Schau an der schönen Gärten Zier

Seit gut zwei Monaten bewohne ich nun das Pastorat in der Schulstraße und neben den vielen beruflichen Neuerungen hat sich mir privat noch ein ganz neues Betätigungsfeld eröffnet: der Garten.

So ein Garten fordert einen auf seine eigene Weise heraus. Das Gras wächst schneller als erwartet und das Unkraut wächst fröhlich in jede freie Ecke. Wer einen eigenen Garten zu pflegen hat, merkt schnell: Man hat niemals alles im Griff.
Einen ganz anderen Blick auf die Natur wirft das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ vom Lieddichter Paul Gerhardt: Freude an Gottes Gaben suchen und der schönen Gärten Zier anschauen. Paul Gerhardt lädt nicht zuerst zum Arbeiten, Planen oder Verbessern des Gartens ein, sondern zum Wahrnehmen dessen, was Gott wachsen lässt. Das ist ein Gedanke, der uns Menschen heutzutage nicht immer leichtfällt. Oft betrachten wir die Welt und unser Leben vor allem unter der Frage: Was muss getan werden? Was habe ich noch nicht geschafft?

Das Lied richtet den Blick zunächst auf das, was bereits da ist: auf die Schönheit der Schöpfung und auf die Fülle des Lebens, die wir nicht selbst hervorbringen, sondern die bereits da ist. Doch hinter diesen insgesamt 15 (!) Strophen verbirgt sich mehr, als bloße Naturromantik. Paul Gerhardt richtet den Blick schließlich auf den Menschen und sein eigenes Innenleben. Der Garten wird zum Bild für das eigene Leben. Entscheidend ist nicht mehr, was draußen wächst, sondern was Gott in mir wachsen lässt.

Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

Paul Gerhardt war nicht nur Lieddichter, sondern ein Theologe, der seine Beobachtungen der Welt immer biblischen Motiven betrachtet hat. Der hier erwähnte Baum erinnert an Psalm 1: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen \[…] sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit.“

Ein Baum lebt von seinen Wurzeln. Seine Kraft kommt aus der Verbindung zur Quelle, die ihn versorgt. Und wenn er sich am richtigen Ort verwurzelt hat, wird er Früchte tragen. Und so eint der Blick in den eigenen Garten, auf die Verse Paul Gerhardts oder in den Psalm 1 eines: Glaube und Leben wachsen nicht zuerst aus unserer Kontrolle, unserer Leistung oder unserem Organisationstalent. Sie wachsen aus der Verbindung zu Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, kann auch einfach mal
durchatmen, einfach sein und trotzdem innerlich wachsen.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sommer – ob auf Reisen oder im eigenen Garten – Momente, in denen das Mühen um Kontrolle in den Hintergrund tritt und stattdessen neu spürbar wird, aus welcher Quelle unser Leben Kraft gewinnt.

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**Ihr Pastor Per Olsen**

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*Beitrag aus dem Amtsblatt Kropp-Stapelholm*