelegenheiten des Amerikanischen Jüdischen Komitees. Deshalb sei es das wichtigste, diese gemeinsame Heimat zu schützen. Menschliche Selbstbezogenheit und Egoismus seien die Ursache von Umweltproblemen. Gerade religiöse Gemeinschaften könnten daher zu einer „geistlichen und kulturellen Transformation“ beitragen. Die Liebe und die Ehrerbietung gegenüber dem Schöpfer und dem Leben seien es wert, sich für die Umwelt einzusetzen.

Geteilter Wohlstand als Grundlage für Frieden

Etwa 900 Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern trafen sich vom 20. bis 23. August in Lindau zur 10. Weltkonferenz von „Religions for Peace“. Schwerpunkt des diesjährigen Treffens war gemeinsam geteilter Wohlstand als eine Grundlage für positiven Frieden. Die Überzeugung dahinter ist, dass Frieden nicht nur „kein Krieg“ bedeutet. Er umfasst auch alle Lebensverhältnisse, die zu einem guten Leben beitragen und Konflikte und Spannungen etwa durch ungleiche Rechte, Armut oder knappe Rohstoffe vorbeugen.

Geteilter Wohlstand habe das Gemeinwohl im Blick, heißt es in der Abschlusserklärung der Konferenz. Dazu gehöre die „Erde mit ihrer Luft, dem Wasser, dem Boden und dem Netz des Lebens. Es beinhaltet auch gerechte Institutionen, die jedem dabei helfen, seine oder ihre menschliche Würde zu entwickeln.“ In der Erklärung bekräftigt „Religions for Peace“ seine Ziele, sich für das Wohlergehen von Flüchtlingen einzusetzen, und zur Versöhnung zwischen Personen, Gemeinschaften und Nationen beizutragen. Zudem setzt sich die Organisation für den Schutz des Regenwaldes und des Klimas ein und wird Partner der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Die Delegierten wollen gemeinsam eine „Allianz der Tugenden“ schaffen, die auf in allen Religionen geteilten Werten und Tugenden basiert.

„Religions for Peace“ wurde 1970 während des Kalten Krieges gegründet. Das Anliegen der Organisation ist es, dass die Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten, um Frieden zu schaffen und zu bewahren. Dazu arbeitet sie in verschiedenen Themenbereichen: gewaltsame Konflikte verhindern und lösen, gerechte und harmonische Gesellschaften befördern, die Umwelt schützen und Wohlstand fördern sowie die humanitäre Entwicklung voranbringen. Konkret hat „Religions for Peace“ beispielsweise in Konflikten in Bosnien, in Zentralafrika, Myanmar oder im Nahen Osten vermittelt oder bei verschiedenen Naturkatastrophen vor Ort geholfen.

Die Organisation hat sechs regionale und 90 nationale Einheiten. Alle fünf bis sechs Jahre kommen führende Religionsvertreter, Politiker, Diplomaten und zivilgesellschaftliche Organisationen zur Weltkonferenz zusammen. Nach eigenen Angaben ist „Religions for Peace“ die weltweit größte und repräsentativste multireligiöse Allianz, um Frieden zu fördern.

Von: Jonathan Steinert

Seit Juni protestieren über eine Million Menschen in Hongkong immer wieder gegen ein Auslieferungsgesetz und für eine bessere Umsetzung der Menschenrechte, etwa dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Auf der Straße sind neben Menschenrechtsorganisationen und politischen Gruppen auch viele Christen. Denn das umstrittene Auslieferungsgesetz könnte auch sie betreffen - etwa wenn einzelne Gläubige oder Kirchen Kontakte zu verbotenen Untergrundkirchen in China pflegen. Medienberichten zufolge fürchten sie, im Falle ihrer Entdeckung nach China ausgeliefert werden zu können. Deshalb forderte unter anderem der Dachverband protestantischer Kirchen gemeinsam mit der katholischen Diözese Hongkong, eine öffentliche Erklärung gegen das Gesetz durch die Regierung in der Sonderverwaltungszone.

Die Organisation für verfolgte Christen, Open Doors, warnt nun, dass die anhaltenden Proteste und die offensive Reaktion Chinas darauf die Kirchen in Hongkong spalten könnten. In einem Papier der Organisation heißt es, die chinesische Regierung habe zur Kenntnis genommen, dass Christen an den Demonstrationen teilnähmen. Deshalb könne Peking es Hongkong-Chinesen künftig erschweren, Kontakte zu chinesischen Christen zu pflegen.

Verbindung zwischen China und Kirche

Zwar sei nicht davon auszugehen, dass christliche Versammlungen in Hongkong eingeschränkt würden - dafür sei die internationale Aufmerksamkeit zu groß. Doch es sei wahrscheinlich, dass die chinesische Regierung die Kirchen vor Ort um Unterstützung bitten werde. Schon jetzt stünden einige christliche Leiter auf der Seite der Chinesen, junge Christen hingegen schlössen sich eher den Protesten an. „Das könnte zu einer Spaltung der Kirchen in Hongkong führen“, heißt es in dem Papier von Open Doors. Schon jetzt gebe es Spannungen zwischen jenen, die sich verpflichtet fühlten, die chinesische Regierung zu unterstützen, und jenen, die eine zu starke Verbindung der Kirche zu China kritisierten.

Berichten zufolge sind Christen bisher nicht in Gefahr. Das Portal evangelisch.de etwa zitiert die Mitarbeiter der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Hong-Kong. Das Mitglied des Gemeinderats, Roland Rohde, zum Beispiel beklagt eine verzerrte Berichterstattung deutscher Medien. „Wir haben hier keine Situation wie etwa beim G20-Gipfel in Hamburg“, erklärt er. „Meine Familie und ich fühlen uns sicher. Die Demonstranten sind sehr freundlich und diszipliniert.“ Die Auslandsgemeinde aber halte sich mit politischen Statements zurück.

Kirche bietet Schutz für Demonstranten

Der Chefredakteur der Zeitung Herder Korrespondenz, Volker Resing, verglich die Rolle der Christen in Hongkong auf der Plattform katholisch.de unterdessen mit jener der Kirchen in der DDR während der Wendezeit. Damals hätten die Kirchen den Demonstranten Schutz geboten. Und auch heute in Hongkong profitierten die Protestler von der Verbindung zur Kirche: Die Religionsfreiheit schütze sie. Religiöse Veranstaltungen dürften von der Polizei nicht aufgelöst werden. Deshalb stimmten auch viele Nichtreligiöse in die inoffizielle Hymne der Demokratiebewegung „Sing Hallelujah to the Lord“ ein, die seit Wochen auf den Straßen Hongkongs ertöne.

Von: Anna Lutz

John Lennox in Marburg Christliches Medienmagazin pro(cached at August 23, 2019, 2:01 pm)

Vom 27. September bis zum 29. September findet in Marburg die Jahrestagung 2019 des Instituts für Glaube und Wissenschaft statt. Daran wird sich auch der langjährige Berater John Lennox beteiligen. Der gläubige Mathematiker wird dabei mehrere Vorträge halten, etwa zu den Themen „Das Evangelium für Harvard - mit Intellektuellen über den Glauben reden“ und „Gründe für den Glauben an Gott“. Die Anmeldung zur öffentlichen Veranstaltung ist bis zum 12. September möglich.

Lennox hörte in Cambridge die letzte Vorlesung von C. S. Lewis. Er bekam von der Universität Cambridge 1970 der Doktorgrad und lehrte 29 Jahre lang an der University of Wales in Cardiff Mathematik. Heute lehrt Lennox an der University of Oxford und befasst sich insbesondere mit der Verhältnisbestimmung von Wissenschaft und Religion. Zu diesem Thema ist er in der außeruniversitären Öffentlichkeit als Autor und Redner bekannt geworden.

„Gründe für den Glauben“ versuchen die Mitglieder des Instituts für Glaube und Wissenschaft zu finden – und das seit nunmehr 20 Jahren. Das Institut wurde 1999 von dem Althistoriker Jürgen Spieß gegründet, um den Dialog zwischen Glauben und Denken zu fördern. Seit 2015 leitet der Biophysiker Alexander Fink das Institut.

Von: Jörn Schumacher

Versöhnung für Deutschland ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at August 23, 2019, 12:01 pm)

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, überfiel die deutsche Wehrmacht das Nachbarland Polen. Das war der Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa und der Anfang eines Schreckens, der bis heute die Geschichte der Menschheit beschäftigt. Mehr als 60 Millionen Menschen kostete er das Leben. Darunter etwa 6 Millionen Juden, die durch den Holocaust der Deutschen umgebracht wurden.

Heute gibt es in Deutschland etwa 98.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Darüber hinaus leben auch etliche messianische Juden bei uns. So wie Anatoli Uschomirski. Er ist messianisch-jüdischer Pastor und  theologischer Referent beim "Evangeliumsdienst für Israel (EdI)" und setzt sich für Versöhnung zwischen Deutschen und Juden ein.Was es für ihn bedeutet, ein messianischer Jude zu sein, beschreibt er so.


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pro: Ihre Alben habe alle eine Farbe, das aktuelle ist das blaue Album. Welche Bedeutung hat das Farbenspiel?

Sefora Nelson: Farben ziehen mich in der Inkubationsphase an. So nenne ich das, wenn ich mit den Themen schwanger gehe. Und zurzeit ist das Blau. Die Weite des Horizonts zum Beispiel und die Kombination mit durchsichtig. Wasser ist ja auch nicht blau, aber wir sehen es so. Der Himmel ist eigentlich auch nicht blau. Interessanterweise stehen die Farben immer auch in Verbindung mit den Liedern, die ich schreibe. Bei diesem Album sind es die Themen Zeit, Weite, Ewigkeit, Loyalität, Freundschaft. Und ich wollte, dass dieses Album mal so ein richtig cooles Album wird. Das davor war ja das Hymnen-Album mit den Wurzeln und den Holzfarben: Eher nach unten gerichtet auf mein Glaubensfundament. Und dieses Mal steht über dem Album: „Gott, bist du groß! Du bist Alpha und Omega.“

Was ist die Kernaussage des neuen Albums „Du bist“?

Jedes Lied hat seine eigene Botschaft. Wie eine Predigt. Ich sehe mich ja als singende Predigerin. Ein Lied ist ein Thema. Wie zum Beispiel in „Adieu“: Abschied von einem lieben Menschen. Ich kann das Album unmöglich in einer Aussage zusammenfassen. Wir haben den Titel „Du bist“ gewählt wegen des Satzes „Du bist Alpha und Omega“. Gott ist Größe und Souveränität. Ein verstecktes Thema, das sich durch das Album zieht, ist Demenz. Weil dieses Gefühl von Zeit bei Menschen mit Demenz verschwimmt. Und im Gegensatz dazu ist und bleibt Gott. Menschen kommen und gehen aus unserem Leben, aber er ist.

Wie entstehen Ihre Songs?

Aus dem, was passiert und was meine Seele zum Schwingen bringt. Vorgestern habe ich zum Beispiel eine Frau getroffen, die ich bestimmt schon zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir haben gewisse Dinge in der Bibel verschieden gesehen. Wir haben beide nach bestem Wissen gesagt: „Ich kann es gar nicht anders sehen, ich verstehe das so.“ Dann sind unsere Wege auseinandergegangen. Nach zehn Jahren haben wir uns wiedergesehen und dann haben wir geredet und uns sind die Tränen runtergelaufen, weil wir uns so vermisst haben. Wir lieben uns so, sind aber trotzdem noch in unserem Prozess der verschiedenen Sichtweisen. Dann hat sie einen Satz gesagt, der mich schier umgehauen hat: „Wir sehen uns spätestens am Ziel.“ Ich bin ins Auto gestiegen, mir sind die Tränen runtergelaufen und ich habe gedacht: Was für ein schönes Bild. Du kannst nicht mit jedem Menschen den Weg gemeinsam gehen, aber wenn wir beide Jesus im Zentrum haben, sehen wir uns spätestens im Ziel. Dann fiel mir ein: Darüber gibt es noch gar keinen Song! Direkt im Auto habe ich mir schon die Melodie und die Verse überlegt.

Was möchten Sie mit Ihrer Musik erreichen?

Früher hat man mir gesagt: „Sing. Rede nicht. Du bist zum Singen geboren.“ Dann habe ich gedacht, ich sage aber noch kurz was zu meinen Liedern. Die Zuhörer meinten dann: „Die Lieder waren toll, aber das, was du gesagt hast, hat mich total berührt.“ Wenn ich ich bin und ich Gott Gott sein lasse, erlebe ich es, dass Menschenherzen weich werden. Und meine Aufgabe ist es dann, die Menschen nicht zu mir zu ziehen, sondern zu Jesus. Wir treffen uns alle am Kreuz.

Sie hatten vor einiger Zeit ein Sabbatjahr. Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag danach verändert?

Auch wenn man etwas gelernt und eingesehen hat, ist es erstaunlich, wie schnell man wieder in „business as usual“ zurückfällt. Da muss ich wirklich aufpassen. In meinem Jahr mit Gott und ohne Termine habe ich aber gelernt, Zeit zu genießen. Zeit mit Gott zu genießen und ihr auch den Stellenwert zu geben, der ihr gebührt. Ich glaube, ich bin besser geworden darin, Dinge abzusagen oder eben nicht zuzusagen. Wenn zum Beispiel eine Anfrage für einen Auftritt auf einen bestimmten Termin festgelegt ist, ich da aber ein Familienwochenende eingeplant habe. Da muss ich dann dranbleiben und den Auftritt nicht zusagen. Und Zeit mit Gott zu haben, ist mir wichtig geworden. Es kann bei mir nur sprudeln, ich kann nur geben, wenn ich wirklich an der Quelle war.

Sie hatten letztes Jahr ein besonderes Konzert im Stuttgarter Rotlichtviertel. Wie kam es dazu?

Das Konzert im Rotlichtviertel war so besonders. Ich bin im Kuratorium des Hoffnungshauses Stuttgart und wurde eingeladen. Es war ein ganz kleines Konzert. Es war so schön, wie offen die Frauen mit mir geredet haben. Sie haben mir im Konzert Fragen gestellt und mich direkt in ihre Mitte genommen. Ich wurde buchstäblich von allen Seiten angefasst. Ich hatte ja meinen Hut auf und eine Frau sagte: „Zeig mir mal, wie hoch deine Stirn ist. Und wie ist dein Haarverlauf?“ Sie wollten wissen, wie ich bin. Und dann haben sie angefangen, sich zu öffnen. Es gibt ja auch aktive Prostituierte da.

Ich hatte nach dem Konzert einen kleinen CD-Tisch aufgebaut und jede Frau hat eine CD geschenkt bekommen. Eine kam zu mir und ich sagte: „Na, schöne Frau?“ Da hat sie mich mit ihrer tiefen Stimme – man hörte die Spuren von Alkohol und Drogen – fast angeschrien: „Hör auf, das stimmt gar nicht.“ Ich sagte: „Doch, du bist so schön!“ Und ihr Mann daneben meinte, sie habe immer gehört, sie sei nicht schön, und könne das deshalb auch nicht glauben. Er kam später mit der CD für sie zu mir und sagte: „Schreib bitte noch rein: ‚Für die schönste Frau der Welt.‘ Denn sie braucht Mut.“ Also bei diesem Konzert ist wirklich was passiert..

Außerdem sind Sie im vergangenen Dezember im EU-Parlament in Brüssel beim Europäischen Gebetsfrühstück aufgetreten.

Der Termin im Parlament war ganz anders als der im Rotlichtviertel. In Brüssel haben sie gesagt, ich hätte einen guten Zugang zu Politikern. Obwohl ich mich da gar nicht gut auskenne. Es waren bestimmt 700 Leute dort. Es war eine gewaltige, internationale Atmosphäre. Das war wirklich schön, weil ich ja sehr international. Ich habe italienische Wurzeln und in verschiedenen Ländern gelebt, spreche fünf Sprachen und mein Mann kommt aus der Karibik. Im EU-Parlament war ich genau richtig, hatte ich das Gefühl. Ich konnte ein Lied in vier verschiedenen Sprachen singen: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch. Es kamen danach Anfragen aus Korea, Indien und bis hinauf aus dem Weißen Haus.

Wie entspannen Sie vom Musikgeschäft?

Ich wusste das eine lange Zeit nicht. Bei mir war das ein Prozess. Zurzeit gehe ich gern ins Freibad, frühmorgens oder spätabends, und schwimme einfach. Und zwar richtig viel, ein paar Kilometer. An einem Tag gehe ich dann in die Frauensauna und mache manchmal eine Anwendung. Ich liebe Wellness. Wenn ich nicht singen würde, hätte ich vielleicht ein Spa aufgemacht. Ein Komplex mit Naturschwimmbad, Moorpackungen, Massagen … Alles ganz natürlich. Und schön müsste es sein. Ruhe. Ich entspanne nicht, wenn ich ins Kino gehe. Oder wenn ich zu einem Fest gehe, wo viele Leute sind.

Sie haben Familie, sind aber viel unterwegs. Wie vereinen Sie das Tour- und das Familienleben?

Wir haben die Regel, dass ich jedes zweite Wochenende zu Hause bin. Und unter der Woche bin ich regulär auch zu Hause, außer an Tagen wie heute mit Presseterminen. Wenn man meine Kinder fragt, sagen sie: „Mama, du bist aber oft weg.“ Das tut mir immer ein bisschen weh. Aber ich bin immer noch mehr da als jedes andere Elternteil, das regulär ins Geschäft oder Büro geht zum Arbeiten. Jetzt gerade hatte ich allerdings das neue Album selbst produziert. Da ist man doch mal hier und da eine Woche am Stück weg. Ich träume davon, ein Management zu haben und eine Sekretärin, damit ich zu Hause auch wirklich da bin. Aber ob ich das hinkriege, die Büroarbeit abzugeben, ist nochmal eine andere Frage.

Welche Musik hören Sie privat?

Ich bin kein großer passiver Musikhörer. Da muss ich schon aktiv nach etwas suchen oder mir fällt in einem Film Musik auf, die ich dann recherchiere. Was ich aber doch passiv mache: Chillout-Playlists hören, die es ja vorgefertigt gibt. Da hört man noch Leute im Hintergrund und wie jemand einen Kaffee zubereitet. Das finde ich richtig cool. Das erinnert mich an meine Zeit in Chicago, wo man sich in einen Starbucks setzt und dort arbeitet. Das hat für mich was Globales. Und Kaffee, oh my goodness, ist so schön! Das ist Lebensqualität. Da kocht man nebenher und die Musik läuft und man denkt sich: Yeah, that’s nice.

Welche Farben für weitere Alben sind noch übrig?

Sobald ich dabei bin, ein Album abzuschließen – das ist eigentlich schon bei der Mixphase –, kann ich mich bereits ein Stück von dem Thema verabschieden, was für den Rest der Welt neu ist. Dann kommen bereits die nächsten Ideen, obwohl man eigentlich mal Ruhe und Pause haben möchte. Aber bei einem kreativen Menschen ist das wohl so. Ich könnte mir ein Weihnachtsalbum gut vorstellen in der Farbe Silber mit Schneeflocken und mit mir im Wald. Ich könnte mir vorstellen, mit einem Knabenchor zusammenzuarbeiten, alte und neue deutsche Lieder mit reinzunehmen und alles ganz schlicht umzusetzen, auch für den säkularen Markt. Wir Nelsons gehen in der Weihnachtszeit voll auf. Bei uns werden dann Sterne an jedes Fenster gehängt, draußen werden die Winterblumen mit Kugeln und mit Lichtern geschmückt. Und wir suchen da immer nach schöner Musik. Um Jesus und seine Geburt muss es gehen, aber auch um die Winterzeit.

Dann schreibe ich ab und zu Kinderlieder. Eine Einschlaf-CD könnte ich mir vorstellen. Manche Kinder benutzen meine CDs zum Einschlafen, mein Sohn auch. Eine Kinder-CD, ganz einfach mit Ukulele und drei Akkorden pro Lied, fände ich toll. So, dass man sie auch in Krabbelgruppen nachspielen kann. Ein Kinderbuch ist schon lange am Werden, da fehlt mir aber noch der Illustrator. Ein Buch mit ganz sanften Farben, wodurch Kinder zur Ruhe kommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Swanhild Zacharias

Der Musiker Andi Weiss veröffentlicht am 30. August seine neue Platte „Gib alles, nur nicht auf“. Neben seiner Künstlertätigkeit berät er als Logotherapeut Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen. pro hat ihn zum Gespräch getroffen und etwas über die Vielseitigkeit seiner Arbeit erfahren – und was seine Basis dadfür ist. Er sagt: „Ich könnte mir diesen Mut, ja diese Frechheit nicht erlauben, zu sagen, ich biete mich an, mit dir ein Stück Lebensweg zu gehen, wenn ich meinen Glauben als Fundament nicht hätte.“

pro: Ihr neues Album heißt „Gib alles, nur nicht auf“. Einige der Titel klingen wie Postkartensprüche, etwa: „Alles kann passieren, wenn du dich traust“, „Es kommt der Tag, da bist du frei“ oder „Fang einfach an zu schwimmen“. Haben Sie nicht Sorge, dass das wie eine Plattitüde rüberkommt?

Andi Weiss: Ich würde mir manchmal wünschen, dass die Menschen meine Musik auch einmal als Plattitüde wahrnehmen. (lacht) Manche Leute sagen mir, es sei ihnen emotional zu schwer oder zu intellektuell, was ich mache. Manchmal kann es helfen, etwas Plakatives zu haben, einen Satz, an dem ich mich festhalten kann. Unserem Gehirn fällt es leichter, Konkretes oder Greifbares zu verarbeiten. Ein Song stellt einen emotionalen Weg dar, den ich vielleicht gar nicht direkt speichern kann. Manchmal braucht es da einen solchen Satz. Auch hirnphysiologisch ist es effektiver, einen Satz zu haben, den ich mir mit in den Tag nehmen kann. Übrigens habe ich „Gib alles, nur nicht auf“ tatsächlich auf einem Postkartenständer gefunden – die anderen Titel habe ich mir selbst ausgedacht.

Entgegen Ihres Albumtitels: Wo gab es in Ihrem Leben eine Situation, in der Sie dennoch einmal aufgegeben haben?

Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie aufgegeben. Ich habe etwas aufgegeben: 2017 habe ich mich von meiner Landeskirche als Diakon beurlauben lassen und meinen Grundberuf, den ich seit 17 Jahren ausgeübt hatte, erst einmal aufgegeben oder zumindest pausieren lassen. Das habe ich getan, um ganz Musik und die begleitende Arbeit mit den Menschen zu machen und um meiner Berufung nachzugehen. Das war aber keine Kapitulation. Ich bin ein zwanghafter „Zu-Ende-Macher“. Wenn ich anfange ein Buch zu lesen, muss ich es zu Ende lesen – es kann noch so bescheuert sein. Das ärgert mich, das kostet Zeit. Spontan fällt mir aber nicht ein, wo ich gesagt habe: Ich gebe auf und kapituliere.

Die Aussage „Gib alles, nur nicht auf“ soll ermutigen. Wie wollen Sie den Zuhörern konkret Mut zusprechen?

Meine Programme, meine Lieder, meine Bücher sind zuerst immer Predigten an mich selbst. Das sind meine Themen, ich setze mich mit ihnen auseinander, ich kämpfe oder arbeite mit ihnen, kratze an ihnen. Es ist wichtig, sich auch in der Gemeindearbeit mit Themen auseinander zu setzen, die man nicht versteht oder auf die man nicht direkt eine Antwort hat – und dann über ein Lied einen Weg zu finden, dieser Frage Ausdruck zu verleihen.

Am Anfang meiner Arbeit in der Kirche erschienen mir viele schwierige Fragen klar zu sein. Eine meiner ersten Aufgaben war die Begleitung einer wunderbaren Frau, die nach einem langen Weg der Hoffnung, des Gebets und des Kämpfens dann doch starb. Da ist für mich in den ersten zwei Jahren der Gemeindearbeit echt viel zerbrochen. Ich dachte: Hier gehen viele Sätze, die sich toll anhören, flöten. Dann fand ich einen Text von Dietrich Bonhoeffer mit den Worten: „Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns.“ Wir glauben also als Christen an einen ohnmächtigen Gott, weil er sich freiwillig ohnmächtig macht, der mitleidet am Kreuz. Das war für mich plötzlich greifbar.

Das fließt auch in Ihre Musik ein?

Das ist die Grundlage aller meiner Lieder, dass ich merke: Ich werde verstanden. Jemand hört mir zu. Das begreift jemand. Jesus sagt nicht direkt: Komm, steh wieder auf, es ist alles nicht so schlimm. Sondern: Ich nehme erst einmal eine Situation ernst. Und dann erst überlegen wir, wie es weitergehen könnte. So sind viele meiner Lieder aufgebaut. Alles andere wäre mir zu schnell, zu oberflächlich und zu billig.

„Ich versuche immer meine Liebe zu Grönemeyer zu verbergen“

Manche Ihrer Lieder auf der Platte erinnern an Herbert Grönemeyer, etwa an „Der Weg“. Welche Musiker inspirieren Sie musikalisch?

Ich liebe Grönemeyer. Ich finde, es gibt keinen Songwriter, der es schafft, in einem Lied 15 weiße Leinwände aufzustellen und jeder kann – salopp gesagt – daran vorbeigehen und sein eigenes Herz an diese weiße Leinwand klatschen, sprich kann sich damit identifizieren. Ich habe einen starken Bezug dazu. Mir gefällt dieser gehende Duktus in seiner Musik. Das beschreibt das Leben so treffend, wir flutschen nicht irgendwo hin. Sondern es ist ein marschierender Gang. Ich habe meine Liebe zu Grönemeyer bei der „Mensch“-Platte gefunden. Er erlebte große Lebensschicksale und hat es auf eine unbeschreibliche Art und Weise geschafft, diesen Schmerz so zu benennen, dass es für ihn wahrscheinlich eine Lebenshilfe war. In der Zeit bin ich bei seiner Musik angedockt, weil ich das so greifbar finde. Ich versuche immer, meine Liebe zu verbergen zu Grönemeyer. Manchmal gelingt es, manchmal gelingt es nicht. Viele Menschen, die mich und meine Musik seit Beginn begleiten, sagen, auf dieser Platte wäre am wenigsten Grönemeyer zu hören.

Manche Musiker inspirieren mich auch nicht mit ihrer Musik, sondern mit ihren Inhalten. Reinhard Mey liebe ich, weil er es schafft, den Fokus auf eine Mini-Geschichte zu legen und daraus einen super Song zu machen. Alles, was deutsch ist, gefällt mir. In deutsche Musik kann ich eintauchen und mit dem Herzen rangehen – Muttersprache ist Muttersprache, bei Englisch ist immer auch das Hirn mit dabei.

Sie arbeiten zudem als Logotherapeut – nicht zu verwechseln mit dem Logopäden. Was ist das und was machen Sie da genau?

Es gibt die Ansichten der drei berühmten Wiener Psychologen. Sigmund Freud hat den Menschen mit dem Willen zur Lust definiert. Alfred Adler hat den Menschen mit dem Willen zur Macht definiert. Viktor Frankl wiederum sagte, es muss etwas geben, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Er hat sich auf die Suche gemacht und herausgefunden, dass der Mensch den Willen zum Sinn hat. Das ist die Logotherapie.

Frankl sagt: Immer, wenn der Wille zum Sinn bei einem Menschen frustriert ist, fällt er zurück in den Willen zur Macht und den Willen zur Lust. Egal, ob es Krisensituationen, Gemeindesituationen oder in der Partnerschaft sind, das ist ein Schlüsselsatz für alles, wo wir Menschen versuchen, sinnvoll zu gestalten und teilweise massiv aneinander scheitern.

Und da setzen Sie an?

Ich gehe mit Menschen auf die Reise und suche, wo ihr „Sinnanruf“ – wie Frankl das bezeichnen würde – ist, der Moment im Leben, Sinn zu finden. Frankl sagt, ein Mensch kann Sinn entdecken, indem er feststellt: er kann selber etwas schaffen, indem er etwas erlebt – etwa indem er lernt, einen Menschen zu lieben. Sinn entdeckt ein Mensch, indem er lernt, seine Einstellung zu Dingen zumindest zu verändern, die er nicht ändern kann. Bei diesen Entwicklungen begleite und wertschätze ich Menschen.

Wer kommt zu Ihnen?

Es kommen Leute, die eine Krise haben, Verlust, Trauer erleben auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite kommen Menschen, die sich über ihre Ziele bewusst werden oder sich neu aufstellen wollen im Leben. Ich habe eine Frau bei mir, die durchbuchstabiert, wie sie aus ihrem Hartz-IV-Dasein ins Gestalten kommt – das zahlt ihr jemand anders –, genauso wie den millionenschweren Unternehmenschef, mit dem ich manchmal Ganztagscoachings mache. Letztendlich besprechen wir am Ende des Tages immer die gleichen Themen: die Frage der Wertschätzung; wie lerne ich, meine Geschichte wertzuschätzen, wie lerne ich meine Motive kennen.

Welchen Gottesansatz hat die Logotherapie?

Das Spannende ist, dass Frankl auf der einen Seite Wissenschaftler war. Er hat auf der anderen Seite immer auch den Gottesansatz mit in die Therapie eingebracht. Er spricht von einer Selbsttranszendenz. Das hört sich esoterisch an, aber es geht um das „Über-sich-selbst-hinauswachsen“. Er spricht immer von einer Verantwortung, die einem höheren Wesen, also Gott, geschuldet ist. Er selbst war ein frommer Jude.

Der schönste Satz von Frankl ist für mich: „Gott ist der Gesprächspartner meiner intimsten Selbstgespräche.“ Das finde ich wie eine Praline, die man sich einen Monat lang auf der Zunge zergehen lassen kann, auch im Gemeindekontext: Was machen wir für eine fromm aufgeladene Show in unseren Gottesdiensten und posen auf Bühnen, Kanzeln vor Gott und anderen Menschen. Und Jesus sagt: Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heiden. Sondern Gott weiß doch schon, was euch bewegt. So entsteht auch eine andere Dimension des Betens.

Welche Rolle spielt Ihr Glaube in der Beratungsarbeit?

Ich könnte mir diesen Mut, ja diese Frechheit nicht erlauben, zu sagen, ich biete mich an, mit dir ein Stück Lebensweg zu gehen, wenn ich meinen Glauben als Fundament nicht hätte. Da spielt mein Gottesbild und daraus resultierend auch mein Menschenbild mit rein. Ich glaube, dass es keinen Menschen auf der Welt gibt, den Gott nicht liebt, in den Gott nicht große Schätze gelegt hat. Ich glaube, dass es für jeden Menschen auf der Welt eine zweite Chance gibt. Das könnte ich nicht glauben, hätte ich nicht einen sehr fundierten, theologischen Ansatz dahinter und wäre das nicht mein Herzensanliegen. Ich fände es massiv übergriffig, wenn ich nicht Gott auf meiner Seite und auf der meines Gegenübers sähe. Ich sehe diese Begleitung und Beratung immer im Stil der Emmaus-Jünger – Jesus begleitet einen. Alles andere würde ich mich gar nicht trauen.

Welche Erfahrungen machen Sie im Bezug darauf?

Manche Menschen kommen, weil sie einen christlichen Bezug haben. Dann ist der Glaube ganz offensichtlich mit dabei. Andere Menschen kommen nicht, weil sie eine Glaubensunterstützung haben wollen. Witzigerweise kommt es aber immer wieder zu den Themen.

Neulich war ein Firmenchef bei mir, der mit Glauben überhaupt nichts am Hut hat. Nach dem vierten, fünften Coaching-Gespräch sagte er: Ich habe Sie gegoogelt. Sie sind auch Diakon. Wie kamen Sie dazu? Dann sagte ich ihm, dass er nicht dafür zahlt, dass ich von meinen Glauben erzähle. Und er sagte sinngemäß: Doch, schießen Sie mal los! So habe ich eine Stunde von mir erzählt, was der Glaube für mich bedeutet und so weiter. Er war sehr bewegt und angetan. Ich glaube auch deswegen, weil er gemerkt hat, dass ich ihm nichts aufzwingen oder ihn überreden will, sondern weil er der Fragende war und ich nur auf seine Frage geantwortet hatte.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Martina Blatt.

Die ägyptische Ministerin für Einwanderung, Nabila Makram, will das Image ihres Landes verbessern. Es gebe nach wie vor Probleme, aber immerhin sei die Muslimbruderschaft nicht mehr an der Macht, die Ägypter hätten ihr Land zurück. „Das neue Ägypten ist für alle da: für Frauen, für Christen, für Muslime, für alle“, sagte sie gegenüber pro. Für die Minderheit der Christen im Land sei das die beste Ära. Das sehe man daran, wie die Regierung diese religiöse Minderheit behandele, dass zum Beispiel Präsident Abdel Fattah al-Sisi den koptischen Weihnachtsgottesdienst besucht habe. „Wobei wir in unserem Land gar nicht so zwischen Christen und Muslimen unterscheiden, wie das die westlichen Medien tun“, sagte sie weiter. „Wir haben ein neues Image in Ägypten, dass wir als ein Volk und vereint unsere Probleme und Herausforderungen angehen.“

Es überrascht wenig, dass ein Regierungsmitglied derart überschwänglich ein positives Bild von seinem Land vermitteln will. Zumal Makram selbst koptische Christin ist und wohl kaum sagen würde, dass die Regierung, der sie angehört, ihre Religion nicht ausreichend respektiere. Auf der 10. Weltkonferenz der internationalen multireligiösen Organisation „Religions for Peace“, auf der sie gesprochen hat, ist dieses Anliegen ein Grundtenor: Dass die Religionszugehörigkeit nicht mehr das Trennende zwischen den Menschen ist, sondern dass man sich über die Religionsgrenzen hinweg für gemeinsame Ziele einsetzt. Für das friedliche Zusammenleben, für diplomatische Konfliktlösungen, für gleiche Rechte, für einen gerechten Zugang zu Ressourcen.

Wo Muslime Kirchen beschützen

Der Erzbischof von Abuja in Nigeria, John Kardinal Onaiyekan, warnte beispielsweise davor, dass sich der Staat auf die Seite einer bestimmten Religion schlägt: „Wo immer Religion und Politik heiraten, wird Politik der Ehemann sein.“ Das ist wohl nur vor dem Hintergrund einer patriarchal geprägten Kultur richtig zu verstehen. Gemeint ist: Die Werte der Religion werden darunter leiden. Wenn sich ein Staat eine Religion als Staatsreligion aussucht, drohe ein religiös aufgeladener Nationalismus.

Es ist das eine, wenn es sich der Staat auf die Fahne geschrieben hat „für alle“ da zu sein. Doch das funktioniert letztlich nur, wenn auch die Menschen im Land dahinterstehen. Hierbei sind vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen und auch religiöse Leiter gefragt. Wie wichtig das ist, zeigt sich vor allem dort, wo sich an der Religion gewaltsame Konflikte entzünden oder wo sie für politische und ideologische Ziele missbraucht wird.

Auf der Konferenz berichteten ein muslimischer und ein katholischer Delegierter von „Religions for Peace“ aus Myanmar davon, wie es in ihrem Land gelang, durch den Dialog zwischen verschiedenen religiösen und ethnischen Vertretern und mit Militär und Regierung bewaffnete Konflikte zu lösen. In Nigeria gibt es Initiativen, um Muslime und Christen, die jeweils etwa die Häfte der Bevölkerung ausmachen, miteinander ins Gespräch zu bringen; Muslime, die Kirchen während des Gottesdienstes bewachen, und Christen, die Moscheen beschützen. Davon berichteten Redner aus dem westafrikanischen Land. Die Regierung sei oftmals zu schwach, das Land zusammenzuhalten. Deshalb müssten Imame und Pastoren mit ihrem Einfluss in den Gemeinden dazu beitragen.

Um die Bedeutung darin zu erkennen, müssen nicht erst offene Konflikte ausbrechen. Das gilt in einer Zeit der Polarisierung auch für säkulare westliche Gesellschaften.

Wenn Prominente sich öffentlich zum Glauben an Jesus Christ bekennen, dann rauscht es im christlichen Medienwald. Ob Jürgen Klopp vom FC Liverpool das nebenbei lässig einfließen lässt oder Bernhard Langer, einer der fünf besten Golfer der Welt, sein Bekenntnis korrekt und nicht hinterfragbar vorträgt, oder ob Bob Dylan was von „born again“ nuschelt oder Cliff Richard bei Billy Grahams „Crusades“ mitwirkte, wir waren jedenfalls stolz, dass sich internationale Stars als unsere Glaubensgeschwister zeigten. Und als der US-Astronaut James Irwin als der achte Mensch auf dem Mond spazieren ging und später dann mit evangelistischen Vorträgen durch Deutschland tourte, das war schon eine schöne Bestätigung dafür, dass wir mit unserer Art zu glauben, nicht auf dem Holzweg waren. Das waren Köpfe, die nicht nur in der christlich-konservativen Presse, sondern in den großen und einflussreichen Zeitungen und Sendern ganz vorn positioniert waren.

Was aber, wenn Prominente und Normalos ihren Glauben verlieren? Vor kurzem hatte einer der führenden Musiker und Liedermacher der evangelikalen Hillsong-Bewegung in Australien, Marty Sampson (Sydney), öffentlich bekannt, in einer tiefen Glaubenskrise zu stecken. Zuvor hatte der US-Pastor und Bestsellerautor Joshua Harris über die Sozialen Medien mitgeteilt, dass er kein Christ mehr sei. Oder – ein paar Nummern kleiner – als der deutsche Vorzeige-Evangelist Torsten Hebel (Berlin) sich mit dem Buch „Freischwimmer“ aus der evangelikalen Szene zurückgezogen hatte. Wie kommunizieren wir solche Erfahrungen, die schon von dem Evangelisten Johannes in Kapitel 6,6 registriert und dokumentiert wurden: Viele seiner Jünger traten „hinter sich“. Irgendwann ist es genug, sich ständig gegen seine Überzeugung verbiegen zu müssen.

Nun meldet sich Franklin Graham zu diesem Thema. Er ist Sohn des weltbekannten Evangelisten Billy Graham, Direktor der „Billy Graham Gesellschaft“ und absolut kein Kind von Traurigkeit. Er ist einer der prominentesten Unterstützer Donald Trumps, ruft zum Gebet für den „besten aller Präsidenten“ auf, beklagt die böse demokratische Presse, die Trump beseitigen möchte und bezeichnet in Talkshows den jungen wilden Theologen Rob Bell („Love wins“) als einen der gefährlichstem Irrlehrer unserer Zeit.

Jetzt beklagt er sich mit einem deftigen „Shame on you“ über Prominente, die ihre Zweifel öffentlich gemacht haben. „Sie müssen einmal vor Gott Rechenschaft ablegen. Warum haben sie nicht einfach ihren Glauben aufgegeben und darüber geschwiegen?“

Ich schreibe ihm ein paar Zeilen.

Lieber Franklin Graham,

ich habe mich vor 50 Jahren nach einer Predigt deines Vaters für den Weg in den hauptamtlichen Dienst entschieden. Er war mein Vorbild. Wie du als der Nachfolger seines Lebenswerkes 50 Jahre später über Menschen urteilst, die mit Zweifeln zu kämpfen haben, macht mich einfach nur traurig. Ich weiß aus meinem täglichen Kampf mit Mr. Parkinson, was Zweifel bedeuten. Wir sollen uns alle wegducken mit unseren Zweifeln? Damit am Ende nicht noch andere davon motiviert werden und aussteigen?

Ich hatte in den Stunden tiefer Verzweiflung Freunde an meiner Seite, die für mich geglaubt haben. Gott sei Dank, er hat nicht meine Berufung widerrufen. Er war treu, als ich untreu war. Ohne dass der Jünger Thomas sich mit seinen Zweifel geoutet hätte, wüssten wir nichts davon. Ich bin dankbar für die Medien, die diese Schicksale öffentlich machen. Wenn du die Zweifler so zum Schweigen bringen willst, dann gibst du ihnen den Rest. So beschädigte Menschen treffen sich in der Psychosomatik wieder. Einfach den Glauben aufgeben und das Maul halten? Viele Menschen zweifeln gar nicht an Gott, sondern an der Kirche, an Menschen, die schon alles wissen und nichts mehr dazu lernen. Mein Rat: Schenke einigen Betroffenen ein wenig deiner Zeit und du wirst viel erfahren über die Gemeinden, aus denen sie geistlich emigriert sind.

Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Mette

Seit diesem Jahr gibt es den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder Weltanschauung. Aus diesem Anlass trafen sich Vertreter aus 16 Kirchen und Religions- und Glaubensgemeinschaften am Gelände des Campus der Religionen in der Seestadt Aspern in Wien. Initiiert wurde dieses Treffen von der Nationalratsabgeordneten Gudrun Kugler. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Menschenrechte.

Unterstützt wurde sie dabei von Jan Figel, EU-Sonderbeauftragter für Religionsfreiheit, und Ingeborg Gabriel, Sonderbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Kampf gegen Rassismus, Xenophobie und Diskriminierung.

„Meilenstein für die Religionsfreiheit weltweit“

Anwesend waren Vertreter der Katholischen Kirche, des Islams, des Buddhismus, der Alevitischen Glaubensgemeinschaft, der Evangelischen Kirche, der Freikirchen, der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, der Israelitischen Religionsgesellschaft, der Armenisch-Apostolischen Kirche, der Bahá’í Gemeinde, der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, der Antiochenisch-orthodoxen Erzdiözese, der Serbisch-Orthodoxen Kirche, der Koptisch-Orthodoxen Kirche, der Russisch-orthodoxe Kirche und der Sikh-Glaubensgemeinschaft.

„Wir wollen den positiven Beitrag der Religionsgemeinschaften für die Gesellschaft unterstreichen und uns gegen die Verfolgung von Menschen aufgrund ihres Glaubens aussprechen“, erklärte Kugler. „Der Gedenktag ist ein Meilenstein für Religionsfreiheit weltweit.“ Er sei keineswegs nur symbolisch zu verstehen, sondern enthielt „einen klaren Auftrag an die UN-Mitgliedsstaaten, religiös motivierte Gewalt zu beseitigen. Dazu wollen wir auch in Österreich beitragen“.

Enorme Dringlichkeit, Frieden zu stiften

Kugler hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode in verschiedenen politischen Initiativen für die Rechte religiöser Minderheiten eingesetzt. Aus ihrer Sicht sei die Gewalt gegen Gläubige praktisch aller Glaubensrichtungen dramatisch gestiegen. Bei der Zusammenkunft fanden die Teilnehmer der unterschiedlichen Religionen versöhnliche Worte.

Adis Candic, Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, monierte, dass Glaubensunterschiede immer wieder für gegenseitige Feindseligkeiten und Anschuldigungen genutzt würden. Weihbischof Franz Scharl betonte in seiner Rede die Dringlichkeit, Frieden zu stiften. EU-Sonderbeauftragter Figel hob in seiner Grußbotschaft die Bedeutung des Gedenkens hervor. Die OSZE Sonderbeauftragte Gabriel betonte, dass jeder Einzelne bei Nicht-Diskriminierung und Toleranz viel bewirken könne. Die Begegnung mit anderen Religionsvertretern könnten ein Weltbild verändern.

Pionierprojekt für das unterreligiöse Zusammenleben

Die UN-Generalversammlung hat mit einer Resolution den 22. August als offiziellen Gedenktag festgelegt. Ihre Mitgliedsstaaten sollten diesen Tag auf angemessene Weise begehen. In der Resolution verurteilten die Mitgliedsstaaten alle Formen von Terrorismus sowie jegliche Gewalttaten gegen Individuen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit.

Als Veranstaltungsort für das österreichische Treffen diente die Seestadt Aspern, wo bis 2020 ein Campus der Religionen entstehen soll. Er gilt als Pionierprojekt für das inter-religiöse Zusammenleben. Ihr Hauptanliegen ist die Sicherstellung der freien Religionsausübung.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Die Ehe steht wieder höher im Kurs idea.de - Aktuell(cached at August 22, 2019, 4:01 pm)

Die Zahl der Eheschließungen in Deutschland war im Jahr 2018 so hoch wie seit 1992 nicht. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes gaben sich im vergangenen Jahr 449.466 Paare das Jawort.

Der bisherige Gesamtgeschäftsführer der Unternehmensgruppe Alpha/Brunnen/ChrisMedia, Stefan Kemmer, verlässt das Unternehmen aus persönlichen Gründen. Das berichtet der Buchreport. Peter Butenuth übernimmt die Stelle am 1. Oktober 2019. Die besteht aus dem christlichen Brunnen Verlag, dem auf christliche Medien spezialisierten Logistik-Dienstleister ChrisMedia sowie der christlichen Buchhandelskette Alpha.

Die Gesellschafter, die Francke Buchhandlung (Geschäftsführer Klaus Meiß) und der Kawohl Verlag (Inhaber Reinhard Kawohl), bedauern diese Entscheidung: „Wir danken Stefan Kemmer für sein besonderes Engagement bei der zukunftsorientierten Ausrichtung der Unternehmensgruppe und für seine wertvollen Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung. Wir wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute.“

Butenuth war zuvor in Führungspositionen bei Random House, Butzon & Bercker, Gerth Medien/adeo, der SCM-Verlagsgruppe und der Francke-Buchhandlung tätig.

Von: Jörn Schumacher

Das Prinzip der Flüchtlingspolitik, den Fremden zu schützen, hat seine Wurzeln in religiösen Texten und Traditionen. Das sagte Dominik Bartsch, der die Flüchtlingshilfeorganisation der Vereinten Nationen, UNHCR, in Deutschland vertritt. Er betonte bei der Weltkonferenz von „Religions for Peace“ in Lindau, dass religiöse Gemeinden und Einrichtungen sehr viel zur Bewältigung von Flüchtlingskrisen beitragen können. Damit würden sie auch die Arbeit der säkularen Flüchtlingsorganisationen unterstützen.

Das beginne bereits bei der Prävention von Konflikten, sodass Menschen erst gar nicht ihre Heimat verlassen müssten. Wenn in einer Gesellschaft ethnische Spannungen auftreten oder es andere Konfrontationen zwischen verschiedenen Gruppen gibt, könnten Religionsgemeinschaften vermitteln und einen Dialog führen. In den Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen, hätten religiöse Gemeinschaften eine wichtige Rolle dabei, die Menschen in der neuen Gesellschaft zu integrieren und Brücken zwischen ihnen und den Einheimischen zu bauen. Zurück in den Heimatländern könnten religiöse Gruppen ebenfalls helfen, Spannungen abzubauen und zur Versöhnung beizutragen.

„Um Werte kämpfen“

Bartsch betonte die Bedeutung von Solidarität. „Fast alle Religionen folgen diesem Wert“, sagte er: der Mensch als Teil einer Gemeinschaft, die sich umeinander kümmert. Wenn Flüchtlingskrisen gelöst werden konnten, dann, weil sich Menschen solidarisch für andere einsetzten. Er hob zudem hervor, dass Flüchtlinge weltweit nur geschützt werden könnten, wenn Staaten zusammenarbeiteten und die die Lasten gemeinsam trügen. „Hier können religiöse Einrichtungen einen sehr aktiven Beitrag leisten und sich in die Verhandlungen einbringen“, sagte Bartsch, „besonders in Zeiten, wo Krieg wieder zu einem Mittel wird, um nationale Interessen durchzusetzen.“ Er forderte die religiösen Leiter bei der Konferenz dazu auf, den Dialog miteinander und auch mit staatlichen, säkularen Organisationen fortzusetzen.

Die Kirchen und anderen religiösen Gruppen in Deutschland lobte er für ihre Rolle, als hunderttausende Flüchtlinge ankamen. „Sie haben die Willkommenskultur unterstützt, was sehr zur Bewältigung der Flüchtlingskrise beigetragen hat.“ Jedoch gebe es mittlerweile auch innerhalb der Kirchen vermehrt Fragen an diese Haltung und das Bedürfnis, die Rolle im Umgang mit der Flüchtlingspolitik zu diskutieren. „Religiöse Gemeinschaften müssen sehr um die Werte kämpfen, die dem Schutz von Flüchtlingen und dem eigenen Glauben zugrunde liegen“, stellte Bartsch fest.

Vom Kriegsgebiet zum Zufluchtsort

Ein derzeit ebenfalls bedeutendes Aufnahmeland von Flüchtlingen ist Uganda. Durch die gewaltsamen Konflikte im Südsudan und anderen Nachbarländern sind in den vergangenen Jahren über eine Million Flüchtlinge in das Land gekommen, vor allem in den Norden. Dort herrschte bis 2006 ebenfalls noch Krieg. „Es ist eine Erfolgsgeschichte, dass Norduganda, was erst ein Konfliktgebiet war, jetzt eine Ort ist, wo Menschen Zuflucht finden“, sagte Scheich Shaban Ramadhan Mubaje, Großmufti des Landes. Er ist Vorsitzender des Interreligiösen Rates von Uganda, der 2001 gegründet wurde, um Konflikte im Land zu lösen. Zusammen mit John Baptist Odama, dem Erzbischof von Gulu, stellte er die Arbeit des Rates vor. Das Ziel sei es aktuell, als religiöse Führer gemeinsam den Dialog mit Politischen Führungspersonen zu suchen, um das Land voranzubringen.

Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2011 sei es zum Teil zu Gewalt gekommen. Der Rat habe das zum Anlass genommen, vor den Wahlen 2016 eine offene Debatte mit allen Präsidentschaftskandidaten durchzuführen. Zwar habe es danach auch Gewalt gegeben, aber deutlich weniger als zuvor. „Wir haben gemerkt, dass es notwendig ist, mit Politikern im Gespräch zu bleiben.“ Im Dezember 2018 wurde daraufhin der Uganda National Dialogue ins Leben gerufen.

Auf dessen Agenda steht etwa, einen Konsens zu erreichen über Werte, die die Gesellschaft prägen sollen; darüber, dass die wirtschaftliche Entwicklung allen Menschen dienen soll oder dass die Verfassung respektiert werden muss – auch von den führenden Politikern. „Die Nation gehört den Menschen, nicht den Politikern“, betonte Erzbischof Odama. Der Rat wolle dazu beitragen, dass die Interessen der Menschen gehört werden.

Von: Jonathan Steinert

Ganz ohne Parteinamen zu nennen, haben das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche in Berlin und Brandenburg (EKBO) am Donnerstag einen Aufruf zur Wahl an die Bürger gegeben. Wähler sollten prüfen, „wie die Parteien die Verantwortung für den nötigen Klimaschutz, für nachhaltigere Lebensmodelle, für gute Lebensbedingungen im ländlichen Raum, für ein respektvolles und faires Miteinander und für den sozialen Ausgleich wahrnehmen wollen“, heißt es in einer Mitteilung an die Medien. Am kommenden Sonntag soll sie auch in den Gottesdiensten vor Ort verlesen werden.

Der katholische Erzbischof Heiner Koch und sein evangelischer Kollege Bischof Markus Dröge fordern weiter: „Stärken Sie mit Ihrer Stimme diejenigen Parteien, die für die weitere Ausgestaltung der freiheitlich-demokratische Grundordnung in Brandenburg eintreten, die Grundrechte unserer Verfassung stärken und die einer Spaltung unserer Gesellschaft durch Hass, rassistische Hetze und Ressentiments entgegentreten.“

Abgrenzung gegen die AfD

Die Mitteilung kann als Positionierung gegen die AfD verstanden werden. In einer frühren Stellungnahme stufte die EKBO Aussagen einzelner AfD-Politiker etwa als „menschenfeindlich“ ein und grenzte sich gegen das Parteiprogramm ab. Dröge kritisierte in der Vergangenheit wiederholt eine auf Provokation ausgerichtete Kommunikationsstrategie der Partei. Ein christliches Menschenbild finde sich in deren Programm nicht und die Führung grenze sich nicht ausreichend vom rechts-nationalen Flügel um den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke ab.

In Brandenburg wird am 1. September ein neuer Landtag gewählt. Aktuellen Prognosen zufolge könnte die AfD mit 21 Prozent der Stimmen stärkste Partei werden, gefolgt von der CDU mit 18 Prozent, der SPD mit 17 Prozent und den Grünen mit 16 Prozent.

Von: Anna Lutz

Angesichts des stetigen Mitgliederrückgangs der beiden großen Kirchen in Deutschland wird auch über die Kirchensteuer diskutiert. Sollten Mitglieder über die Verwendung eines Teils der Mittel selbst entscheiden dürfen?

Das Auto rast mit 100 Stundenkilometern über die Straßen Turkmenis­tans. Darin sitzt Pastor Batyr mit drei Freunden. Sie wollen Bibeln verteilen und den Menschen von Gott erzählen. In dem asiatischen Land, das früher zur Sowjetunion gehörte, ist das gefährlich. Wer von Jesus erzählt, kann im Gefängnis landen.

Plötzlich platzen zwei Autoreifen. Das Auto überschlägt sich mehrmals. Die Bibeln, die sie dabei haben, liegen auf der Straße. Batyrs Freunde und er selbst bleiben unverletzt. Was er anschließend erlebt, ist unmenschlich. Im Nachhinein vermutet er, dass die turkmenische Regierung das Auto manipuliert und den Unfall herbeigeführt hat, um seine Aktivitäten zu stoppen.

In der Depression zu Jesus gefunden

Bis zu seinem 17. Lebensjahr hat Batyr noch nie etwas von Jesus gehört. Gott kommt in seinen Gedanken vor, aber der junge Turkmene will auch ein guter Kommunist sein. Das politische System beantwortet allerdings seine Lebensfragen nicht. Auch mit dem Islam beschäftigt er sich intensiv: „Es war ja die Religion meiner Vorfahren. Ein Turkmene wird als Moslem geboren und stirbt als Moslem.“

Christ zu werden ist das größtmögliche Verbrechen für einen Turkmenen. Batyr wagt den Schritt. „Schließlich gibt es bei Jesus Christus das ewige Leben. Im Islam kannst du dir nie sicher sein, ob du errettet und erlöst bist.“ Mitten in einer schwierigen Lebensphase erzählt ihm sein Nachbar die befreiende Botschaft von Jesus. 1993 kommt er zum christlichen Glauben.

Ihn fesselt die Liebe, die von Jesus ausgeht: „Dass jemand für deine Schuld stirbt, gibt es sonst nirgends.“ Batyr möchte anderen Menschen von dem erzählen, was ihn fasziniert. „Bis dahin gab es in Turkmenistan wenige Christen und keine Gemeinden“, erzählt er. Heute sind es gerade einmal insgesamt acht protes­tantische, katholische und orthodoxe Gemeinden im ganzen Land.

Binnen kurzer Zeit werden durch die Missionstätigkeiten von Batyr und seinen Freunden Hunderte Turkmenen Christen. Die Regierung beobachtet die Entwicklung argwöhnisch – und beginnt die Christen zu schikanieren. „Wir hatten aus ihrer Sicht die Religion der Feinde in der westlichen Welt angenommen. Die Regierung hatte Angst, dass der Feind uns bald wieder beherrscht“, erklärt Batyr. Deswegen beginnt sie damit, Pastoren zu verhaften und zu foltern.

Im Jahr 2000 lässt sie ihn verhaften und seine Familie enteignen. Anderen Christen stellt der Staat den Strom ab und kappt die Gasleitung. Batyr erinnert sich: „Am schlimmsten war es, wenn Christen starben und sie keinen Platz auf dem Friedhof zur Beisetzung bekamen.“ Es gibt sechs christliche Familien in seinem Dorf. Deren Kinder werden in der Schule gezwungen, in der Aula christliche Lieder zu singen – unter dem Hohn und Spott aller Anwesenden. Batyr lässt sich nicht einschüchtern. Er möchte Menschen für Jesus begeistern. Die Gemeinden wachsen – allerdings nur kurz. Die Regierung versucht, Batyr aus dem Verkehr zu ziehen. Der Tag, nachdem sie seine Verteilaktion der Bibeln jäh stoppte, ist der seiner Verhaftung. Er weiß, dass ihm keine rosige Zukunft bevorsteht. „Viele Tiere in Europa werden besser behandelt als Häftlinge in Turkmenistan.“

„Sie haben mich getreten wie einen Fußball“

Batyr wird geschlagen, gefoltert und malträtiert, wie es in brutalen Hollywood-Streifen gezeigt wird. Zeitweise treten neun kräftige Offiziere ihn wie einen Fußball – nächtelang. Seine Hände sind nach hinten gefesselt, damit er die Tritte und Schläge nicht abwehren kann. Die Handschellen sind so eingestellt, dass jede Bewegung höllische Schmerzen verursacht. Damit wollen die Gefängnisaufseher den Menschen brechen.

Er soll ihnen wichtige Information zur christlichen Szene geben und Gott leugnen. Die Männer toben sich aus, bis sie genug haben. Dann verlassen sie die Zelle, um eine Zigarette zu rauchen. Das wiederholt sich einige Wochen jeden Abend. Tagsüber werden die Häftlinge verhört, abends beginnt die Tortur. Am schlimmsten ist es, wenn die Häftlinge die Fragen nicht zur Zufriedenheit der Gefängnismitarbeiter beantworten. Manchmal setzen seine Peiniger ihm eine Gasmaske auf. Dann stoppen sie die Sauerstoffzufuhr, bis er bewusstlos ist. Auch mit einem elektrischen Stuhl und Stromstößen, die sie durch den Körper jagen, versuchen sie ihr Ziel zu erreichen. Batyr hat dies erlebt: „Es war so dosiert, dass Gefangene es gerade noch aushalten konnten.“ Der Pastor soll Chris­tus verleugnen und aufhören, von ihm zu predigen. „Ich habe bei jedem Schrei und Tritt nach Jesus gerufen, um das zu beenden. Er soll mich aus dieser Tortur befreien.“

Seine Frau erkannte ihn nicht wieder

Verstehen konnte er nicht, warum dies mit ihm geschah. Er war weder ein Verbrecher noch ein Drogendealer. Nicht einmal Mafia-Mitglieder folterten sie so, meint Batyr zu wissen. Um die Tortur zu beenden, verleugnet er Gott: „Sie haben mich zerbrochen.“ Er kommt frei – und predigt weiter.

Seine Frau erkennt ihn bei seiner Rückkehr kaum wieder: Sein Gesicht ist geschwollen. Er hat überall blaue Flecken und kann kaum normal laufen. Warum kommt sein allmächtiger Gott nicht zu Hilfe und schickt seine Engel, um die Peiniger zu stoppen? Übersieht ihn Gott? Eine schnelle Antwort findet er nicht. In der Rückschau sagt er: „Gott war in dieser Zeit neben mir.“ Auch Paulus sei im Gefängnis wegen seines Glaubens gefoltert worden. Auch dies habe Gott zugelassen.

Heute glaubt Batyr, dass sein Stolz und sein Egoismus die größten Hindernisse seines Lebens waren. „Ich musste erfahren, wie schwach ich wirklich war. Wenn ich schwach bin, bin ich stark durch Gott.“ Diese Lektion hat er für sich gelernt. Seit 26 Jahren ist er inzwischen Christ. In dieser Zeit hat er immer wieder erfahren, „dass Jesus mir Dinge zumutet, damit Er groß wird. Das tut weh und ist schmerzhaft, aber wenn es nötig ist, ist es eben nötig“, sagt der siebte turkmenische Christ.

In der Ausgabe 4/2019 des Christlichen Medienmagazins pro finden Sie mehrere Beiträge zum Thema Christenverfolgung und Religionsfreiheit. Sie können das Magazin hier kostenlos bestellen.

Von Johannes Blöcher-Weil

Bundeskanzlerin Angela Merkel galt schon mehrmals als aussichtsreiche Kandidatin für den Friedensnobelpreis. Einer, der sie dafür vorgeschlagen hat, ist José Ramos-Horta. Der frühere Präsident von Timor-Leste erklärte gegenüber pro, warum: „Kanzlerin Merkel hat außergewöhnliche moralische und politische Courage gezeigt, indem sie mehr als eine Million Flüchtlinge willkommen hieß.“ Merkel habe um die politischen Kosten dieser Entscheidung gewusst und sie in Kauf genommen: „Sie wusste, dass sie dafür leiden würde – und sie hat gelitten“, sagte Ramos-Horta am Rande der Weltkonferenz von „Religions for Peace“.

Sie habe nach den besten humanitären Prinzipien Deutschlands und nach den europäischen Werten gehandelt. „Darüber hinaus war sie ein politischer Anker der Stabilität für ganz Europa in diesen Zeiten mit unglaublichen internationalen Herausforderungen“, erklärte Ramos-Horta. In den USA regiere mit Donald Trump ein Präsident, der politisch skrupellos und unvorhersehbar handle, Großbritannien befinde sich vollständig in Unordnung und Frankreich schätzte Ramos-Horta auf internationaler Bühne im Zuge der Flüchtlingskrise als „relativ schwach“ ein. „Da war Deutschland der Anker Europas.“ Merkel habe „mit persönlicher Moral und politischem Mut“ gegenüber Trump für europäische Werte eingestanden.

Auf den Einwurf hin, dass Merkels Entscheidung für innenpolitische und gesellschaftliche Spaltungen gesorgt habe, erwiderte Ramos-Horta, andere Länder würden viel höhere politische Kosten für die Entscheidungen ihrer Regierungen zahlen. In Syrien, dem Land, aus dem die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hätten Hunderttausende ihr Leben verloren. „Wichtiger als politische Kosten ist die moralische Courage“, betonte er.

Versöhnung statt Vergeltung

Ramos-Horta hat 1996 zusammen mit seinem Landsmann Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz gegen die Unterdrückung der „kleinen Leute“ bekommen. Die Auszeichnung sollte damals auch eine Ermutigung dafür sein, im Konflikt zwischen Timor-Leste und Indonesien eine friedliche Lösung zu finden. Timor-Leste, auch Osttimor genannt, war bis 1975 von Portugal besetzt. Wenige Tage nach der Unabhängigkeit besetzte das Nachbarland Indonesien das Gebiet. Während dieser Besatzung und der damit verbundenen gewalttätigen Auseinandersetzungen starben rund 200.000 Menschen. 2002 wurde Timor-Leste erneut unabhängig. Der heute 70-Jährige Ramos-Horta war zunächst Außenminister, später für einige Monate Premier und anschließend von 2007 bis 2012 Präsident des kleinen Landes mit knapp 1,3 Millionen Einwohnern. Er war 2006 auch als Nachfolger von Kofi Annan als UN-Generalsekretär im Gespräch, jedoch entschied er sich wegen politischer Unruhen, in seinem Land zu bleiben.

Ramos-Horta ist katholisch, so wie 97 Prozent der Bevölkerung in Timor-Leste. Auf der Weltkonferenz von „Religions for Peace“ in Lindau erklärte er, heute hätten sein Land und Indonesien sehr gute Beziehungen. Ein Grund dafür sei gewesen, nach der Unabhängigkeit auf politische Vergeltung gegenüber den Besatzern zu verzichten und stattdessen eine Versöhung anzustreben.

Von: Jonathan Steinert

Die rund 900 Teilnehmer und Delegierten der Konferenz „Religions for Peace“ haben am Mittwoch in einer feierlichen Zeremonie den „Ring for Peace“ eingeweiht. Dazu zogen die Konferenzteilnehmer am Mittwoch in einer feierlichen Prozession vom Veranstaltungsort, der Inselhalle der Stadt Lindau, in den Luitpoldpark. Der „Ring for Peace“ ist eine etwas 7,5 Meter hohe Skulptur aus verschiedenen Hölzern der Welt und einem in sich verschlungenen Möbiusband nachempfunden. Er soll das Leitthema der 10. Weltversammlung der Organisation darstellen und ein dauerhaftes Zeichen des Friedens zwischen den Religionen sein. Das Kunstwerk soll in Lindau bleiben.

Der „Ring for Peace“ sei ein Zeichen für Treue, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit und symbolisiere, dass die verschiedenen Religionen der Welt durch universelle Werte miteinander verbunden seien, sagte der UN-Gesandte Miguel Ángel Moratinos, Hoher UN-Vertreter der Allianz für Zivilisation. „Frieden und gegenseitiger Respekt sind die Hauptelemente, die unser Verhalten in Zukunft leiten müssen“, sagte Moratinos.

„Religion muss der Politik helfen“

Die religiösen Leiter der Welt und Lehrer der verschiedenen Religionen hätten eine Schlüsselfunktion, erklärte der frühere spanische Außenminister. „Sie müssen den Politikern in der UN, in den nationalen und lokalen Regierungen dabei helfen, eine Atmosphäre der Freundschaft, der Empathie, der Verantwortlichkeit und Solidarität zu schaffen“, sagte Moratinos. Nur im Dialog zwischen Religion und Politik sei es möglich, die Kluft aus Ignoranz und Missverständnissen zwischen den Nationen und Religionen zu überbrücken. „Die Stimmen der Religionsführer weltweit sollten an den Verhandlungstischen der Politik Gehör finden“, erklärte er. Seiner Einschätzung nach sei das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Säkularisierung gewesen. „Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Religionen und der Spiritualität“, erklärte Moratinos.

Der UN-Gesandte unterstrich am „Ring of Peace“ auch die Schutzwürdigkeit religiöser Stätten weltweit. Der globale Erhalt und der Schutz religiöser Stätten seien ein Zeichen von Achtung und Respekt vor der Vielfalt der Religionen und ihrer Daseinsberechtigung. Die heiligen Stätten dürften nicht zu Austragungsorten von Konflikten werden.

„Religions for Peace“ ist die größte internationale multireligiöse Allianz, die sich für Frieden einsetzt. Bei der diesjährigen 10. Weltkonferenz in Lindau stehen Fragen nach gemeinsam geteiltem Wohlstand im Mittelpunkt der Beratungen. Rund 900 Gäste und Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nehmen an der Konferenz teil, die noch bis Freitag geht.

Von: Norbert Schäfer

„Was wäre wenn…..“ ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at August 22, 2019, 2:01 am)


© privat

Er war ein echter Star der Volksmusik und rockte die großen Bühnen im Land: Thomas Rups Unger,. 22 Jahre lang war er das Gesicht, die Stimme und der kreative Kopf der Volksmusik-Sensation "De Randfichten", die mit ihrem Hit vom "alten Holzmichl" ganz Europa im Sturm eroberte.  Doch vor fünf Jahren machte Rups Schluss mit der großen Show. Seit seiner Jugend litt der vierfache Familienvater unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihm weder eine Alkoholsucht, noch Ruhm und Ehre im Musikgeschäft nehmen konnten. Erst durch den Glauben an Gott konnte Thomas Unger das Alte hinter sich lassen und ganz von vorn beginnen. Jetzt singt Rhomas Unger für Jesus Christus. In den nächsten Tagen kommt sein neuestes Album auf den Markt: „Was Wäre Wenn“. Regina König hat den ehemaligen Volksmusikstar in seinem Heimatort besucht, hoch oben im Erzgebirge.


Frühere Beiträge zu Thomas Rups Unger

 

 

 


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Vom 19. bis zum 23. August findet in Lindau die „Religions for Peace"-Konferenz statt. Die Versammlung religiöser Führer unterschiedlicher Religionen will eine multireligiöse Vision des positiven Friedens – „Shared Well-Being“ genannt – entwickeln und fördern. Uwe Heimowski, Politikbeauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), vertritt die Auffassung, dass konservative und evangelikal gesinnte Christen bei multireligiösen Initiativen zum Wohl aller Menschen mitmachen sollten.

„Als Christen haben wir das Evangelium und Jesus lehrt in der Bergpredigt, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Deshalb sollten wir da, wo Religionen sich für den Frieden und die gesellschaftliche Verantwortung engagieren, „ganz klar mit dabei sein“, erklärte Heimowski am Dienstag am Rande der Konferenz auf Anfrage von pro. „Im Dialog können wir unseren Glauben bekennen – und gemeinsam haben wir etwas zu tun in dieser Gesellschaft.“

Christen sollen „gesprächsfähig“ sein

Die Religionen – auch Christen – sollten sich nicht verbiegen, sondern mit dem ihnen innewohnenden Wahrheitsanspruch in den Dialog treten. „Als Christ, der davon überzeugt ist, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist, suche ich das Gespräch mit dem, der einen anderen Weg gefunden hat“, sagte Heimowski, und weiter: „Es geht eben gerade nicht darum, den Absolutheitsanspruch, den Jesus Christus formuliert, aufzugeben, sondern mit diesem Absolutheitsanspruch ins Gespräch zu gehen.“ Allerdings sei es ein geistlicher Anspruch, politisch gehe es darum, für Bekenntnisfreiheit zu kämpfen, die eigene ebenso wie die der anderen. In einer Welt, die immer kleiner werde und global zusammenrücke, müssten Christen „gesprächsfähig“ sein und andere Meinungen aushalten können.

Über Jahrzehnte ist nach Heimowskis Einschätzung Religion in der bundesdeutschen Politik eher kritisch gesehen worden. Beispielsweise sei in der Entwicklungspolitik Religiösem sehr lange kein Raum eingeräumt worden. Dies habe sich unter Minister Gerd Müller geändert, sagte DEA-Politikbeauftragte. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe als Außenminister beispielsweise einen Arbeitszweig „Friedensverantwortung der Religionen“ im Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. „Es ist aus meiner Sicht erkennbar, dass Politiker mutiger ihren Glauben mit ins Gespräch bringen. Etwa indem sie sich zu ihrem eigenen Glauben bekennen, oder indem sie erkennen, dass der Glaube eine politische Kraft hat."

Religion bietet Chance für Frieden und Versöhnung

In vielen Ländern der Welt sind nach Heimowskis Einschätzung „die religiösen Führer auch politische Autoritäten“. Viele Menschen orientieren sich an ihnen. Das sei eine Chance, Religion für Frieden und Versöhnung fruchtbar zu machen. Aber darin liege auch die Gefahr, dass Religionen missbraucht würden. „In Russland beispielsweise unterstützen weite Teile der Orthodoxen Kirche einen ungesunden russischen Nationalismus“, sagte der DEA-Politikbeauftragte. Dieser Nationalstolz, der sich religiös definiere, rechtfertige auch diktatorische Elemente in der Politik des Präsidenten und gehe zu Lasten von Minderheiten wie den Freikirchen und anderen Gruppen. Ähnliches gelte für die Türkei. „Der Nationalist Erdogan nutzt den Islam, um seine Politik zu rechtfertigen.“ Vergleichbares habe es auch in der Geschichte des Christentums gegeben: „Da wurden Machtinteressen und finanzielle Interessen religiös begründet. Wir haben daraus gelernt – sollten aber wachsam bleiben.“

„Religions for Peace“ ist die größte internationale multireligiöse Allianz, die sich für Frieden einsetzt. Bei der diesjährigen 10. Weltkonferenz in Lindau stehen Fragen nach gemeinsam geteiltem Wohlstand im Mittelpunkt der Beratungen. Rund 900 Gäste und Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nehmen an der Konferenz teil, die noch bis Freitag geht.

Von: Norbert Schäfer

Seit fast einem halben Jahrhundert ist Ted Neeley in der Musik- und Filmbranche tätig. Auf seinen Welttourneen als Jesus-Darsteller in der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ und dem gleichnamigen Film wird er von einem generationenübergreifenden Millionen-Publikum enthusiastisch gefeiert. Für seine schauspielerische Leistung in diversen Inszenierungen erhielt er 1974 den begehrten „Golden Globe Award“ als „Bester Hauptdarsteller Komödie oder Musical“ sowie als „Bester Nachwuchsdarsteller“.

Anlässlich einer vierjährigen Europa-Tournee, auf der das „Jesus Christ Superstar“-Ensemble mit Liveorchester und über 50 Darstellern seit 2014 in ausverkauften Konzerthallen spielte, wurde die legendäre Rockoper im April 2019 erstmals in Deutschland im Musical Dome Köln vor begeistertem Publikum aufgeführt. Der 75-jährige US-Schauspieler Neeley glänzte immer noch in seiner Titelrolle als „Jesus Christ Superstar“. Wir feierten ein emotionales Wiedersehen nach 47 Jahren. Damals trafen wir uns in Israel.

An einem Herbsttag 1972 entdeckte ich mitten in der trostlosen Negev-Wüste im südlichen Israel auf einem vor mir liegenden Bergrücken eine wild tanzende Schar buntgekleideter junger Leute, die meine Neugier weckten. „Da muss ich hin“, sagte ich zu dem israelischen Busfahrer. Kaum war ich ausgestiegen, nahmen mich melodische Klänge westlicher Rockmusik gefangen. Hastig eilte ich den Berg hinauf. Oben angekommen, traute ich meinen Augen und Ohren nicht; denn die Rockrhythmen waren verstummt und das Plateau menschenleer.

„Jesus Christ Superstar“ in der Negev-Wüste

Als ich dort einen Beduinenhirten, der Schafe und Kamele bewachte, fragte, wo denn die soeben noch agierenden Menschen geblieben seien, führte er mich zu einem Zelt, in dem junge Amerikaner wegen der brütenden Mittagshitze eine zweistündige Pause eingelegt hatten. Hier würde ein Jesus-Film gedreht, aber unter strengster Geheimhaltung, sagte die Film-Crew. Trotzdem machten sie mich mit dem Jesus-Darsteller in einem schmuddeligen Leinengewand bekannt, der hockend an einer fetttriefenden Hammelkeule knabberte. Über das Drehbuch und seine Jesus-Rolle durfte er nichts sagen. Aber er begeisterte sich für seinen Erlöser Jesus Christus, der sein Leben von Schuld und Angst befreit habe. Der US-amerikanische Schauspieler sprach von einer menschenwürdigen Christusbotschaft, die nicht nur für die suchende, orientierungslose Jugend eine erlösende Wohltat sei. Unser Gespräch kreiste um brisante existenzielle Fragen, die Jesus als Mensch auf dieser Erde mit seinem vorbildlichen Leben beantwortet hatte. Doch wir konnten nur kurz reden. Der Jesus-Darsteller begleitete mich nach draußen und lächelte wohlwollend in meine Kamera.

Als ich ein Jahr später den „Piccadilly Circus“ in London überquerte, fiel mein Blick auf die Leuchtschriftreklame: „… and now the film ‚Jesus Christ Superstar‘“. Das Filmtheater war übersät mit Aushangfotos, auf denen mich der Jesus-Darsteller aus der Negev-Wüste anstrahlte. Jetzt war das Geheimnis gelüftet. Es war der 29-jährige Superstar Neeley, der auch die Hauptrolle bei der Uraufführung des Musicals „Jesus Christ Superstar“ 1971 am Broadway in New York spielte. Neeley reist seit fast einem halben Jahrhundert mit diesem Musical um die Welt.

Die letzten sieben Tage im Leben Jesu

Was ist die Botschaft von „Jesus Christ Superstar“? Mit packenden Rhythmen und berührenden Melodien erzählt die Rockoper die letzten sieben Tage des Lebens Jesu von Nazareth. Keine Theologen, sondern ziemlich unbekümmerte junge Leute, der 21-jährige Andrew Lloyd Webber (Komponist) und der drei Jahre ältere Tim Rice (Texter), erkannten 1970 die Zeichen der Zeit: Die revolutionäre Jugend in den westlichen Ländern protestierte gegen die konsumorientierte Leistungsgesellschaft und war auf der Suche nach neuen Leitbildern. Neben den rebellierenden Studenten propagierten die „Hippies“ „Make love, not war“. Diese Bewegung endete im Drogenrausch. Hinter jeder Sucht steckt eine ungestillte religiöse Sehnsucht. So wurden in den 70er Jahren Hunderttausende von ihnen gläubige Christen („Jesus ist besser als Hasch“), die sich „Jesus-People“ nannten. In Los Angeles erzählte mir Pastor Chuck Smith, er habe über 20.000 gläubig gewordene Hippies am Strand der Pazifikküste getauft.

Diese Jesus-Revolution inspirierte Webber und Rice zu ihrem Werk, dem die biblische Vorlage der Passionsgeschichte zugrunde liegt. Dabei bevorzugten sie eine sehr menschliche Version von Jesus, die seine Größe nicht leugnet, aber seine Wunder und Auferstehung nicht berücksichtigt. Umgedeutet wird die Rolle des Judas, der Jesu göttliche Berufung infrage stellt und ihn vor seinem Tod bewahren möchte. Alle Beteiligten sind letztlich an Jesus wahnsinnig geworden: Judas, die anderen Jünger ebenso wie die geistlichen und weltlichen Machthaber, die auf ihre Privilegien nicht verzichten wollten. So endet der „Superstar“ am Kreuz.

„Ich gehe im Paradies spazieren“

Vor meiner Begegnung mit Neely im Musical Dome Köln im April 2019 hatte ich ihm ein Foto zukommen lassen, das ich von ihm 1972 im Jesus-Gewand in der Negev-Wüste gemacht hatte. Gleich nach der ersten von fünf ausverkauften Vorstellungen mit 10.000 begeisterten Zuschauern trafen wir uns backstage. Es gab viel zu erzählen. Hier leider nur ein kurzer Ausschnitt unseres Gesprächs.

Der vielseitige US-amerikanische Künstler, der als Schauspieler, Sänger, Songwriter und Produzent weltbekannt geworden ist, hat 5.000 Mal die Hauptrolle in „Jesus Christ Superstar“ gespielt. Und wie verstand der Jesus-Darsteller selbst seine Titelrolle? Jede Vorstellung sei für ihn eine brandneue Erfahrung, die seine Seele berühre und ihn mit dem Publikum verbinde. Wie im Paradies gehe er auf der Bühne spazieren und werde therapiert.

Auf seine Glaubensbeziehung zu Jesus Christus angesprochen, bekannte Ted: „Mein Verhältnis zu ihm ist noch intensiver und tiefgründiger geworden. Jesus ist für mich nicht nur am Kreuz gestorben, sondern auch vom Tode auferstanden, auch wenn seine Auferstehung in der Rockoper nur angedeutet wird.“

Zu den ergreifendsten Szenen gehört die Geißlung Jesu mit 39 Peitschenhieben, eingerahmt von Schreckensbildern der Menschheitsgeschichte, die im Hintergrund auf einer Maxi-Leinwand liefen: von Auschwitz bis zur Tragödie des 11. September, von den Verbrechen der Mafia bis zu grausamen Gewalttaten und Hungerkatastrophen. Jeder Peitschenhieb, jeder Schmerz Jesu, wird durch solch ein Bild für uns lebendig und nachvollziehbar gemacht. Wo war Gott? Am Kreuz! Aber es gibt Hoffnung durch seine Auferstehung.

Voller Bewunderung sprach Ted von seinem Besuch im Kölner Dom. Ich gab ihm zu bedenken, dass der Dom von den meisten Besuchern wohl mehr als Museum und weniger als Gotteshaus angesehen wird. Was würde er als Erzbischof von Köln den Christen in den Pfarreien raten, damit die Menschen wieder für die Christusbotschaft gewonnen werden? „Die Menschen müssen uns Christen wahrnehmen als Lichtträger und Vorbilder, die von der Liebe Jesu ergriffen sind und diese Liebe auch untereinander praktizieren“, sagte der Jesus-Darsteller.

Papst Franziskus: „Macht weiter so!“

Neely erinnerte sich an die erste Aufführung der Rockoper im September 2014 in Europa im „Teatro Sistina“ in Rom: „Papst Franziskus hat die Proben spontan besucht und war so ergriffen, dass er uns anschließend gesegnet hat. Mich ermutigte er, indem er sagte: ,Macht weiter so, ihr verkündigt dieselbe Jesus-Botschaft wie wir in der Kirche.‘“ Als der gleichnamige Film „Jesus Christ Superstar“ in die Kinos kam, sagte der damalige Papst Paul VI: „Ich glaube, dieser Film wird mehr Menschen in der ganzen Welt mit dem Evangelium bekanntmachen als irgendein anderes Medium.“

Trotz wiederholter bis heute andauernder Proteste, die Rockoper sei ein gotteslästerliches Werk, betonten die Repräsentanten der Kirchen stets: „Das Musical ist nicht nur eine monströse Show, sondern auch ein christliches Glaubensbekenntnis im Rhythmus unserer Zeit.“ Missverständnisse sind nicht ausgeschlossen, wie Neely beklagte. Mit zwiespältigen Gefühlen habe er zu kämpfen, wenn er an manche Fans denke, die ihn abgöttisch verehren: „Mütter bringen ihre Kinder zu mir, um ihnen die Hände aufzulegen und sie zu segnen. Manche Zuschauer umarmen mich mit den Worten: ,Du bist mein Jesus geworden.‘ Es ist schwer, ihnen begreiflich zu machen, dass ich nur ein Rock‘n‘Roller bin, mehr nicht. Ich will nur Jesus groß machen.“

In der Rockoper protestiert Judas, dass Jesus die verachtete Prostituierte Maria Magdalena in seinen Jüngerkreis aufnimmt. Von der fürsorgenden Liebe Jesu überwältigt, die sie nicht verstehen kann, singt sie „I don´t know how to love him“. Ich fragte Ted, ob er wisse, wie man Jesus lieben kann. Spontan antwortete er: „Er beschenkt mich mit seinem Frieden und mit seiner Liebe, die ich an andere Menschen weitergeben möchte. Es ist so schön, jeden Tag ihm zu danken für meine schauspielerische Aufgabe, Jesus zu verherrlichen. Mein größter Wunsch wäre, noch einmal 5.000 Mal die Jesus-Rolle spielen zu dürfen.“

Von: Günther Klempnauer

Dieser Text (leicht gekürzte Version) stammt aus dem neuen Buch „The Show Must Go On“ (St. Benno Verlag) vom Buchautor, Theologen und TV-Moderator Günther Klempnauer. Darin berichtet er, was sich hinter den Kulissen der Showbühne abspielt. Er zieht Bilanz aus in fünf Jahrzehnten geführten Gesprächen mit Rockidolen, Film- und Theaterdarstellern, Models, Popstars und Moderatoren wie Thomas Gottschalk, Johnny Cash, Peter Maffay, Johannes Heesters, Ursula Buchfellner oder Udo Lindenberg.Wir danken dem Autor für die Abdruckgenehmigung.

Am 22. August wird erstmals der „Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben“ begangen. Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerke rufen aber zugleich zum Handeln auf.

Am Dienstag war es wieder soweit, um Punkt neun Uhr morgens öffneten sich die Türen der Messe Köln und die größte Spielemesse der Welt startete: die Gamescom. Mit seiner Rede gab Felix Falk, Geschäftsführer von „Game“ – dem Verband der deutschen Games-Branche, für alle Fachbesucher den metaphorischen Startschuss der Messe.

Dass die Videospiel–Branche längst keine Nische mehr ist, sondern ein ernstzunehmender Markt in Deutschland, war den fast 300 Anwesenden klar. Wie das ZDF berichtet, machte die Videospiel-Branche allein in der Bundesrepublik im Jahr 2015 2,9 Milliarden Euro Umsatz, mehr als die Musikindustrie (1,55 Milliarden Euro) und die Filmindustrie (1,17 Milliarden Euro) zusammen, Tendenz steigend.

Dystopische Zukunft

Dennoch haben die Games, sagt Falk, noch immer ein enormes Potential, anders, als nur zum Vergnügen, eingesetzt zu werden. So möchte er verstärkt Videospiele in den Schulen sehen, sowohl als Bildungsergänzung, und als auch als kreativ-fördernde Methode. Das Potential sei nahezu endlos, was auch der Grund dafür sei, dass die Bundesregierung jährlich 50 Millionen Euro in diesen Markt investiere.

Doch wie sieht die Zukunft der Games aus? Die diesjährige Gamescom hat einen Blick darauf geworfen. Der Trend der Videospiele geht klar in eine Richtung: eine dystopische kommende Zeit. Viele der vorgestellten Spiele zeigen eine düstere Zukunft, in der die virtuelle Welt durch Krieg oder Apokalypse verändert wurde. Hier spielt man also in einer oftmals kaputten und hoffnungslosen Welt.

Spiel-Szenario: Scotland Yard als Bösewicht

Das Spiel „Watchdogs – Legion“ findet in der nicht so fernen Zukunft in England statt. Die gesamte britische Insel ist in Anarchie verfallen. Es kämpfen ständig zwei Parteien gegeneinander: auf der einen Seite die Polizei und das Militär, welche willkürlich die englischen Bürger verprügeln und auch gelegentlich töten, um „die Leute zu erziehen“. Auf der anderen Seite des Kampfes stehen die Bewohner Englands. Diese wollen sich nicht von Scotland Yard unterdrücken lassen und kämpfen für und um ihr Leben.

Als Protagonist dieses Krieges stellt man seine eigene Armee auf, um gegen das System zu kämpfen. Im virtuellen London rekrutiert der Spieler Komplizen, je nach gewünschten Fähigkeiten und Attributen. Dabei kann er jeden der einzigartigen Charaktere anwerben und zum Kampf rufen. Dieser wird aber nicht ausschließlich mit Maschinengewehren und Pistolen ausgetragen, sondern auch mit der Kraft des Smartphones: Alle Rekruten werden als Hacker ausgebildet und verschaffen sich so einen Vorteil. Da das virtuelle England technisch sehr fortgeschritten ist, lässt sich nahezu alles hacken und dient damit automatisch als Waffe gegen das korrupte System.

Fiktion und Realität nähern sich an

Zwar ist das Spiel „Watchdogs – Legion“ ganz klar Fiktion, jedoch ist leicht zu erkennen, dass diese Fiktion gar nicht so weit hergeholt ist, wie es anfangs vielleicht scheint. Schon heute wird alles digitaler und bekommt eine Künstliche Intelligenz. Kühlschränke, die mit einem kommunizieren, ein digitaler Assistent, der der Nutzer permanent aufzeichnet, selbstfahrende Autos und so weiter. Alle diese technischen Geräte haben eine gemeinsame Schwachstelle, indem diese eben technische Geräte sind und sich somit hacken und manipulieren lassen. „Watchdogs – Legion“ befasst sich sehr eindrücklich mit dieser Thematik und zeigt auch, dass neu nicht unbedingt immer besser ist.

Von: Jonah Trees

Gegen die Angst angesichts einer tödlichen Krankheit hilft die Gewissheit, von Jesus Christus aufgenommen zu werden. Das sagte Altlandesbischof Ulrich Fischer in einem Interview mit idea.

Wohl kaum ein Musiker des vergangenen Jahrhunderts hat so viele andere Musiker inspiriert. Seine Musik war oft stilgebend, seine Texte haben eine Tiefe und Vielseitigkeit, die nur wenige erreichen. Der meistens in Schwarz gekleidete Sänger mit Gitarre und Mundharmonika ist eine lebende Legende.

Bob Dylan, oder „His Dylaness“, wie Fans ihn wegen seiner Unnahbarkeit nennen, wurde am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota, geboren. Es ist schwierig, das vielfältige Leben und die vielen Facetten des Künstlers, der auch viel malte, zusammenzufassen. Mehrere Filmemacher haben versucht, den „Columbia recording artist Bob Dylan“ zu fassen. Allen voran seien „I’m Not There“ (2007) zu nennen, für den Regisseur Todd Haynes gleich sechs unterschiedliche Schauspieler engagierte, um die unterschiedlichen Lebensphasen Dylans darzustellen, sowie „No direction home“ (2005) des großen Martin Scorsese. Zuletzt setzten die Coen-Brüder dem Künstler mit ihrem Spielfilm „Inside Llewyn Davis“ ein Denkmal. Auch Dylan selbst versuchte sich 1973 als Filmschauspieler mit einer kleine Rolle im Western „Pat Garrett & Billy the Kid“.

„Dylanologen“ analysieren das Werk des Meisters

Hartgesottene Fans, so genannte „Dylanologen“, auf der ganzen Welt behaupten von sich, sich im Dickicht der Lyrik des großen Meisters orientieren zu können. Seit vielen Jahren werden die Livekonzerte der „Never ending tour“ mitgeschnitten, getauscht und diskutiert. Dylan spricht, mit Ausnahme der Vorstellung der Bandmitglieder, kaum auf seinen Konzerten, jedes zusätzliche Wort löst kleine Zuckungen in der Fangemeinde aus. Bob Dylan gibt über 100 Konzerte pro Jahr, doch es wird weniger. Dylan selbst trug – gewollt oder ungewollt – stets selbst am meisten dazu bei, dass seine Person eine Aura des Unnahbaren umwehte. Jahrzehntelang gab er keine Interviews, auf seinen Konzerten ist es schon ein Glück, wenn der Musiker überhaupt ins Publikum schaut.

Dylans Eltern waren Nachfahren deutsch-ukrainisch-jüdischer Immigranten, die 1905 aus Odessa in die USA übergesiedelt waren. Robert Zimmermann benannte sich nach dem Dichter Dylan Thomas, ging 1961 nach New York und eroberte von dort die (Musik-)Welt. Als Dylan Mitte der 1960er Jahre von seiner akustischen zur elektrischen Gitarre wechselte, kam dies einem Erdbeben in der Folk-Welt gleich. Er war mit der Sängerin Joan Baez auf Tour, mit der er dann auch eine Liebesbeziehung hatte. Lieder wie „The Times They Are a-Changin“ und „Blowin’ in the Wind“ gehören noch heute zu einem ordentlichen Lagerfeuer, in dessen Nähe sich ein Gitarrist befindet.

Dylan war mehrmals verheiratet, schon im Alter von 24 Jahren wurde er Familienvater. Seit dieser Zeit schirmte er sein Privatleben immer mehr von der Öffentlichkeit ab. Nach einem Motorradunfall 1966 zog er sich für zwei Jahre völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Im Jahr 1969 wurde sein Sohn Jakob geboren, der mittlerweile selbst als Musiker arbeitet. Dylan hat außer ihm drei weitere Kinder: Anna, Jesse und Samuel.

Ein auf die Bühne geworfenes Kreuz änderte alles

Bei einem Konzert in Montreal im November 1978 hatte ihm jemand ein silbernes Kreuz auf die Bühne geworfen. Das Interesse am christlichen Glauben wurde entfacht, und Dylan besuchte einige Monate eine Bibelschule in einer Vineyard-Gemeinde in Los Angeles, wo er den Glauben an Jesus Christus annahm. Der 2009 veröffentlichte Film „Bob Dylan – Inside Bob Dylan‘s Jesus Years“ skizziert diese Wandlung. Als der sonst so wortkarge Singer-Songwriter auf Konzerten plötzlich wie ein Wasserfall von der Bibel und der Erlösung durch Jesus Christus predigte und sang, gab es Tumulte und wütende Proteste unter den Fans. Nach seiner Bekehrung wurde Dylan seine jüdischen Wurzeln auf einmal wichtig, später besuchte der Sänger Israel und kontaktierte die Gruppe „Jews for Jesus“.

Auf drei Alben verarbeitete Dylan seinen neuen Glauben, „Slow Train Coming“, „Saved“ und „Shot of Love“, auf denen er in seinen Liedern beispielsweise bekannte: „Ich war blind durch den Teufel, doch durch Gottes Gnade wurde ich berührt und geheilt. Ich wurde errettet durch das Blut des Lammes“ oder „Es könnte der Teufel sein, oder der Herr, aber du musst irgendjemandem dienen“.

Es folgten künstlerische Phasen mit weniger christlichem Unterbau, immer wieder neue Musikstile und viele Aufs und Abs, künstlerisch wie auch persönlich. Dylan veröffentlichte unter dem Titel „Drawn Blank“ einen Bildband mit eigenen Zeichnungen, 2004 eine Autobiografie.

Vor kurzem starben sehr kurz hintereinander einige Größen der Musikwelt aus der Generation Bob Dylan, darunter „Motörhead“-Sänger Lemmy Kilmister (Dezember), David Bowie (Januar) und im April der Sänger Prince. Sie hatten alle ungefähr das selbe Alter wie Bob Dylan. Jemand twitterte: „We still got Dylan.“

Dieser Artikel ist erstmals am 24. Mai 2016 bei pro erschienen. Zum Anlass des 40. Jahrestags der Albumveröffentlichung von „Slow Train Coming“ am 20. August publizieren wir diesen Artikel erneut.

Von: Jörn Schumacher


© Oliver Jeske / ERF Medien

Ein Manager, der offen bekennt, auf ganzer Linie mit seinem Leben gescheitert zu sein. Und der heute sagt, dass Gott ihm eine neue Chance gegeben hat: Das ist schon etwas besonders. Und so jemand ist Thomas Middelhoff. Oliver Jeske hat er seine Geschichte erzählt vom wegen Untreue verurteilten Karstadt/Quelle-Manager zum Menschen, der heute sein Vertrauen ganz auf die Güte Gottes setzt.


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Vom 19. bis zum 23. August findet in Lindau die „Religions for Peace"-Konferenz statt. Die Versammlung religiöser Führer unterschiedlicher Religionen will eine multireligiöse Vision des positiven Friedens – „Shared Well-Being“ genannt - entwickeln und fördern. Uwe Heimowski, Politikbeauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) vertritt die Auffassung, dass konservative und evangelikal gesinnte Christen bei multireligiösen Initiativen zum Wohl aller Menschen mitmachen sollten.

„Als Christen haben wir das Evangelium und Jesus lehrt in der Bergpredigt, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Deshalb sollten wir da, wo Religionen sich für den Frieden und die gesellschaftliche Verantwortung engagieren „ganz klar mit dabei sein“, erklärte Heimowski am Dienstag am Rande der Konferenz auf Anfrage von pro. „Im Dialog können wir unseren Glauben bekennen - und gemeinsam haben wir etwas zu tun haben in dieser Gesellschaft.“

Christen sollen „gesprächsfähig“ sein

Die Religionen - auch Christen - sollten sich nicht verbiegen, sondern mit dem ihnen innewohnenden Wahrheitsanspruch in den Dialog treten. „Als Christ, der davon überzeugt ist, das Jesus der einzige Weg zu Gott ist, suche ich das Gespräch mit dem, der einen anderen Weg gefunden hat“, sagte Heimowski, und weiter: „Es geht eben gerade nicht darum, den Absolutheitsanspruch, den Jesus Christus formuliert, aufzugeben, sondern mit diesem Absolutheitsanspruch ins Gespräch zu gehen.“ Allerdings sei es ein geistlicher Anspruch, politisch gehe es darum, für Bekenntnisfreiheit zu kämpfen, die eigene ebenso wie die der anderen. In einer Welt, die immer kleiner werde und global zusammenrücke, müssten Christen „gesprächsfähig“ sein und andere Meinungen aushalten können.

Über Jahrzehnte ist nach Heimowskis Einschätzung Religion in der bundesdeutschen Politik eher kritisch gesehen worden. Beispielsweise sei in der Entwicklungspolitik Religiösem sehr lange kein Raum eingeräumt worden. Dies habe sich unter Minister Gerd Müller geändert, sagte DEA-Politikbeauftragte. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe als Außenminister beispielsweise einen Arbeitszweig „Friedensverantwortung der Religionen“ im Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. „Es ist aus meiner Sicht erkennbar, dass Politiker mutiger ihren Glauben mit ins Gespräch bringen. Etwa indem sie sich zu ihrem eigenen Glauben bekennen, oder indem sie erkennen, dass der Glaube eine politische Kraft hat."

Religion bietet Chance für Frieden und Versöhnung

In vielen Ländern der Welt sind nach Heimowskis Einschätzung „die religiösen Führer auch politische Autoritäten“. Viele Menschen orientieren sich an ihnen. Das sei eine Chance, Religion für Frieden und Versöhnung fruchtbar zu machen. Aber darin liege auch die Gefahr, dass Religionen missbraucht würden. „In Russland beispielsweise unterstützen weite Teile der Orthodoxen Kirche einen ungesunden russischen Nationalismus“, sagte der DEA-Politikbeauftragte. Dieser Nationalstolz, der sich religiös definiere, rechtfertige auch diktatorische Elemente in der Politik des Präsidenten und gehe zu Lasten von Minderheiten wie den Freikirchen und anderen Gruppen. Ähnliches gelte für die Türkei. „Der Nationalist Erdogan nutzt den Islam, um seine Politik zu rechtfertigen.“ Vergleichbares habe es auch in der Geschichte des Christentums gegeben: „Da wurden Machtinteressen und finanzielle Interessen religiös begründet. Wir haben daraus gelernt - sollten aber wachsam bleiben.“

„Religions for Peace“ ist die größte internationale multireligiöse Allianz, die sich für Frieden einsetzt. Bei der diesjährigen 10. Weltkonferenz in Lindau stehen Fragen nach gemeinsam geteiltem Wohlstand im Mittelpunkt der Beratungen. Rund 900 Gäste und Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nehmen an der Konferenz teil, die noch bis Freitag geht.

Von: Norbert Schäfer

Die Sprache entwaffnen Christliches Medienmagazin pro(cached at August 21, 2019, 10:01 am)

Hassrede, aggressive Sprache, verbale Angriffe sind das Gegenteil von einem positiven Frieden. Von einem Frieden also, der nicht nur davon geprägt ist, dass kein Krieg herrscht, sondern wo Gewalt durch die gesellschaftlichen Gegebenheiten verhindert wird. Das machte die Amerikanerin Georgette Bennett, Präsidentin des Tanenbaum Zentrums für Interreligiöse Verständigung, bei der Weltkonferenz von „Religions for Peace“ in Lindau deutlich.

Bennett sprach von einer „Bewaffnung der Sprache“ und erklärte, verbale Gewalt gehe häufig tätlicher Gewalt voraus. „Zuerst kommt Dehumanisierung“, indem nicht mehr von Menschen oder Gruppen als Menschen gesprochen werde, sagte die Soziologin. Dann sei es ein kleiner Schritt von einer „hasserfüllten Karikatur“ bis zu einer Gewalttat. Das zeige sich an vielen Beispielen in den USA, etwa beim Ku-Klux-Klan, bei Neonazis oder am Antisemitismus, aber auch in der Weltgeschichte. So sei einzelnen Bevölkerungsgruppen bei den Massakern und Völkermorden in Bosnien und in Ruanda auch vorher verbaler Hass entgegengeschlagen. Heute sei eine solche Sprache in der Antiflüchtlings-Rhetorik zu beobachten.

Es sei notwendig, dass diejenigen, die für Respekt gegenüber anderen einstehen, auf Plattformen wie den Sozialen Medien aktiv seien, um den hasserfüllten und aggressiven Äußerungen etwas entgegenzusetzen. Vor allem religiöse Leiter nahm Bennett in die Pflicht: Sie hätten als moralische Autoritäten eine besondere Verantwortung dafür.

Mit Fakten gegen die Angst

Bennett erklärte, dass sogenannter Hassrede oftmals Ängste zugrunde lägen. Als Beispiele nannte sie auf Nachfrage von pro in Bezug auf Migranten etwa die Angst, von Menschen überrannt zu werden, die anders sind. Es gebe auch ökonomische Ängste oder die Angst davor, den eigenen sozialen Status zu verlieren. „Man muss sehr genau hinhören, was diese Ängste sind, um darauf antworten zu können und um den Prozess des Hasses umzukehren.“ Sie kritisierte, dass die aktuelle Politik in den USA sich Ängste und Missinformationen zu Nutze mache, statt auf Fakten aufzubauen. Daher müssten auch religiöse Verantwortungsträger dazu beitragen, Fakten bekannt zu machen.

So habe die Angst vor Muslimen und Flüchtlingen vor allem zu tun mit der Angst vor Terrorismus, erklärte Bennett. Jedoch zeige die Statistik, dass die Wahrscheinlichkeit, durch einen Terroranschlag eines Flüchtlings zu sterben viel geringer ist als durch einen gebürtigen Amerikaner ermordet zu werden.

Bennett ist Präsidentin und Gründerin des Tanenbaum Zentrums für Interreligiöse Verständigung in New York. Als Witwe des 1992 verstorbenen Rabbis Marc H. Tanenbaum setzte sie damit sein Bemühen um interreligiösen Dialog, Menschenrechte und humanitäre Hilfe fort.

Von: Jonathan Steinert

Die internationale Organisation „Religions for Peace“ verschiedener Religionen will die weltweiten Friedensprozesse vorantreiben. Nach dem Willen des weltweiten Netzwerkes sollen dazu auch religiöse Stätten vor Übergriffen geschützt werden. Mit diesem Vorschlag reagiert die Organisation auf Anschläge auf Kirchen in Sri Lanka und eine Moschee im australischen Christchurch in diesem Frühjahr.

Der CDU-Politiker Volker Kauder hat den staatlichen Schutz religiöser Stätten und das Vorhaben der Organisation begrüßt. „Wir haben erlebt, wie vor allem radikale Islamisten religöse Einrichtungen schänden und zerstören“, sagte Kauder am Dienstag. Er hoffe, dass die Konferenz von „Religions for Peace“ einen wichtigen Anstoß dafür liefert, religiöse Einrichtungen weltweit und religionsübergreifend zu schützen. „Wir müssen dafür eintreten, dass jeder nach seiner Religion frei leben darf“, erklärte der Unionspolitiker auf Anfrage.

Kauder hält es grundsätzlich für richtig, dass sich Christen für Religionsfreiheit und für den friedlichen Umgang miteinander einsetzen. „Es ist auch wichtig zu betonen, dass jede Religion einen Eigenwert hat, eigene Überzeugungen“, erklärte Kauder gegenüber pro. Kauder wolle die diesjährige Weltkonferenz von „Religions for Peace“ nutzen, um mit Konferenzteilnehmern auch über die Situation verfolgter Christen zu reden. Kauder setzt sich immer wieder öffentlich für die Durchsetzung der weltweiten Religionsfreiheit und gegen die Verfolgung von Christen weltweit ein.

„Religions for Peace“ ist die größte internationale multireligiöse Allianz, die sich für Frieden einsetzt. Bei der diesjährigen 10. Weltkonferenz in Lindau stehen Fragen nach gemeinsam geteiltem Wohlstand im Mittelpunkt der Beratungen. Rund 900 Gäste und Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nehmen an der Konferenz teil, die noch bis Freitag geht.

Von: Norbert Schäfer

Twitter hat der Volksrepublik China Versuche vorgeworfen, die Proteste in Hongkong in großem Stil zu diskreditieren. Am Montag veröffentlichte der Kurznachrichtendienst eine Pressemitteilung, in der Twitter von einer „signifikanten staatlich unterstützten Informationsoperation“ berichtet. Demnach seien 936 Twitter-Konten aufgedeckt worden, die aus der Volksrepublik China stammten. „Diese Konten haben bewusst und gezielt versucht, politische Uneinigkeit in Hongkong zu säen, wozu das Untergraben der Legitimität und die politischen Positionen der Protestbewegung vor Ort gehört."

Als Hinweis dafür, dass diese Konten von staatlichen Stellen in China stammen, nannte Twitter die Ergebnisse einer „intensiven Untersuchung“. Denmach hätten sich große Gruppen von Konten in auffälliger Weise so verhalten, dass der Verdacht einer zentralen Koordinierung nahe liege.

Offenbar sind die Chinesen dabei sehr unvorsichtig vorgegangen. In der Volksrepublik ist Twitter – im Gegensatz zu Hongkong – offiziell gesperrt. Nur über einen Umweg, nämlich sogenannte VPN-Tunnel, können Nutzer auf den Kurznachrichtendienst zugreifen. In den meisten der Propaganda-Konten stellte Twitter auch die Benutzung solcher VPN-Tunnel fest. „Allerdings haben manche Konten auch über nicht blockierte IP-Adressen auf Twitter zugegriffen, die vom chinesischen Festland stammen.“ Das bedeutet, dass der chinesische Staat einzelne Computer für die Twitternutzung freigeschaltet haben muss, zum Beispiel in Behörden – womit der Volksrepublik staatliche Propaganda auf Twitter nachgewiesen wäre.

Werbeverbot für Staatsmedien auf Twitter

Zwar ist es nicht verboten, dass Regierungen auf Twitter aktiv sind und für ihre Ziele werben. Die betroffenen Konten hätten aber gezielt gegen die Richtlinie zu Plattformmanipulation und Spam verstoßen. Twitter listet unter den Verstößen unter anderem „koordinierte Aktivitäten“, „gefälschte Konten“ und „ban evasion“. Letztere bedeutet, dass Nutzer, nachdem sie wegen Verstößen gesperrt wurden, zahlreiche neue Konten anlegen, um die Sperre zu umgehen. Twitter hat nach eigenen Angaben ein ganzes Netzwerk von 200.000 Spamkonten gesperrt, bevor diese aktiv werden konnten.

Gleichzeitig gab Twitter bekannt, dass staatlich gelenkte Medien künftig keine Werbung mehr schalten dürfen. „Wir wollen einen gesunden Diskurs und offene Gespräche bewahren“, begründete das Unternehmen den Schritt. Das neue Werbeverbot betreffe keine steuerfinanzierten, aber unabhängige Medien wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Auch Facebook berichtete am Montag von „koordiniertem unauthentischem Verhalten aus China“. Das Unternehmen habe sieben Facebook-Seiten, drei Gruppen und fünf Konten gelöscht. Unter den geposteten Propaganda-Beiträgen waren Fotos, die die Protestbewegung mit der IS-Miliz verglichen oder als „Hongkong-Kakerlaken“ bezeichneten. Etwa 15.500 Facebook-Konten seien einer oder mehreren der Seiten gefolgt, 2.200 Konten seien den ebenfalls später gelöschten Gruppen beigetreten.

Facebook geht ebenfalls von versuchter staatlicher Einflussnahme aus: „Obwohl die Menschen hinter dieser Aktionen ihre Identität verschleiern wollten, hat unsere Untersuchung Verknüpfungen zu Einzelpersonen festgestellt, die zur chinesischen Regierung gehören.“

Von: Nicolai Franz

„Big T“, wie er genannt wurde, mit blütenweißem Hemd und geschlossenen Augen auf dem Buchcover. Falls diese Mimik Demut ausdrücken soll – „Demut ist eine ganz zentrale Tugend, die eine Führungskraft haben sollte“, formuliert es Thomas Middelhoff bei der Buchvorstellung in Berlin und ergänzt: „Ich war hochmütig“.

Auf den gut 200 Seiten seines Buches bekennt sich der Ex-Vorstandschef vieler weiterer Todsünden schuldig, die er als schleichendes Gift bezeichnet, das den Charakter zerstöre: Etwa Arroganz und Habgier, Neid und Wolllust. Dass ein Mann, der als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG und der damaligen KarstadtQuelle AG ganz oben stand, sich nach seinem Absturz nun öffentlich selbst bezichtigt, macht manchen stutzig. Middelhoff vermarkte wieder sich selbst - jetzt lediglich unter anderen Vorzeichen, kommt Kritik von Seiten der Medien.

Middelhoff weist das zurück. Er wolle anderen mit seinen Bekenntnissen helfen. „Das ist ein Erfahrungsschatz, den ich habe“, sagte er im Gespräch mit pro, „dass ich aus diesem Lernprozess heraus jüngeren Menschen helfen kann, diese Fehler nicht zu wiederholen, das ist mein Anliegen.“ Das ganze Interview mit Thomas Middelhoff können Sie in der nächsten gedruckten Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro lesen.

In der Haft viel in der Bibel gelesen

Dass er aus dem Tiefpunkt seines Lebens wieder herausgekommen sei, habe mit dem Glauben zu tun, erzählt der 66-Jährige den Journalisten. Nach dem Verlust von Job, Ehefrau und Ansehen hatte der Katholik in der Haft viel in der Bibel gelesen und zu Gott gefunden. Auch dass er als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel arbeitete, veränderte seine Sicht auf viele Dinge.

Im Gegensatz zu früher, wo er sehr ruhelos gewesen sei, sei er jetzt für vieles unglaublich dankbar. „Heute erfüllen mich Dinge, die ich früher gar nicht gesehen habe.“ Er brauche nun keine Rolle mehr zu spielen, sondern könne er selber sein. In der Haft habe er seinen Anblick im Spiegel nicht ertragen, so Middelhoff. „Heute gucke ich völlig unbelastet in den Spiegel.“

Er bereue vieles, gesteht der 66-Jährige auf der Pressekonferenz ein: „Ich tue Buße vor Gott.“ Das Gerichtsurteil von 2014 hält er nach wie vor juristisch für fragwürdig, „aber charakterlich habe ich es verdient.“ Heute hält der einstige Topmanager Vorträge und Lesungen. Und auch ein drittes Buch soll in Planung sein – diesmal ein Wirtschaftskrimi.

Thomas Middelhoff: "Schuldig. Vom Scheitern und Wiederaufstehen", adeo Verlag, 22 Euro. ISBN: 978-3-86334-240-1

Von: Christina Bachmann

Ein Ex-Mitarbeiter der US-Internetsuchmaschine Google wirft dem Unternehmen politische Einflussnahme vor.
Religionen müssen sich für Frieden einsetzen, sonst versagen sie vor ihrem eigenen Anspruch und verlieren ihre Glaubwürdigkeit. Das sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Weltversammlung des weltweiten Netzwerks „Religions for Peace“.

© les-routes-sans-fin / unsplash.com

Es war bereits 2006: Der Jakobsweg wurde durch das Buch des Komikers Hape Kerkeling mit dem Titel „Ich bin dann mal weg“ so richtig bekannt. . Für Katrin Förch dauerte es noch weitere sechs Jahre, bis ihre Neugier geweckt war auf den alten Pilgerweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus. Dort – auf diesem Weg – ist sie Gott näher gekommen. Doch es brauchte noch ein heftiges Gewitter in Schweden und Kontakt zu ERF Medien, bis Jesus Christus in ihr Leben getreten ist. Oliver Jeske hat Katrin Förch in Berlin getroffen. Sie hat erzählt wie es kam zum Pilgern auf dem Jakobsweg. Und warum eine Musiker-Kollegin den Anstoß dazu gegeben hat.


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Fußball mit Vision ERF Plus - Aktuell (RSS)(cached at August 20, 2019, 2:01 pm)


© SRS

Manuel Bühler hatte seinen Traum vom Profifußballer fast verwirklicht. Doch dann musste der Spieler vom 1. FC Nürnberg und von 1860 München seine Karriere aufgrund zahlreicher Verletzungen in Knie- und Sprunggelenken aufgeben. 118 Spiele hat der 1,84 Meter große Kicker bis dahin bestritten. Sein christlicher Glaube hat ihm dabei geholfen, in der Karriere nicht alles zu sehen. Und so studierte Manuel Bühler Theologie. Heute ist der 27-Jährige mit der christlichen Sportlerorganisation SRS u. a. in Schulen unterwegs, spricht im Rahmen der Aktion Fußball mit Vision mit den Kindern und Jugendlichen über sein Leben als Sportler, über eine gute Lebensplanung und über seinen christlichen Glauben als Wertebasis. Lehrer können ihn jetzt nach den Ferien wieder einladen.

 


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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zur Eröffnung der 10. Weltkonferenz von „Religions for Peace“ betont, dass jede Religion eine Friedensbotschaft hat. „Zu den tiefsten Versprechungen aller Religionen gehört der Friede – Seelenfriede und der Friede mit dem Nächsten und Fernsten“, sagte er am Dienstag in Lindau. Die Glaubwürdigkeit einer Religion stehe auf dem Spiel, wenn sie sich nicht für Frieden einsetze. Dann werde sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. „Jede Religion, die sich mit Terror, Gewalt und Unterdrückung behaupten will, diskreditiert sich selber.“

Dabei müsse Frieden mehr sein als die Abwesenheit von Krieg. Es bedeute etwa, einen gerechten Anteil an Gütern der Welt zu haben oder den Glauben ungehindert ausdrücken zu können. „Das hebräische Wort ‚Shalom‘ meint die Möglichkeit, ein menschenwürdiges Leben zu führen.“

„Es darf uns, denen Religion wichtig ist – dabei darf ich mich als bekennender Christ einschließen –, nicht gleichgültig sein, wenn Menschen zum Ausdruck bringen, dass Religionen Kriege fördern.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Wahrheitsanspruch friedlich vertreten

Jede Religion habe den Anspruch, wahr zu sein. Das gehöre zu ihrem Wesen und darauf könne eine Religion nicht verzichten, betonte Steinmeier. Aber dieser Wahrheitsanspruch dürfe nur friedlich vertreten werden. „Wir mögen unterschiedlich sein in unserem Glauben. Aber einen muss uns die gemeinsame Haltung: Religion darf keine Rechtfertigung für Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf im Namen der Religion geführt werden.“

Steinmeier stellte fest, dass in zahlreichen gewaltsamen Konflikten religiöse Überzeugungen eine Rolle spielten. Er verwies auf den Dreißigjährigen Krieg in Europa, der um christliche Glaubensbekenntnisse geführt worden sei, aber auch auf aktuelle Krisen. „Wir erleben immer wieder, wie sich Religion unter Einfluss gewissenloser Anführer als furchtbare, gnadenlose Macht erweisen kann.“ Jedoch könnten Religionen auch „konstruktive Kräfte bei der Lösung von Konflikten sein“. Das müssten Diplomatie und Außenpolitik erkennen. Religionen könnten als Instrumente des Friedens einen „unverzichtbaren und unersetzbaren Dienst an Menschen leisten“.

„Das Fundament ist: Wir sind Menschen“

Als ein Vertreter der christlichen Kirchen sagte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde. Er hat die Menschen mit Würde geschaffen. Mit diesem Konsens setzen wir Zeichen gegen Hass und Gewalt.“ Er nannte die Konferenz „ein Zeichen der Hoffnung“ in einer von Krisen geschüttelten Welt. Die Teilnehmer der Konferenz rief er dazu auf, mit „Empathie, Liebe, Freundlichkeit“ Hass und Gewalt zu überwinden.

Sein Amtskollege Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, betonte in seinem Grußwort: „Das Fundament von allem ist, dass wir Menschen sind, auch mit unterschiedlichen Religionen und politischen Überzeugungen. Wir sind Menschen und haben einen Schöpfer, der uns gemacht hat.“ Vor allem dort, wo eine Religion in der Gesellschaft dominiere, sei es eine große Herausforderung, „dass Religion ein Instrument des Friedens wird, nicht Instrument des Krieges und der Unterschiede“.

„Religions for Peace“ ist die größte internationale multireligiöse Allianz, die sich für Frieden einsetzt. Bei der diesjährigen 10. Weltkonferenz in Lindau stehen Fragen nach gemeinsam geteiltem Wohlstand im Mittelpunkt der Beratungen. Rund 900 Gäste und Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nehmen an der Konferenz teil, die noch bis Freitag geht.

Von: Jonathan Steinert